Ausstellung: Jüdisches Leben und Arbeiten in Schöneweide – vom 9.10. bis 7.11. 2026

Jüdisches Leben und Arbeiten in Schöneweide – die Geschichten von sechs Familien

Entdecken sie die Geschichten unserer ehemaligen Nachbarn. Es gab darunter große Namen, wie die Familie Rathenau, die Familie Feldmann mit ihrer Färberei oder die Familie Lehmann mit ihrer Plüschfabrik. Viele andere Familien prägten Schöneweide und machten Schöneweide zu ihrem zuhause und für alle Bewohner lebenswert.

Wir zeigen am Beispiel von sechs Familien, dass es selbstverständlich war, zumindest bis 1933, im Kaufhaus der Familie Altmann in der Wilhelminenhofstraße einzukaufen, sich juristischen Beistand bei Rechtsanwalt Paul Altmann zu holen, den man vielleicht auch aus dem Ruderklub kannte, sich im Friseursalon von Liesbeth Lewy die Haare schneiden zu lassen, sich bei Rosa Schindler ein Radio zu kaufen, sich bei Dr. Gostynski behandeln zu lassen. Man betrieb im Ruderklub mit den Nachbarn gemeinsam Sport und arbeitete bei der AEG nebeneinander. Die Kinder gingen hier in die Volksschule und ins Realgymnasium. Man traf sich mit befreundeten Familien zum Skatspielen oder machte gemeinsame Bootsauflüge.

Anhand eines historischen Stadtplans lassen sich die Wohn- und Arbeitsorte finden und damaligen Netzwerke erforschen, bis der Rassenwahn des Faschismus alles zerstörte.

An rund 35 ehemalige Bewohner wird mit Stolpersteinen erinnert. Viele Schöneweider Schülern und Schülerinnen haben die Verlegungen begleitet. Ihre Eindrücke haben sie aufgeschrieben und werden ebenfalls in dieser Ausstellung gezeigt.

Wir wünschen den Besuchern viele interessante Erkenntnisse und freuen uns auf ein ihr Feedback!

 

Nachts am Telefon – eine turbulente Tour durch die Geschichte des Fernsprechers 24.9.26,19 Uhr

Nachts am Telefon. Eine turbulente Tour durch die Geschichte des Fernsprechers
Der Schauspieler Sebastian Zett und der Gitarrist Daniel Lindenblatt begeben sich in ihrem neuen
Programm auf eine Zeitreise: von der bahnbrechenden Erfindung des Telefons im Jahre 1861 schlendern
sie quer durch die Jahrzehnte bis in die heutige Zeit. Dabei stöbern sie nicht nur durch Zeitungsartikel
und Filmszenen oder lassen berühmte Telefonate wieder aufleben, sondern wollen auch wissen, ob der
Papst wirklich im Kreml angerufen hat und warum in Wien die Leitungen ständig tot sind.
Abgerundet wird der Abend mit Musik, reichlich Sounds jenseits der Warteschleife und den passenden
Songs.
Lesung, Schauspiel & Gesang: Sebastian Zett
Gitarren, Komposition & Sounds: Daniel Lindenblatt
Dramaturgie: Tanja Rosner
Fotos: Dovile Sermokas
Sebastian Zett absolvierte seine Schauspielausbildung in Berlin und arbeitete u.a.
mit Roman Polanski („The Pianist“), Josephine Larsen und Michael Schweighöfer zusammen.
2004 gab er mit Ibsens “Borkman” sein Regie-Debüt. Es folgte die Gründung des Berliner lux-theaters, wo er zehn Jahre lang als
Regisseur tätig war und über 40 Inszenierungen auf die Bühne brachte. Gastspiele führten ihn u.a. nach Russland, England,
Spanien und Tschechien. Parallel dazu schrieb er Theaterstücke und trat auch als Chansonsänger in Erscheinung.
Seit 2016 tourt er mit eigenen Programmen, die er gemeinsam mit Musikerkollegen bestreitet, steht aber auch immer wieder vor der
Kamera (u.a. für die ARD). sebastianzett.com


Daniel Lindenblatt studierte Musik in Berlin und ist seit fünfzehn Jahren als Gitarrist tätig.
Er ist Dozent im Landesjugendorchester JAZZ des Landes Berlin und
konnte u.a. mit Nils Landgren zusammenarbeiten; Tourneen führten ihn bis nach Los Angeles.

Auch als Komponist ist er gefragt (u.a.Theater der Altmark Stendal).
Seit 2015 ist er als Gitarrist der Band STAUBKIND in allen großen Arenen des Landes zu erleben.
Außerdem wird er regelmäßig als Gastgitarrist gebucht, wie z.B. von Take That bei deren Reunion-Konzert. 2021
brachte er seine erste EP heraus. Im Herbst 2025 ging er mit Marianne Rosenberg auf Deutschland-Tournee.
daniellindenblatt.de

 

Buchen
Ausstellung - Fotografien von Anna Pawlicki - Texte der Portraitierten.

Ausstellung: Schwatzen – Neue Porträts von Schöneweider Senior*innen – 14.11. bis 21.12.2026

Text von Anna Pawlicki zu ihrer Ausstellung
Der Berliner Stadtteil Schöneweide wandelt sich rasant.

Industriebauten verwahrlosen oder werden zu teuren Ateliers. Eine vierspurige Straße soll durch die Wuhlheide führen, die Bewohner*innen werden heterogener und Niederschöneweide ist der derzeit teuerste Ort für Wohnen in Treptow-Köpenick.

Was sagen die, die seit Jahrzehnten hier wohnen? Wie erlebten die Menschen den Zusammenbruch der Großindustrie? Wie erleben sie den heutigen Wandel? Die Fotografin Anna Pawlicki hat sie gefragt und porträtiert.

Sie erzählen vom Blei im Boden und vom Rodeln auf Trümmern. Vom Ruß auf den Hemden und von betäubenden Maiglöckchenparfüm. Und sie erzählen von Wohnungskündigung wegen Eigenbedarf.

“Schwatzen” bedeutet für Frau Schubert: einander begegnen, aufeinander zugehen, miteinander ins Gespräch kommen. Schwatzen kann einem das Gefühl geben, Teil einer losen Gemeinschaft zu sein. Ein Schwatz ist ein flüchtiger Berührungspunkt mit jemandem, der/die andere Ansichten zu der Welt haben kann als man selbst.

Die Porträts erkunden das Phänomen, dass unser Gedächtnis keine Datenablage, sondern ein Geschichtenerzähler ist.

Die Ausstellung wird mit neuen Fotografien von Anna Pawlicki und Texten der Porträtierten im Industriesalon gezeigt.

Über die Künstlerin
Anna ist Fotografin, in Polen geboren und lebt seit 1989 in Berlin.

Sie studierte Filmkamera an der Hff Potsdam Konrad Wolff.

Im Zentrum ihrer künstlerischen Porträtfotografie steht die spontane Begegnung mit unbekannten Menschen. Sie spricht sie an ausgewählten Orten an und entwickle aus diesen Begegnungen fotografische Porträts. Die Porträts verdichtet sie zu Serien, die durch atmosphärische, räumliche oder thematische Bezüge miteinander verbunden sind. Ihre Bildsprache bewegt sich zwischen dokumentarischer Beobachtung und inszenierter Verdichtung. In ihren freien, dokumentarischen Projekten beschäftigt sie sich mit menschlicher Selbstbestimmung und botanischen Phänomenen.

www.annapawlicki.de

 

 

Abbildung zur Tafel „Der Großtransformator“

Sehrohr 2 – Der Großtransformator

Rotes Sehrohr mit der Zahl 2

Walk of Fame Schöneweide 2026

Der Großtransformator

Abbildung zur Tafel „Der Großtransformator“

wurde im AEG Transformatorenwerk Oberspree der größte Einphasen-Transformator der Welt gebaut. Das AEG-Transformatorenwerk Oberschöneweide (TRO) leistete Pionierarbeit. Hier wurde der „Weltrekord-Transformator” gebaut, ein historischer Meilenstein. Eingesetzt wurden Einphasen-Transformatoren für den großflächigen Ausbau des neuen 220-kv-Höchstspannungsnetzes in Deutschland und für internationale Großkraftwerke.

Zusammengeschaltet zu sogenannten „Drehstrom-Banken” transformierten sie den erzeugten Strom auf 220.000 Volt hoch, damit dieser nahezu verlustfrei über hunderte Kilometer transportiert werden konnte. Gebaut wurde der Groß-Transformator in der Neuen Montagehalle (1916/17).

Die Halle wurde ursprünglich von der Niles-Werkzeugmaschinenfabrik errichtet, die im Ersten Weltkrieg Hochkonjunktur hatte. Vorbild für den Architekten Paul Tropp war dabei die AEG-Großmaschinenhalle von Peter Behrens in der Hussitenstraße in Berlin-Wedding. Mit zwei übereinander liegenden Kranbahnen und fünf Laufkränen ausgestattet, konnten schwerste Maschinen montiert und auf Waggons verladen werden.

1921

übernahm die AEG das Transformatorenwerk Oberschöneweide. Die vorhandenen Gebäude baute sie weiter aus. Innerhalb weniger Jahre wurde das TRO zum führenden Unternehmen auf dem Gebiet des Großtransformatorenbaus. Bis zu 70 Prozent der deutschen Gesamtproduktion an Transformatoren und Hochspannungsschaltern wurden hier produziert.

Gleich zu Anfang konnte sich das Werk mehrere lukrative Großaufträge sichern, die alle Kapazitäten banden und über Jahre hin tausende von Arbeitsplätzen sicherten: Für den Ausbau vom Großkraftwerk Klingenberg übernahm das TRO die Gesamtausführung. Und als ein schweres Erdbeben in Japan das dortige Energienetz zerstörte, war das TRO maßgeblich an dessen Wiederaufbau beteiligt. Auch die Kraftwerke am Dnjepr in der damaligen UdSSR (heute Ukraine) wurden mit Transformatoren aus dem TRO ausgestattet.

Abbildung zur Tafel „Kraftstrom“

Sehrohr 8 – Kraftstrom

Rotes Sehrohr mit der Zahl 8

Walk of Fame Schöneweide 2026

Kraftstrom

Abbildung zur Tafel „Kraftstrom“

Drehstromgenerator von der Maschinenfabrik Oerlikon im Kraftwerk Lauffen, 1891. Die AEG lieferte die Drehstrommotoren. Historische Industriebauten in Schöneweide erinnern bis heute an den Siegeszug der Elektroindustrie, die die Hauptstadt zur Industriemetropole machte, zur Berliner „Elektropolis”.

An der Ecke Wilhelminenhof-/Lauffenerstraße befinden sich das Transformatorenhaus (1912), das Abspannwerk Oberspree (1933) und die Phasenschieberhalle (1937). Die dort installierten Strom- und Spannungswandler bereiteten den Drehstrom des benachbarten Kraftwerks für die Abnahme im Industriegebiet und in den Netzwerken in den umliegenden Gemeinden auf.

Sowohl die Drehstromtechnik als auch der Straßenname „Lauffen” sind eng mit dem Namen Michail von Dolivo-Dobrowolsky (1862-1919) verbunden. Als langjähriger Chefkonstrukteur der AEG erfand er den Asynchronmotor und verhalf dem Dreiphasenwechselstrom, von ihm auch als „Drehstrom” bezeichnet, zur praktischen Anwendung. Bis heute ist der Asynchronmotor der am meisten verwendete Elektromotor.

Als wichtigste historische Leistung von M.v. Dolivo-Dobrowolsky gilt die Leitung der ersten und weltberühmten Drehstrom-Fernübertragung von Lauffen am Neckar nach Frankfurt am Main. Anlässlich der Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung 1891 gelang es erstmals, hochgespannten Drehstrom von 20.000 V fast verlustfrei über eine Länge von 176 km zu transportieren. Dabei wurde ein 300-PS-Drehstromgenerator von der Wasserturbine des Zementwerks in Lauffen am Neckar angetrieben der eine Spannung mit etwa 50 V und 40 Hz erzeugte.

Diese wurde auf 15 kV hochtransformiert und anschließend via einer Freileitung nach Frankfurt übertragen und dort wieder heruntertransformiert.

Die etwa 200 PS, die das Ausstellungsgelände erreichten, wurden auf Drehstrom-Kleinmotoren aufgeteilt, um einen 10 m hohen Wasserfall zu erzeugen, sowie etwa 1000 Glühlampen zu versorgen. M.v. Dolivo-Dobrowolsky rief dem in großer Zahl wartenden Publikum zu: „Der Strom ist in Frankfurt!„, was mit lautem Jubel und Beifall quittiert wurde.

Das Experiment bewies die Praxistauglichkeit von Drehstrom und revolutionierte die weltweite Energieversorgung. Die imageträchtige Wirkung der Demonstration auf der Ausstellung führte zum Durchbruch der Drehstromtechnik und beförderte den Weg der AEG – hin zu einem Weltunternehmen.

Abbildung zur Tafel „Stahlbaukunst: Der Kaisersteg“

Sehrohr 7 – Stahlbaukunst: Der Kaisersteg

Rotes Sehrohr mit der Zahl 7

Walk of Fame Schöneweide 2026

Stahlbaukunst: Der Kaisersteg

Abbildung zur Tafel „Stahlbaukunst: Der Kaisersteg“

Der Kaisersteg, ‚Aufnahme von 1907 Der im Jahr 1898 erbaute Kaisersteg war eine von der Grundrentengesellschaft Wilhelminenhof und der AEG gemeinsam erbaute Fußgängerbrücke. Der Bau lag im beiderseitigen Interesse: für die AEG verkürzte sich der Weg ihrer Arbeiter vom Bahnhof Berlin-Schöneweide erheblich und die Terraingesellschaft konnte den Wert des Erschließungsgebietes durch die zweite Spreebrücke steigern. Den Namen erhielt der neue Spreeübergang zu Ehren des Deutschen Kaisers Wilhelm Il, einem Förderer des Ingenieurwesens.

Mit dem endgültigen Entwurf betrauten die Auftraggeber den Bauingenieur Heinrich Müller-Breslau (* 1851; t 1925), Professor an der Technischen Hochschule Charlottenburg und der führende Statiker seiner Zeit. Seine filigrane Eisenfachwerkkonstruktion über die Spree zählte zu den bedeutenden Leistungen der Ingenieurskunst um 1900. Das „landschaftlich reizvolle Bild unserer schönen Oberspree” veranlasste Müller-Breslau nach eigenen Worten, „besondere Sorgfalt auf eine gefällige Linienführung der Gurtungen zu verwenden‘.

Die Spannweite der Mittelöffnung von 86 Metern ermöglichte einen weitgehend freien Blick über die Spree bei den erschwerten Verkehrsverhältnissen für die Schifffahrt in der Kurve. Die Portale erhielten eiserne Verzierungen in gotisierenden Formen – Bekrönungen der Portale, Zinnen, Rosetten, Wappen mit dem Reichsadler und mit allegorischen Darstellungen der Elektrizität, wie sie sich ähnlich am nahen Kraftwerk Oberspree wiederfinden. Als Werbeobjekt der AEG war die Brücke von Beginn an durch das werkseigene Drehstromkraftwerk elektrisch beleuchtet.

Zwei Bogenlampen in den Portalen und eine in der Flussmitte erhellten mit einigen Glühlampen die Brücke bei Dunkelheit.

1945

sprengten Einheiten der SS den Kaisersteg und die Treskowbrücke, um die anrückende Rote Armee aufzuhalten. Die Industrielandschaft in Nieder- und Oberschöneweide verlor damit eines ihrer prägenden Wahrzeichen. Im Jahr 2007 wurde der neue Kaisersteg als Schrägseilbrücke eröffnet.

 

Abbildung zur Tafel „Reinbeckhallen“

Sehrohr 6 – Industriesalon/Reinbeckhallen

Rotes Sehrohr mit der Aufschrift „nach 1990“

Walk of Fame Schöneweide 2026

Reinbeckhallen

Abbildung zur Tafel „Reinbeckhallen“

Der Industriesalon nutzt eine sanierte Betonhalle, die in der DDR als Elektrowerkstatt für das TRO diente. Die meisten der benachbarten Gebäude wurden von Künstlern und Kreativen gekauft.

1990

_ 2004 Die Treuhand teilt das rund 12 Hektar große Transformatorenwerk in einen westlichen Teil mit dem Transformatorenbau und einen kleineren östlichen Teil mit dem ehemaligen Schalterbau. Der gilt als technisch veraltet und wird stillgelegt. Die Gebäude werden nicht unter Denkmalschutz gestellt.

Als Zwischennutzung versucht das Kulturwerk die Industriehallen mit Veranstaltungen und Ausstellungen zu beleben. Doch der Träger, die KirchBauhof gGmbH, muss 2002 Insolvenz anmelden. Die Hallen stehen leer. Der Bezirk erwägt den Abriss.

2004 – 2016

Rechtsanwalt Sven Herrmann und Galerist Helmut Schuster kaufen das marode Areal für ca. 450.000 Euro. Beide begeistert die Vision der „Schauhallen’, ein Kunstquartier im industriellen Ambiente, mit internationaler Ausstrahlung. Für die fehlenden 20 Mio. Euro sucht Herrmann weltweit nach Investoren im Kunstbereich. Aber Unterstützer bleiben mißtrauisch, die Finanzierung scheitert.

Einzelne Hallen werden verkauft, 2013 erwirbt Bryan Adams die Spreehalle.

2016

Sven Herrmann gründet die gemeinnützige Stiftung Reinbeckhallen, die auf seiner eigenen Kunstsammlung basiert. Sie betreibt Ausstellungen und Kulturprogramme – vor allem in den Reinbeckhallen.

Heute

Industriesalon Ausgangspunkt für die Gründung des Industriesalons im Jahr 2009 ist die Rettung des Werksmuseums aus dem VEB Werk für Fernsehelektronik (WF). Sven Herrmann stellt dafür eine Halle auf seinem Areal zur Verfügung. Mit öffentlichen Geldern wird sie 2011/2012 energetisch saniert.

Zunächst ist der Verein mit dem Ordnen und Bewahren des industriellen Erbes aus dem WF beschäftigt. Zunehmend weitet sich der Fokus auf das historische Industriegebiet. Es werden Führungen, Veranstaltungen, Gespräche und Netzwerkarbeit organisiert. Aus intensiven Recherchen und den Erfahrungen der täglichen Arbeit vor Ort entwickelt sich der Industriesalon zum Vermittler von Geschichte, Architektur, und Wissenschaft am Standort. In den letzten Jahren ist die Organisation einer Standortgemeinschaft mit den Eigentümern der Industrieareale zunehmend wichtiger geworden.

Der Industriesalon begleitet den andauernden Transformationsprozess in Oberschöneweide als kritischer Beobachter, Bewahrer des industriellen

Abbildung zur Tafel „Giganten auf Schienen“

Sehrohr 5 – Giganten auf Schienen

Rotes Sehrohr mit der Zahl 5

Walk of Fame Schöneweide 2026

Giganten auf Schienen

Abbildung zur Tafel „Giganten auf Schienen“

Für den Transport großer Transformatoren aus Schöneweide wurden spezielle Güterwagen og. „Tragschnabelwagen” mit mehreren Achsen entwickelt. Großtransformatoren aus dem Transformatorenwerk Oberschöneweide (TRO) zählten zu den größten technischen Leistungen der Berliner Industriegeschichte. Aufgrund extremer Dimensionen von bis zu 600 MVA – ausreichend für die Stromversorgung von bis zu 700.000 Haushalten – und einem Gesamtgewicht von oft über 200 Tonnen war für die Verschickung eine ausgeklügelte Logistik und großes Improvisationstalent erforderlich.

In den 1920er Jahren ließ die AEG Spezialwagen bauen, sogenannte Tragschnabelwagen mit bis zu 18 oder 32 Achsen. Der Transformator wurde als tragendes Teil direkt in den „Schnabel„ eingehängt und bildete so selbst das tragende Mittelstück zwischen den beiden Wagenteilen.

In der DDR wurde das VEB Transformatorenwerk „Karl Liebknecht„ (TRO) der zentrale „Hoflieferant” für die gesamte Energiewirtschaft der DDR und damit auch zuständig für die Montage und den Umschlag der riesigen Trafos. Um die enormen Massen von bis zu mehreren Hundert Tonnen sicher über das Schienennetz der DDR zu befördern, wuchsen die Waggons konstruktiv mit den Anforderungen.

Ein Zeitzeuge aus der Versandabteilung des TRO erinnert sich: So war das in der DDR – wir mussten immer improvisieren, immer mit dem Mangel kämpfen und uns immer was einfallen lassen. Ich musste Trafotransporte verfolgen, auf Wegen durch die halbe Welt. Da brauchte man Spezialkräne, um sie zu verladen, spezielle Transportfahrzeuge und spezielle Eisenbahnwaggons. Im Rostocker Uberseehafen lag sogar ein Schiff, eigens für schwere Frachten gebaut, die „Brocken„; damit wurden unsere Seetransporte abgewickelt.

Wir haben viel in den Iran und Irak verkauft, auch nach Afrika in den Kongo, also in Länder mit teilweise ganz unwegsamen Straßen, da ging es durch die Wüste oder durch den Urwald, das war jedes Mal ein Abenteuer, bis die Trafos an ihrem Bestimmungsort ankamen. Immer musste einer von uns diese Großtransporte persönlich begleiten, und mehr als einmal gab es dabei Probleme, die nur mit viel Einfallsreich-

tum und vielen Verrenkungen zu lösen waren. (Dieter Scholz 2013 im Industriesalon – Interview)

Abbildung zur Tafel „Technikpionier Georg Stern“

Sehrohr 4 – Technikpionier Georg Stern

Rotes Sehrohr mit der Zahl 3

Walk of Fame Schöneweide 2026

Technikpionier Georg Stern

Abbildung zur Tafel „Technikpionier Georg Stern“

Georg Joseph Stern (* 1867- + 1934) Erster Direktor vom TRO Physiker, Ingenieur und Komponist, ‘Schwager von Kéithe Kollwitz Als erster Direktor pragte Georg Stern die Entwicklung des AEG-Transformatorenwerkes (TRO) maßgeblich. Ehemalige Mitarbeitende bezeichneten ihn rückblickend als „einen der hervorragendsten Wegbereiter der Hochspannungstechnik’.

1908

stellte Stern Vorschriften für den Parallelbetrieb von mehreren Transformatoren auf, die als „Sternschaltung” zum Standard wurden. Auf ihn geht auch ein wichtiges Prüfverfahren zurück, die sogenannte „Überspannungs- oder „Sprungwellenprobe„, durch die Transformatoren etwa im Hinblick auf Gewitterfestigkeit geprüft werden konnten.

Auch der Bau von „Einheits-Transformatoren„ geht auf ihn zurück. Damit konnte den schnell wachsenden Ansprüchen der immer größeren Kraftwerke entsprochen werden. In seiner Amtszeit vergrößerte sich die Leistung von u.a. in Elektrizitätswerken eingesetzten (Groß-)Transformatoren von 5.000 auf über 100.000 Kilovoltampere. In die Ära Stern fiel die Entwicklung des ersten Wandertransformators im TRO (1923), der Bau des größten Transformatoren der Welt (1927) und die Entwicklung der Druckluftschaltertechnik zur Serienreife (1929).

Sinnfällig verdeutlicht diese stürmische Entwicklung auch der von ihm geleitete Auf- und Ausbau des Transformatorenwerks, das die Grundstücksfläche auf 140.000 m² erweiterte und über ein eigenes Kraftwerk verfügte. In Anerkennung seiner Leistungen wurde Stern 1926 stellvertretendes Vorstandsmitglied der AEG.

Den Posten hatte er bis 1940 inne. Er war Mitglied und Vorsitzender in mehreren Ausschüssen des VDE sowie in der Internationalen Elektrotechnischen Kommission.

1931

wurde Stern pensioniert. Nun widmete er sich seiner zweiten großen Leidenschaft, der kompositorischen Arbeit. Auch diese Leistungen fanden Anerkennung, so in Aufführungen seiner Kompositionen in der Berliner Philharmonie, in Dresden und Königsberg. Im Alter von 66 Jahren starb Georg Stern. Seit 1938 war er mit Berta Lisbeth Schmidt verheiratet, der jüngeren Schwester von Käthe Kollwitz. Er wurde in der Familiengrabstätte Kollwitz/Stern auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin-Lichtenberg beigesetzt.