“Walk of Fame Schöneweide”, Sehrohre auf der Wilhelminenhofstraße vom 12.9. bis 4.10.2026

Was ist der “Walk of Fame Schöneweide 2026”? 

Eine temporäre  Installation, die aus 24 einzelnen Sehrohren besteht.
Sie sind entlang der Wilhelminenhofstraße aufgestellt und zeigen in Richtung der Industriegebäude auf der anderen Straßenseite.
In jedem Sehrohr ist ein Foto zu entdecken, das für den “Fame” steht..
Es zeigt ein Motiv, das eng mit dem gegenüberliegenden Gebäude verbunden ist.

Wo macht den besonderen Ruhm von Schöneweide aus?

Große Erfindungen, berühmte Physiker, Produkte für den Weltmarkt
– die denkmalgeschützten Industriegebäude zwischen der Wilhelminenhofstraße
und der Spree zeugen bis heute von der Innovationskraft der Schöneweider Elektropolis.

Pressemitteilung_Walk-of-Fame

Abbildung zur Tafel „Der Großtransformator“

Sehrohr 2 – Der Großtransformator

Rotes Sehrohr mit der Zahl 2

Walk of Fame Schöneweide 2026

Der Großtransformator

Abbildung zur Tafel „Der Großtransformator“

wurde im AEG Transformatorenwerk Oberspree der größte Einphasen-Transformator der Welt gebaut. Das AEG-Transformatorenwerk Oberschöneweide (TRO) leistete Pionierarbeit. Hier wurde der „Weltrekord-Transformator” gebaut, ein historischer Meilenstein. Eingesetzt wurden Einphasen-Transformatoren für den großflächigen Ausbau des neuen 220-kv-Höchstspannungsnetzes in Deutschland und für internationale Großkraftwerke.

Zusammengeschaltet zu sogenannten „Drehstrom-Banken” transformierten sie den erzeugten Strom auf 220.000 Volt hoch, damit dieser nahezu verlustfrei über hunderte Kilometer transportiert werden konnte. Gebaut wurde der Groß-Transformator in der Neuen Montagehalle (1916/17).

Die Halle wurde ursprünglich von der Niles-Werkzeugmaschinenfabrik errichtet, die im Ersten Weltkrieg Hochkonjunktur hatte. Vorbild für den Architekten Paul Tropp war dabei die AEG-Großmaschinenhalle von Peter Behrens in der Hussitenstraße in Berlin-Wedding. Mit zwei übereinander liegenden Kranbahnen und fünf Laufkränen ausgestattet, konnten schwerste Maschinen montiert und auf Waggons verladen werden.

1921

übernahm die AEG das Transformatorenwerk Oberschöneweide. Die vorhandenen Gebäude baute sie weiter aus. Innerhalb weniger Jahre wurde das TRO zum führenden Unternehmen auf dem Gebiet des Großtransformatorenbaus. Bis zu 70 Prozent der deutschen Gesamtproduktion an Transformatoren und Hochspannungsschaltern wurden hier produziert.

Gleich zu Anfang konnte sich das Werk mehrere lukrative Großaufträge sichern, die alle Kapazitäten banden und über Jahre hin tausende von Arbeitsplätzen sicherten: Für den Ausbau vom Großkraftwerk Klingenberg übernahm das TRO die Gesamtausführung. Und als ein schweres Erdbeben in Japan das dortige Energienetz zerstörte, war das TRO maßgeblich an dessen Wiederaufbau beteiligt. Auch die Kraftwerke am Dnjepr in der damaligen UdSSR (heute Ukraine) wurden mit Transformatoren aus dem TRO ausgestattet.

Abbildung zur Tafel „Kraftstrom“

Sehrohr 8 – Kraftstrom

Rotes Sehrohr mit der Zahl 8

Walk of Fame Schöneweide 2026

Kraftstrom

Abbildung zur Tafel „Kraftstrom“

Drehstromgenerator von der Maschinenfabrik Oerlikon im Kraftwerk Lauffen, 1891. Die AEG lieferte die Drehstrommotoren. Historische Industriebauten in Schöneweide erinnern bis heute an den Siegeszug der Elektroindustrie, die die Hauptstadt zur Industriemetropole machte, zur Berliner „Elektropolis”.

An der Ecke Wilhelminenhof-/Lauffenerstraße befinden sich das Transformatorenhaus (1912), das Abspannwerk Oberspree (1933) und die Phasenschieberhalle (1937). Die dort installierten Strom- und Spannungswandler bereiteten den Drehstrom des benachbarten Kraftwerks für die Abnahme im Industriegebiet und in den Netzwerken in den umliegenden Gemeinden auf.

Sowohl die Drehstromtechnik als auch der Straßenname „Lauffen” sind eng mit dem Namen Michail von Dolivo-Dobrowolsky (1862-1919) verbunden. Als langjähriger Chefkonstrukteur der AEG erfand er den Asynchronmotor und verhalf dem Dreiphasenwechselstrom, von ihm auch als „Drehstrom” bezeichnet, zur praktischen Anwendung. Bis heute ist der Asynchronmotor der am meisten verwendete Elektromotor.

Als wichtigste historische Leistung von M.v. Dolivo-Dobrowolsky gilt die Leitung der ersten und weltberühmten Drehstrom-Fernübertragung von Lauffen am Neckar nach Frankfurt am Main. Anlässlich der Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung 1891 gelang es erstmals, hochgespannten Drehstrom von 20.000 V fast verlustfrei über eine Länge von 176 km zu transportieren. Dabei wurde ein 300-PS-Drehstromgenerator von der Wasserturbine des Zementwerks in Lauffen am Neckar angetrieben der eine Spannung mit etwa 50 V und 40 Hz erzeugte.

Diese wurde auf 15 kV hochtransformiert und anschließend via einer Freileitung nach Frankfurt übertragen und dort wieder heruntertransformiert.

Die etwa 200 PS, die das Ausstellungsgelände erreichten, wurden auf Drehstrom-Kleinmotoren aufgeteilt, um einen 10 m hohen Wasserfall zu erzeugen, sowie etwa 1000 Glühlampen zu versorgen. M.v. Dolivo-Dobrowolsky rief dem in großer Zahl wartenden Publikum zu: „Der Strom ist in Frankfurt!„, was mit lautem Jubel und Beifall quittiert wurde.

Das Experiment bewies die Praxistauglichkeit von Drehstrom und revolutionierte die weltweite Energieversorgung. Die imageträchtige Wirkung der Demonstration auf der Ausstellung führte zum Durchbruch der Drehstromtechnik und beförderte den Weg der AEG – hin zu einem Weltunternehmen.

Abbildung zur Tafel „Stahlbaukunst: Der Kaisersteg“

Sehrohr 7 – Stahlbaukunst: Der Kaisersteg

Rotes Sehrohr mit der Zahl 7

Walk of Fame Schöneweide 2026

Stahlbaukunst: Der Kaisersteg

Abbildung zur Tafel „Stahlbaukunst: Der Kaisersteg“

Der Kaisersteg, ‚Aufnahme von 1907 Der im Jahr 1898 erbaute Kaisersteg war eine von der Grundrentengesellschaft Wilhelminenhof und der AEG gemeinsam erbaute Fußgängerbrücke. Der Bau lag im beiderseitigen Interesse: für die AEG verkürzte sich der Weg ihrer Arbeiter vom Bahnhof Berlin-Schöneweide erheblich und die Terraingesellschaft konnte den Wert des Erschließungsgebietes durch die zweite Spreebrücke steigern. Den Namen erhielt der neue Spreeübergang zu Ehren des Deutschen Kaisers Wilhelm Il, einem Förderer des Ingenieurwesens.

Mit dem endgültigen Entwurf betrauten die Auftraggeber den Bauingenieur Heinrich Müller-Breslau (* 1851; t 1925), Professor an der Technischen Hochschule Charlottenburg und der führende Statiker seiner Zeit. Seine filigrane Eisenfachwerkkonstruktion über die Spree zählte zu den bedeutenden Leistungen der Ingenieurskunst um 1900. Das „landschaftlich reizvolle Bild unserer schönen Oberspree” veranlasste Müller-Breslau nach eigenen Worten, „besondere Sorgfalt auf eine gefällige Linienführung der Gurtungen zu verwenden‘.

Die Spannweite der Mittelöffnung von 86 Metern ermöglichte einen weitgehend freien Blick über die Spree bei den erschwerten Verkehrsverhältnissen für die Schifffahrt in der Kurve. Die Portale erhielten eiserne Verzierungen in gotisierenden Formen – Bekrönungen der Portale, Zinnen, Rosetten, Wappen mit dem Reichsadler und mit allegorischen Darstellungen der Elektrizität, wie sie sich ähnlich am nahen Kraftwerk Oberspree wiederfinden. Als Werbeobjekt der AEG war die Brücke von Beginn an durch das werkseigene Drehstromkraftwerk elektrisch beleuchtet.

Zwei Bogenlampen in den Portalen und eine in der Flussmitte erhellten mit einigen Glühlampen die Brücke bei Dunkelheit.

1945

sprengten Einheiten der SS den Kaisersteg und die Treskowbrücke, um die anrückende Rote Armee aufzuhalten. Die Industrielandschaft in Nieder- und Oberschöneweide verlor damit eines ihrer prägenden Wahrzeichen. Im Jahr 2007 wurde der neue Kaisersteg als Schrägseilbrücke eröffnet.

 

Abbildung zur Tafel „Reinbeckhallen“

Sehrohr 6 – Industriesalon/Reinbeckhallen

Rotes Sehrohr mit der Aufschrift „nach 1990“

Walk of Fame Schöneweide 2026

Reinbeckhallen

Abbildung zur Tafel „Reinbeckhallen“

Der Industriesalon nutzt eine sanierte Betonhalle, die in der DDR als Elektrowerkstatt für das TRO diente. Die meisten der benachbarten Gebäude wurden von Künstlern und Kreativen gekauft.

1990

_ 2004 Die Treuhand teilt das rund 12 Hektar große Transformatorenwerk in einen westlichen Teil mit dem Transformatorenbau und einen kleineren östlichen Teil mit dem ehemaligen Schalterbau. Der gilt als technisch veraltet und wird stillgelegt. Die Gebäude werden nicht unter Denkmalschutz gestellt.

Als Zwischennutzung versucht das Kulturwerk die Industriehallen mit Veranstaltungen und Ausstellungen zu beleben. Doch der Träger, die KirchBauhof gGmbH, muss 2002 Insolvenz anmelden. Die Hallen stehen leer. Der Bezirk erwägt den Abriss.

2004 – 2016

Rechtsanwalt Sven Herrmann und Galerist Helmut Schuster kaufen das marode Areal für ca. 450.000 Euro. Beide begeistert die Vision der „Schauhallen’, ein Kunstquartier im industriellen Ambiente, mit internationaler Ausstrahlung. Für die fehlenden 20 Mio. Euro sucht Herrmann weltweit nach Investoren im Kunstbereich. Aber Unterstützer bleiben mißtrauisch, die Finanzierung scheitert.

Einzelne Hallen werden verkauft, 2013 erwirbt Bryan Adams die Spreehalle.

2016

Sven Herrmann gründet die gemeinnützige Stiftung Reinbeckhallen, die auf seiner eigenen Kunstsammlung basiert. Sie betreibt Ausstellungen und Kulturprogramme – vor allem in den Reinbeckhallen.

Heute

Industriesalon Ausgangspunkt für die Gründung des Industriesalons im Jahr 2009 ist die Rettung des Werksmuseums aus dem VEB Werk für Fernsehelektronik (WF). Sven Herrmann stellt dafür eine Halle auf seinem Areal zur Verfügung. Mit öffentlichen Geldern wird sie 2011/2012 energetisch saniert.

Zunächst ist der Verein mit dem Ordnen und Bewahren des industriellen Erbes aus dem WF beschäftigt. Zunehmend weitet sich der Fokus auf das historische Industriegebiet. Es werden Führungen, Veranstaltungen, Gespräche und Netzwerkarbeit organisiert. Aus intensiven Recherchen und den Erfahrungen der täglichen Arbeit vor Ort entwickelt sich der Industriesalon zum Vermittler von Geschichte, Architektur, und Wissenschaft am Standort. In den letzten Jahren ist die Organisation einer Standortgemeinschaft mit den Eigentümern der Industrieareale zunehmend wichtiger geworden.

Der Industriesalon begleitet den andauernden Transformationsprozess in Oberschöneweide als kritischer Beobachter, Bewahrer des industriellen

Abbildung zur Tafel „Giganten auf Schienen“

Sehrohr 5 – Giganten auf Schienen

Rotes Sehrohr mit der Zahl 5

Walk of Fame Schöneweide 2026

Giganten auf Schienen

Abbildung zur Tafel „Giganten auf Schienen“

Für den Transport großer Transformatoren aus Schöneweide wurden spezielle Güterwagen og. „Tragschnabelwagen” mit mehreren Achsen entwickelt. Großtransformatoren aus dem Transformatorenwerk Oberschöneweide (TRO) zählten zu den größten technischen Leistungen der Berliner Industriegeschichte. Aufgrund extremer Dimensionen von bis zu 600 MVA – ausreichend für die Stromversorgung von bis zu 700.000 Haushalten – und einem Gesamtgewicht von oft über 200 Tonnen war für die Verschickung eine ausgeklügelte Logistik und großes Improvisationstalent erforderlich.

In den 1920er Jahren ließ die AEG Spezialwagen bauen, sogenannte Tragschnabelwagen mit bis zu 18 oder 32 Achsen. Der Transformator wurde als tragendes Teil direkt in den „Schnabel„ eingehängt und bildete so selbst das tragende Mittelstück zwischen den beiden Wagenteilen.

In der DDR wurde das VEB Transformatorenwerk „Karl Liebknecht„ (TRO) der zentrale „Hoflieferant” für die gesamte Energiewirtschaft der DDR und damit auch zuständig für die Montage und den Umschlag der riesigen Trafos. Um die enormen Massen von bis zu mehreren Hundert Tonnen sicher über das Schienennetz der DDR zu befördern, wuchsen die Waggons konstruktiv mit den Anforderungen.

Ein Zeitzeuge aus der Versandabteilung des TRO erinnert sich: So war das in der DDR – wir mussten immer improvisieren, immer mit dem Mangel kämpfen und uns immer was einfallen lassen. Ich musste Trafotransporte verfolgen, auf Wegen durch die halbe Welt. Da brauchte man Spezialkräne, um sie zu verladen, spezielle Transportfahrzeuge und spezielle Eisenbahnwaggons. Im Rostocker Uberseehafen lag sogar ein Schiff, eigens für schwere Frachten gebaut, die „Brocken„; damit wurden unsere Seetransporte abgewickelt.

Wir haben viel in den Iran und Irak verkauft, auch nach Afrika in den Kongo, also in Länder mit teilweise ganz unwegsamen Straßen, da ging es durch die Wüste oder durch den Urwald, das war jedes Mal ein Abenteuer, bis die Trafos an ihrem Bestimmungsort ankamen. Immer musste einer von uns diese Großtransporte persönlich begleiten, und mehr als einmal gab es dabei Probleme, die nur mit viel Einfallsreich-

tum und vielen Verrenkungen zu lösen waren. (Dieter Scholz 2013 im Industriesalon – Interview)

Abbildung zur Tafel „Technikpionier Georg Stern“

Sehrohr 4 – Technikpionier Georg Stern

Rotes Sehrohr mit der Zahl 3

Walk of Fame Schöneweide 2026

Technikpionier Georg Stern

Abbildung zur Tafel „Technikpionier Georg Stern“

Georg Joseph Stern (* 1867- + 1934) Erster Direktor vom TRO Physiker, Ingenieur und Komponist, ‘Schwager von Kéithe Kollwitz Als erster Direktor pragte Georg Stern die Entwicklung des AEG-Transformatorenwerkes (TRO) maßgeblich. Ehemalige Mitarbeitende bezeichneten ihn rückblickend als „einen der hervorragendsten Wegbereiter der Hochspannungstechnik’.

1908

stellte Stern Vorschriften für den Parallelbetrieb von mehreren Transformatoren auf, die als „Sternschaltung” zum Standard wurden. Auf ihn geht auch ein wichtiges Prüfverfahren zurück, die sogenannte „Überspannungs- oder „Sprungwellenprobe„, durch die Transformatoren etwa im Hinblick auf Gewitterfestigkeit geprüft werden konnten.

Auch der Bau von „Einheits-Transformatoren„ geht auf ihn zurück. Damit konnte den schnell wachsenden Ansprüchen der immer größeren Kraftwerke entsprochen werden. In seiner Amtszeit vergrößerte sich die Leistung von u.a. in Elektrizitätswerken eingesetzten (Groß-)Transformatoren von 5.000 auf über 100.000 Kilovoltampere. In die Ära Stern fiel die Entwicklung des ersten Wandertransformators im TRO (1923), der Bau des größten Transformatoren der Welt (1927) und die Entwicklung der Druckluftschaltertechnik zur Serienreife (1929).

Sinnfällig verdeutlicht diese stürmische Entwicklung auch der von ihm geleitete Auf- und Ausbau des Transformatorenwerks, das die Grundstücksfläche auf 140.000 m² erweiterte und über ein eigenes Kraftwerk verfügte. In Anerkennung seiner Leistungen wurde Stern 1926 stellvertretendes Vorstandsmitglied der AEG.

Den Posten hatte er bis 1940 inne. Er war Mitglied und Vorsitzender in mehreren Ausschüssen des VDE sowie in der Internationalen Elektrotechnischen Kommission.

1931

wurde Stern pensioniert. Nun widmete er sich seiner zweiten großen Leidenschaft, der kompositorischen Arbeit. Auch diese Leistungen fanden Anerkennung, so in Aufführungen seiner Kompositionen in der Berliner Philharmonie, in Dresden und Königsberg. Im Alter von 66 Jahren starb Georg Stern. Seit 1938 war er mit Berta Lisbeth Schmidt verheiratet, der jüngeren Schwester von Käthe Kollwitz. Er wurde in der Familiengrabstätte Kollwitz/Stern auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin-Lichtenberg beigesetzt.

Abbildung zur Tafel „Gewittermaschine“

Sehrohr 3 – Gewittermaschine

Rotes Sehrohr mit der Zahl 3

Walk of Fame Schöneweide 2026

Gewittermaschine

Abbildung zur Tafel „Gewittermaschine“

Wo einst künstliche Blitze zuckten, In der Hochspannungsanlage des TRO entwickelten die Physiker Arno Brasch und Fritz Lange Grundlagen für die moderne Teilchen- und Kernphysik. In den 20er Jahren wurde der leistungsfähigste Stoßspannungsgenerator Europas auf dem hinteren Dach der Montagehalle des TRO installiert. Im Sekundentakt produzierte er sehr starke kurze Blitze (2,4 MV) mit denen Transformatoren und Schalter beschossen und so auf ihre Wetterfestigkeit getestet wurden.

Die jungen Physiker Arno Brasch und Fritz Lange kamen auf die Idee, die sehr hohen Spannungen für die Weiterführung ihrer Experimente zu nutzen. Vorher hatten sie „Blitzfänger” im Tessin installiert: eine mehrere hundert Meter lange Antenne, die ein ganzes Tal überspannte. Nach dem tödlichen Unfall ihres Kollegen Kurt Urban verlegten sie die gefährliche Forschung nach Schöneweide.

Im Hochspannungslabor des Transformatorenwerks gelang es den Physikern, radioaktive Elemente und Neutronen zu erzeugen. Sie legten damit wichtige Grundlagen für die moderne Teilchen- und Kernphysik. Ihre Arbeit konzentrierte sich zunächst auf die Konstruktion eines Entladungsrohres, das die extremen Spannungen aushielt, ohne dabei bei jedem Spannungsstoß in die Luft zu fliegen. Anfang der dreißiger Jahre war die Apparatur dann soweit entwickelt, dass intensivste Elektronenstrahlen bei Austritt aus der Röhre die Luft zu gespenstisch blauem Leuchten brachten.

Brasch und Lang konnten Elektronen auf ein metallisches Ziel lenken und damit energiereiche Röntgenstrahlen erzeugen.

Die Produktion von Elektronenstrahlungen ermöglichte es Neutronen freizusetzen. Damit begann die völlig neue Technologie der Atomzertrümmerung. In der Folge gelang Otto Hahn und Fritz Strassmann

1938

erstmals die Spaltung des Atomkerns. Auch der Strahlentherapie eröffneten harte Röntgenstrahlen neue Möglichkeiten: Damit konnten erstmal auch tieferliegende Tumore bestrahlt werden. Mit der Machtübernahme der Nazis fanden die Forschungen im TRO ein jähes Ende. Als gebürtiger Jude floh Arno Brasch 1936 in die USA. Fritz Lange, der der KPD nahestand, emigrierte in die Sowjetunion, wo er über kernphysikalische Themen arbeitete.

Abbildung zur Tafel „Elektropolis Schöneweide“

Sehrohr 1 – Elektropolis Schöneweide

Rotes Sehrohr mit der Zahl 1

Walk of Fame Schöneweide 2026

Elektropolis Schöneweide

Abbildung zur Tafel „Elektropolis Schöneweide“

Das historische Gründerzentrum in Schöneweide wuchs mit dem Kabelwerk Oberspree der AEG. ‘Mutige Unternehmer, kreative Forscher und Technologen begründeten den Ruhm der „Elektropolis” an der Spree. Der „Walk of Fame Schöneweide„ ist eine temporäre Open-Air-Ausstellung entlang der Wilhelminenhof straße. Mit den dort installierten Sehrohren wird der Fokus auf die Bedeutung der lokalen Industrieund Unternehmenskultur gerichtet. Jedes Sehrohr zeigt ein Foto, das für den „Fame„ steht, der mit dem gegenüberliegenden Gebäude jeweils eng verbunden ist.

Die meisten der heute noch bestehenden Gebäude stammen aus der Zeit um 1900, als der aufstrebende Weltkonzern „Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft” (AEG) für einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung sorgte. Das erste Drehstromkraftwerk und das danebenliegende Kabelwerk waren Anfänge eines bedeutenden Gründerzentrums, das zum pulsierenden Herzen der weltweit führenden Elektroindustrie wurde. Herausragende Technologien, wichtige Erfindungen, kreative Forschungslaboratorien und gigantische Produktionsmengen begründeten damals den Ruhm von Schöneweide.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die nur teilweise zerstörten Industrieanlagen weiter genutzt. Schöneweide entwickelte sich zum größten innerstädtischen Industriegebiet der DDR, zur „Elektropolis des Ostens„. Nach der Wende brachen große Teile der Produktion weg. Einzelne Industrieareale wurden mehrfach verkauft. In Teilen des historischen Kabelwerks entstand der Campus der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW), die Revitalisierung benachbarter Industrieareale kam über Vorplanungen kaum hinaus.

Vereinzelt – und für den Passanten teilweise verborgen – wird aber auch heute noch – oder wieder an innovativen Produkten gearbeitet: Made in Schöneweide!

Die Wiederbelebung und der Ausbau Schöneweides zu einem „Berliner Zukunftsort” war und bleibt weiterhin gemeinsames Ziel. Die Sehrohre auf dem Walk of Fame Schöneweide können nur vereinzelte Schlaglichter werfen auf das komplexe Wirtschaftsgeschehen, das diesen Standort geprägt hat. Sie sollen neugierig machen und dazu animieren, den Ruhm der Industriekultur zu bewahren und sie angemessen und sensibel in die Zukunft zu überführen.

Abbildung zur Tafel „Energieschmiede“

Sehrohr 23 – Energieschmiede

Rotes Sehrohr mit der Zahl 23

Energieschmiede

Nach dem Vorbild des US-Autoherstellers Ford wurde in den 20er Jahren die Fließbandfertigung für die Montage in der Batteriefabrik eingeführt.

Historische Fabrikhalle für die Fließbandproduktion
Fabrikhalle für Fließbandproduktion von Jean Krämer
Historische Batterieproduktion in Schöneweide um 1926
Batterieproduktion in Schöneweide um 1926, © 50 Jahre AFA, Jubiläumsschrift Berlin 1938, S. 181

Walk of Fame Schöneweide 2026

Seit 1899 werden in Oberschöneweide Batterien produziert.

Heute firmiert die Batteriefabrik unter dem Namen BAE Batterien GmbH. Sie ist einer der letzten verbliebenen Großbetriebe der historischen „Elektropolis“.

Ihre Geschichte geht direkt auf die Akkumulatorenwerke Oberspree (AO) zurück, die 1901 von der Accumulatorenfabrik AG (AFA) übernommen wurden. Die AFA war eines der bedeutendsten Unternehmen der deutschen Elektroindustrie und entwickelte sich zum größten Hersteller von Bleiakkumulatoren in Europa. Sie verband Forschung, industrielle Großserienfertigung und moderne Industriearchitektur und trug wesentlich dazu bei, dass Oberschöneweide zu einem bedeutenden Zentrum der deutschen Elektroindustrie wurde.

1905 übernahm die AFA das Werk in Oberschöneweide. Auf dem Gelände an der Wilhelminenhofstraße entstand ein weitläufiger Fabrikkomplex, der sich zum wichtigsten Produktionsstandort für Akkumulatoren und Batterien innerhalb des Unternehmens entwickelte. Gleichzeitig wurde die Produktion kontinuierlich erweitert. Unter dem Namen VARTA wurden die in Schöneweide gefertigten Batterien weltweit vermarktet. VARTA entwickelte sich später zu einer der bekanntesten Batteriemarken Europas.

Die schwierige Lage nach dem Ersten Weltkrieg nutzte 1922 Günther Quandt gezielt aus. Er begann systematisch die Aktien aufzukaufen, so dass die AFA zum wertvollsten Teil seines Industriekonzerns wurde. Die Batterieproduktion wurde umfassend modernisiert und rationalisiert. Mit dem Bau der großen Einbauhalle wurde der Architekt Jean Krämer (1925–1926) beauftragt, ein langjähriger Mitarbeiter von Peter Behrens. Das heute denkmalgeschützte Gebäude verbindet moderne Industriearchitektur mit der neuen Fließbandfertigung für die industrielle Massenproduktion. Der stützenarme, große Produktionsraum ermöglicht einen kontinuierlichen Materialfluss. So können die einzelnen Komponenten – Platten, Separatoren, Gehäuse und Verbinder – entlang langer Fertigungsstraßen zu fertigen VARTA-Batterien montiert werden.