Abbildung zur Tafel „Elektronikgigant“

Sehrohr 22 – Elektronikgigant

Rotes Sehrohr mit der Zahl 22

Elektronikgigant

Das VEB Werk für Fernsehelektronik gehörte zu den größten Industriebetrieben Ost-Berlins, ein Schlüsselbetrieb der Elektronikindustrie und zentraler Baustein der technologischen Eigenständigkeit der DDR.

Behrens-Bau bei Nacht mit einer farbigen 3D-Projektion

Walk of Fame Schöneweide 2026

Am 1.10.2017 feierte Schöneweide ein großes „Fest der Mobilität“. Höhepunkt war eine 3D-Projektion am Behrens-Bau. Auf den Tag genau vor 100 Jahren hatte hier die Automobilproduktion begonnen.

Das markante »Monument der Industriekultur« kündete damals von einem neuen Zeitalter des Verkehrs.

Nach dem Ende des Automobilbaus 1934, wurde hier auf „Führerbefehl“ an Fernseh-Übertragungssystemen für die Olympiade 1936 gearbeitet.

Nach dem 2. Weltkrieg zog die Röhrenproduktion ein. Unter wechselnden Namen etablierte sich das VEB Werk für Fernsehelektronik (WF) mit rund 9.000 Beschäftigten. Produziert wurden Bildröhren für Fernsehgeräte, Elektronenröhren und Bauelemente für die First Sensor/TE Connectivity-Funk- und Nachrichtentechnik.

Durch das Embargo der westlichen Staaten, war die DDR von moderner Hochtechnologie abgeschnitten.

Um mit der internationalen Spitzentechnologie dennoch Schritt halten zu können, wurden im WF westliche Bauelemente inclusive Herstellungsverfahren und Fertigungsanlagen nachgebaut. Neben der Produktion von Aufnahme- und Wiedergabetechnik entwickelte sich das WF auch zu einem Forschungs- und Entwicklungszentrum der elektronischen Industrie und galt als modernstes Zentrum der Mikroelektronik in Osteuropa. Alle Erzeugnisse einschließlich ihrer Technologien wurden im Betrieb selbst entwickelt und in die Produktion überführt.

Nach der Wende wurde aus dem „Volkseigenen Betrieb“ zunächst eine GmbH.

Die Treuhand suchte nach einem Käufer. 1993 übernahm Samsung SDI als neuer Eigentümer die Farbbildröhrenproduktion. Aus Teilen der Entwicklungsabteilungen entstanden erfolgreiche Technologieunternehmen, darunter First Sensor/TE Connectivity und die Iris GmbH, die die wissenschaftliche Tradition des Standorts fortführten.

Mit dem weltweiten Übergang von Bildröhren zu LCD- und Plasmabildschirmen verlor der Standort jedoch seine wirtschaftliche Grundlage. 2005 erfolgte die endgültige Schließung des Werkes.

Abbildung zur Tafel „Kommunikationsverstärker“

Sehrohr 18 – Kommunikationsverstärker

Rotes Sehrohr mit der Zahl 18

Kommunikationsverstärker

Da die frühen Elektronenröhren in Handarbeit gefertigt wurden, war die Qualität jedes einzelnen Exemplars unterschiedlich. Eine Original-Röhre wird im Industriesalon ausgestellt.

Walk of Fame Schöneweide 2026

Historische Lieben-Reisz-Verstärkerröhre auf ihrem Apparatesockel

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Telefonieren zwar möglich, aber nur über kurze Entfernungen.

Je länger eine Leitung war, desto schwächer wurde das Signal, bis es schließlich im Rauschen verschwand.

Hochwertige Kabel allein brachten keine Verbesserung.

1906 meldete Robert von Lieben eine erste Verstärkerröhre zum Patent an.

Gemeinsam mit Eugen Reisz und Siegmund Strauss wurde die Konstruktion kontinuierlich verbessert.

Die AEG erkannte sehr früh die Bedeutung dieser Pionierentwicklung, mit der erstmals elektrische Signale verstärkt werden konnten. Zusammen mit Siemens & Halske sicherte sie sich die Nutzungs- und Verwertungsrechte.

1912 wurde im KWO das erste Röhrenlaboratorium eingerichtet.

Unter der Leitung des Wiener Elektroakustikers Eugen Reisz und seines Mitarbeiters Georg Neumann wurde es zu einem ersten deutschen Forschungszentrum für Elektronik.

Die Voraussetzungen für die Fertigung der „Ur-Mutter“ aller Verstärkerröhren waren im KWO vorhanden.

Im Röhrenlaboratorium wurde die nach ihren Erfindern benannte Lieben-Reisz-Röhre zur industriellen Serienreife weiterentwickelt und produziert.

Die gasgefüllte Röhre hatte einen 20-fachen Verstärkungsfaktor. Sie wurde in regelmäßigen Abständen von 80 bis zu 150 km in die Telefonleitungen eingefügt. Dadurch ließ sich die Reichweite für Fernsprechverbindungen beliebig verlängern.

Nach Schätzungen entstanden insgesamt etwa 3.000 Exemplare im KWO, dann wurde die Produktion ausgelagert und durch leistungsstärkere Hochvakuum-Röhren ersetzt.

Die bei der Produktion gewonnenen Erfahrungen in der Vakuumtechnik, Metallbearbeitung und Glasverarbeitung bildeten eine wichtige Grundlage für die spätere Entwicklung moderner Elektronenröhren.

Abbildung zur Tafel „Schlüsseltechnologie“

Sehrohr 17 – Schlüsseltechnologie

Rotes Sehrohr mit der Zahl 17

Schlüsseltechnologie

Jan Czochralski arbeitete von 1908 bis 1917 im Metall-Labor des KWO. Dort entwickelte er das nach ihm benannte Verfahren zur Züchtung von Einkristallen – eine wichtige Grundlage der heutigen Halbleiterindustrie.

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Glühender Einkristall wird aus einer Schmelze gezogen
Historisches Porträt des Chemikers Jan Czochralski

An einem späten Abend im Jahr 1916 arbeitete der Chemiker Jan Czochralski (1885–1953) noch im Metall-Laboratorium des KWO. (Das Labor befand sich in etwa am Ort der heutigen Pförtnerloge auf dem HTW-Campus.) Zu den Aufgaben des jungen Forschers gehörte die Untersuchung von Kristallisationsvorgängen in Metallen. Damit sollten Legierungen normiert und Kosten im Kabelbau eingespart werden.

Nach einem langen Arbeitstag hielt Czochralski die ermittelten Werte für die Schmelzpunkte von Kristallen in einer Liste fest.

Gedankenverloren tauchte er seine Schreibfeder in einen Tiegel mit flüssigem Zinn, statt mit Tinte – ein Versehen, das die Welt veränderte! Er beobachtete, wie sich beim langsamen Herausziehen zwischen der Spitze seines Schreibgerätes und dem Fässchen mit der Zinnschmelze ein langer dünner Faden bildete.

Dieser „schöpferische Fehlgriff“ inspirierte ihn und führte zur Entwicklung des nach ihm benannten neuen Verfahrens: Während ein kleiner Kristallkeim langsam und bei gleichzeitiger Drehung aus einer Metallschmelze gezogen wird, wächst ein großer Einkristall mit geordneter Kristallstruktur.

Ursprünglich diente das Verfahren der Herstellung von Metall-Einkristallen wie Zinn, Zink oder Blei. Erst in den 1950er Jahren wurde erkannt, dass sich dieselbe Methode hervorragend zur Herstellung von Silizium- und Germanium-Einkristallen eignet. Heute entstehen rund 95 % aller Silizium-Einkristalle für die Mikroelektronik nach Varianten des Czochralski-Verfahrens.

Damit basiert praktisch jeder Mikroprozessor, Speicherchip und viele Solarzellen auf einer Erfindung, die im KWO ihren Ursprung hatte.

Als angesehener Metallforscher wurde Czochralski Präsident der Deutschen Gesellschaft für Metallkunde, bis er 1929 als Professor an die Chemische Fakultät der Technischen Hochschule Warschau berufen wurde.

Wegen des Vorwurfs, mit den deutschen Besatzern kollaboriert zu haben, wurde Czochralski nach 1945 aus der Technischen Hochschule ausgeschlossen. Verbittert kehrte er in seinen Geburtsort Kcynia zurück, wo er ein kleines Unternehmen für chemische Präparate, Haushaltsprodukte und Kosmetika gründete.

Abbildung zur Tafel „Campus Wilhelminenhof der HTW Berlin“

Sehrohr 16 – Campus Wilhelminenhof der HTW Berlin

Campus Wilhelminenhof der HTW Berlin

Rotes Sehrohr mit der Aufschrift „nach 1990“

Der Campus Wilhelminenhof ist der größte Standort der HTW. Eine Zusammenlegung mit den Fachbereichen in Karlshorst bleibt erklärtes Ziel.

Campus Wilhelminenhof der HTW Berlin

1990 – 1993

Das KWO geht in das Eigentum der Treuhandanstalt über. Betriebsnotwendige Produktionsflächen werden an das privatisierte KWO verkauft. Die nichtbetriebsnotwendigen Flächen im östlichen Teil sollen separat entwickelt werden.

1994 – 2003

Rund 130.000 m² werden der „Berliner Landesentwicklungsgesellschaft“ (BLEG) zur weiteren Entwicklung übertragen. Sie agiert treuhänderisch für das Land Berlin.

Durch die Sanierung der Altlasten und des Gebäudebestands sollen Wertsteigerungen erzielt werden, um die Kosten von Erwerb, Sanierung und Erschließung zu refinanzieren. Doch die Erwartungen erfüllen sich nicht, die Nachfrage ist zu gering.

Das Vermarktungskonzept scheitert. Die BLEG wird aufgelöst, die Flächen gehen an das Land Berlin.

2004 – 2009

Der Berliner Senat entscheidet, dass die auf fünf Standorte verteilte Fachhochschule für Technik und Wirtschaft langfristig auf einem Zentralcampus zusammengeführt werden soll. Der neue Campus entsteht im historischen Bestand.

Die HTW Berlin ist das Impulsprojekt für die wirtschaftliche und städtebauliche Erneuerung Oberschöneweides.

Die HTW Berlin ist Partner des Walk of Fame Schöneweide und stellt sich vor:

heute

Praxisnah und vielfältig: die HTW Berlin

Studierende und Mitarbeitende der HTW Berlin arbeiten mit einem Roboterarm
www.htw-berlin.de

Die HTW Berlin als größte Hochschule für angewandte Wissenschaften im Land Berlin bietet Studiengänge in den Bereichen Technik, Informatik, Wirtschaft, Recht, Kultur und Design. Ihre Studierenden und Alumni werden regelmäßig bei nationalen und internationalen Wettbewerben ausgezeichnet, die Bewertungen in Rankings sind sehr gut.

Auf dem Campus Wilhelminenhof ist die HTW Berlin seit 20 Jahren zuhause. An diesem traditionsreichen Standort, an dem Industriegeschichte geschrieben wurde, liegen die Forschungsschwerpunkte der Hochschule in den Bereichen erneuerbare Energien und Ressourceneffizienz, digitale Technologien für Wirtschaft und Gesellschaft sowie in Design und Kultur.

Forschung und Entwicklung sind geprägt von Anwendungsorientierung und Praxisnähe. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kooperieren dabei eng mit Partnern aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Kultur und Verwaltung.

Die HTW Berlin zählt außerdem zu den führenden Gründungshochschulen in Deutschland. Sie begleitet Interessierte vom ersten Gründungsinteresse bis zur erfolgreichen Unternehmensgründung mit verschiedenen Programmen und unterschiedlichen Instrumenten.

Abbildung zur Tafel „Funkenflug“

Sehrohr 11 – Funkenflug

Rotes Sehrohr mit der Zahl 11

Funkenflug

Die AEG entwickelte in Oberschöneweide ein innovatives Gründungszentrum. In den KWO-Laboratorien wurden neue Materialien erprobt und weitere Geschäftsfelder erschlossen. Darunter auch die Entwicklung der Hochfrequenztechnik, die mit Experimenten zur drahtlosen Telegrafie ihren Anfang nahm.

Walk of Fame Schöneweide 2026

Historische Versuchsanlage für drahtlose Telegrafie zwischen den Schornsteinen der Kraftzentrale Oberspree

Um 1899 tat sich Bemerkenswertes über den Dächern von Schöneweide: Am wachsenden AEG-Standort wurde die drahtlose Funkübertragung erprobt. Zwischen den 80 m hohen Schornsteinen der Kraftzentrale Oberspree wurden 100 Luftdrähte so geführt, dass sie einen Trichter für große Energieaufnahme ergaben. Mit dieser Versuchsantenne und einem Sender von einigen kW Leistung (Primärenergie 15 kW) erreichten die Funkpioniere Adolf Slaby und Georg Graf von Arco Reichweiten von 300 km. Daraus entwickelte sich der weltweite Funkverkehr – und der Begriff „Funken“, der bis heute für die drahtlose Nachrichtenübertragung steht.

Auch der junge Direktor des Kabelwerks, Erich Rathenau, war begeistert von der neuen Technologie. Das „System Slaby-Arco“ wurde von der AEG übernommen und in der 1899 gegründeten „Funktelegraphischen Abteilung“ unter Graf Arco weiterentwickelt. Sie gilt als Wegbereiter der Hochfrequenztechnik der AEG. Damit verknüpft war die Entwicklung der Telefon- und Telegrafenkabel im KWO.

Auf Anordnung Wilhelms II. wurden sämtliche Kriegsschiffe und Küstenstationen mit Apparaten nach Slaby-Arco ausgerüstet. Auch die Handelsmarine übernahm die Apparate für die drahtlose Telegrafie. Doch das Slaby-Arco-System sah sich zunehmend einer starken Konkurrenz ausgesetzt. Der Italiener Guglielmo Marconi hatte sich 1896 das erste drahtlose Telegrafiesystem patentieren lassen. 1903 gelang ihm die erste Transatlantik-Übertragung. Beide Parteien hielten unabhängig voneinander Patente und blockierten sich gegenseitig.

Um zu vermeiden, dass sich Heer und Marine unterschiedlicher funktechnischer Systeme bedienten, ordnete Kaiser Wilhelm II. die Vereinheitlichung an. Unter Vermittlung der AEG und Siemens & Halske wurden die deutschen Systeme zusammengelegt. Dies führte im Mai 1903 zur Gründung von Telefunken mit Graf von Arco als technischem Direktor. Er bewirkte federführend den Bau leistungsstarker Sendeanlagen und war maßgeblich an der Erforschung und Entwicklung der Hochfrequenztechnik in Deutschland beteiligt.

Abbildung zur Tafel „Betriebliche Fürsorge“

Sehrohr 12 – Betriebliche Fürsorge

Rotes Sehrohr mit der Zahl 12

Betriebliche Fürsorge

Ab 1900 gab es in der KWO-Kantine die Stelle einer „Fabrikpflegerin“, die für die damals etwa 800 im Werk beschäftigten Frauen und Mädchen zuständig war. Auch die Versorgung der Säuglinge fand im Kantinengebäude statt.

Walk of Fame Schöneweide 2026

Säuglingsfürsorge und historische Kantine des Kabelwerks Oberspree

Die Kantine des Kabelwerks Oberspree wurde von Johann Kraaz entworfen, dem Lieblingsarchitekten der Rathenaus, und zwischen 1899 und 1900 errichtet. In historischen Unterlagen wird sie auch als „Casino“ bezeichnet. Damit wurde die Funktion als gesellschaftlicher Mittelpunkt des Werks benannt. Die ehemals schmuckreiche Gestaltung „im altdeutschen Stil“ und die großzügige Ausstattung des Gebäudes lassen auf den hohen Anspruch der AEG an ihre Sozialbauten schließen. Mit einem vielseitigen Angebot im Casino sollte den Mitarbeitern ein „behaglicher Aufenthalt“ geboten werden. Hier hatte auch die frühe betriebliche Sozialpolitik der AEG ihren Ort.

Bei einem 10-stündigen Arbeitstag dauerte die Mittagspause eine Stunde. Alle Arbeiter und Angestellten hatten dafür das Kabelwerk zu verlassen. Wer zum Essen nicht nach Hause ging, der konnte in der Kantine speisen. Während der Mittagszeit hielten sich etwa 1.000 Personen im Gebäude auf, die innerhalb kurzer Zeit verpflegt werden mussten. Im Erdgeschoss gab es zwei Speisesäle für einfache ArbeiterInnen, die ihr Essen selbst mitgebracht hatten oder denen das Essen von Angehörigen gebracht wurde. 15 Wärmevorrichtungen dienten zum Aufwärmen oder Warmhalten von Speisen sowie eine Vorrichtung zur kostenlosen Entnahme von heißem Trinkwasser. Außerdem war dort eine kalte Küche. Frauen und Männer aßen getrennt voneinander, der Frauenspeisesaal wurde von einem männlichen Aufpasser bewacht.

Im Obergeschoss wurde in zwei großen Speisesälen warmes Essen am gedeckten Tisch aus der Kantinenküche angeboten. Um 1904 kostete ein Mittagessen dort 25 Pfennig im Abonnement oder 30 Pfennig für eine einzelne Mahlzeit. Der Stundenlohn für ungelernte Arbeiter lag bei 34 bis 40 Pfennig, Arbeiterinnen verdienten etwa die Hälfte. Für die „Oberbeamten“ gab es ein exklusives Speise- und Lesezimmer. Neben ausliegenden Zeitschriften stand dort auch eine kleine Fachbibliothek zur Verfügung.

Eine „Kantinenkommission“ organisierte Vorträge und „allgemeinverständliche Kurse aus dem gesamten Gebiete der Elektricität“. Für weibliche Angestellte und Familienangehörige wurde angeboten: Schneiderunterricht, Kochunterricht, Flicken und Stopfen.

„Durch solche Anregungen wird ein beständiger und erfreulicher Zusammenhang zwischen den Angestellten und der Werksverwaltung unterhalten“.(Das Kabelwerk der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft Berlin, 1904)
Abbildung zur Tafel „Die Villa Rathenau“

Sehrohr 20 – Elektroinnung/Villa Rathenau

Rotes Sehrohr mit der Aufschrift „nach 1990“

Die Villa Rathenau ist ein erhaltenes Symbol für die bedeutende Geschichte der Elektroindustrie vor Ort.

Villa Rathenau in Oberschöneweide

Die Villa Rathenau

1990 – 1992

In der DDR diente die Villa als Sitz der Betriebsleitung des VEB Kabelwerks Oberspree. Mit der deutschen Wiedervereinigung und der Auflösung des Kombinats endet diese Funktion.

Sekundärquellen berichten, dass die Villa nach der Wiedervereinigung an die Rathenau-Erben rückübertragen wurde. Das wäre theoretisch möglich, da die Villa als privates Wohnhaus der Familie errichtet worden war und nicht zum eigentlichen Fabrik-Vermögen gehörte. Doch ein Grundbuchnachweis oder andere Belege darüber sind bislang nicht veröffentlicht.

2005

Die Elektro-Innung kauft die sanierte Villa – vermutlich von der Berliner Landes- und Entwicklungsgesellschaft (BLEG), die das gesamte Gelände treuhänderisch entwickeln soll. Es wird berichtet, dass der Kaufpreis sehr günstig war.

Die Innung vermietet auch an junge Technologieunternehmen. Zeitweise nutzt die „Qinous GmbH“ die Villa als Gründerstandort, bevor sie von Rolls-Royce Power Systems übernommen wird.

Die Elektro-Innung ist Partner des Walk of Fame Schöneweide und stellt sich vor:

heute

Wo die Energiewende zu Hause ist

Gelbes Signet der Elektro-Innung Berlin
www.elektroinnung.de

Oberschöneweide steht seit jeher unter Strom. Wo Ende des 19. Jahrhunderts mit der AEG die legendäre „Elektropolis“ entstand, schlägt bis heute das Herz des Berliner Elektrohandwerks: In der historischen Villa Rathenau an der Wilhelminenhofstraße hat die Elektro-Innung Berlin ihren Sitz. Als verlässliches Netzwerk für rund 600 Betriebe sorgt die 1903 gegründete Innung dafür, dass die Hauptstadt Tag für Tag am Laufen bleibt.

Doch hier wird nicht nur Tradition gepflegt – hier wird Zukunft gestaltet. Ob Solaranlagen, E-Mobilität, Wärmepumpen oder smarte Gebäude: Das Elektrohandwerk macht Berlin fit für morgen. Gemeinsam mit anderen Gewerken und starken Partnern wie der Deutschen Gesellschaft für Solarenergie, die mit einem Klimacontainer direkt auf dem Innungsgelände vertreten ist, findet sich hier ein Ort, an dem Innovation greifbar wird – gleich neben dem Campus der HTW. Zukunft? Wird hier mit E geschrieben.

Und das Netzwerk wächst weiter: Vom 13. bis 15. Oktober 2026 bringt die neue Fachmesse gedatec auf dem Messegelände unter dem Funkturm die Gewerke Elektro, SHK und Dach zusammen. Schöneweide bleibt damit, was es immer war: eine Keimzelle für echte Berliner Zukunftsenergie.

Abbildung zur Tafel „Kabelwerk der Moderne“

Sehrohr 13 – Kabelwerk der Moderne

Rotes Sehrohr mit der Zahl 13

Kabelwerk der Moderne

Ab 1897 wurde das damals modernste und größte Kabelwerk Europas in nur wenigen Monaten von der AEG erbaut. Unter der Führung von Erich und Emil Rathenau entwickelte sich eine komplexe Fabrikanlage, die für bedeutende Leistungen auf dem Gebiet der Elektrotechnik steht.

Walk of Fame Schöneweide 2026

Luftbild des Kabelwerks Oberspree von 1923

Um 1900 galt das Kabelwerk Oberspree (KWO) als Star unter den Fabriken: Luftige Hallen, die im elektrischen Licht erstrahlten, Maschinen, die von 800 Elektromotoren angetrieben wurden, und Transportfahrzeuge, die sich wie von Geisterhand über das Gelände bewegten. Die voll elektrifizierte Fabrikanlage galt als „Chicago an der Spree“, das die Berliner stolz ihren Gästen zeigten. Mit dem KWO verbindet sich der Aufstieg von Berlin zur „Elektropolis“ – der Stadt der Elektrotechnik, die die Welt veränderte. Die gesamte Anlage setzte sich aus weitgehend selbständigen Fabrikteilen zusammen, die durch übergreifende Fertigungsbereiche miteinander verknüpft waren (»Werkstattprinzip«). Die Produktionsgebäude waren nicht auf bestimmte Prozesse festgelegt, sondern flexibel nutzbar. So konnte die AEG schnell auf wirtschaftliche Entwicklungen reagieren und Produktionsabläufe verändern.

Produziert wurde alles, was Strom fließen lässt, außerdem Maschinen, Funk- und Fernmeldetechnik sowie Automobile. Die Produktpalette wurde ständig erweitert. Insgesamt wurden im KWO rund 30.000 verschiedene Artikel hergestellt. In den Forschungslaboratorien wurde intensiv an neuen Materialien geforscht. Wichtigstes Ziel war die Unabhängigkeit von importierten Rohmaterialien wie Kupfer und Gummi. Um Zulieferer zu ersetzen, wurde eine eigene Metallbearbeitung aufgebaut. Das Kupferwalzwerk wurde zum größten kupferverarbeitenden Betrieb in Deutschland. Das KWO verarbeitete riesige Mengen Rohstoffe, um Drähte wetter- und stromfest zu isolieren. Bereits ab 1898 gab es eine eigene Gummi- und Kunststoffherstellung.

1904 konnte ein erster internationaler Großauftrag realisiert werden. Für die Londoner U-Bahn wurden 12-kV-Massekabel gefertigt und in London verlegt. Zwischen 1911 und 1914 sorgte das KWO für den massiven Ausbau der Strominfrastruktur in Argentinien. Insgesamt wurden 300 km 16-kV-Kabel nach Übersee geliefert – eine logistische und technische Meisterleistung. Dieser gewaltige Exportauftrag führte dazu, dass das KWO-Fabrikgelände um 62.000 m² erweitert werden musste. Die Belegschaft wuchs in dieser Zeit auf rund 8.000 Beschäftigte an.

Abbildung zur Tafel „Klangrevolution“

Sehrohr 14 – Klangrevolution

Rotes Sehrohr mit der Zahl 14

Klangrevolution

Das Magnetophon K 1 von der AEG gilt als das erste serienreife Tonbandgerät der Welt. Made in Schöneweide! Seine Entwicklung markiert den Beginn der magnetischen Tonaufzeichnung und bildet die Grundlage aller späteren Entwicklungen im Audio-Bereich.

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Werbeplakat für das AEG Magnetophon K 1 auf der Großen Deutschen Funkausstellung 1935

In den 1930er Jahren nahm ein alter Traum der Menschheit Gestalt an: AEG Ingenieure entwickelten mit dem „Magnetophon“, eine Maschine, die Musik, Sprache, Geräusche aufzeichnen und das Aufgezeichnete auch wieder hörbar machen konnte. Das AEG K 1 gilt als das erste praxistaugliche Tonbandgerät der Welt.

Auch wenn das KWO nicht der alleinige Entwicklungsort war, ist das Magnetophon doch ein Stück Industriegeschichte Oberschöneweides. Denn das KWO war nicht nur Produktionsstandort, sondern wirksam als ein Inkubator neuer Technologien, dessen Innovationskraft weit über die Kabelherstellung hinausreichte. Vorhandenes technologisches Wissen aus den Bereichen Elektrotechnik, Feinmechanik, Werkstoffkunde, Hochfrequenztechnik konnte für völlig neue Anwendungen genutzt werden. So wurden im KWO auch die Magnetköpfe gefertigt, deren Konstruktion auf Kenntnissen aus dem Transformatorenbau basierten. Dazu gehörten das Wickeln feinster Kupferdrähte, das Isolieren von Drähten, das Herstellen kompakter Spulen. Mit dem Magnetophon gelang eine Innovation, die den Rundfunk, die Musikproduktion und später die gesamte Audioindustrie nachhaltig veränderte.

Am 16. August 1935 wurde die 12. Große Deutsche Funkausstellung in Berlin eröffnet. AEG und BASF präsentierten dort erstmals das Magnetophon K 1 als das weltweit erste serienreife Tonbandgerät. Das Interesse von Fachleuten und Publikum war außerordentlich groß. Doch bereits am dritten Messetag brach in einer Ausstellungshalle ein Großbrand aus. Das Feuer zerstörte weite Teile der Halle und vernichtete nahezu alle dort ausgestellten technischen Exponate. Auch die Magnetophone wurden Opfer der Flammen. Dass die Entwicklung dennoch fortgesetzt werden konnte, verdankte sich den im AEG-Verbund – unter anderem im Kabelwerk Oberspree – vorhandenen Konstruktionsunterlagen, Fertigungseinrichtungen und dem technischen Know-how. Aus dieser Beinahe-Katastrophe entstand schließlich eine der folgenreichsten Innovationen der Audiotechnik.

Abbildung zur Tafel „Das Vermächtnis“

Sehrohr 15 – Das Vermächtnis

Rotes Sehrohr mit der Zahl 15

Das Vermächtnis

Die Beerdigungsfeier für Emil Rathenau am 23. Juni 1915 fand im KWO statt. Zehntausende säumten den Zug seines Sarges durch Oberschöneweide bis zum Waldfriedhof.

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Historischer Trauerzug für Emil Rathenau durch Oberschöneweide

Der „Ruhm“ von Schöneweide ist eng verbunden mit dem Namen Emil Rathenau (1838–1915). Unter seiner Leitung wurde die AEG zu einem weltweit führenden Unternehmen der Elektroindustrie. Seine unternehmerischen Entscheidungen machten Oberschöneweide zu einem Zentrum der Elektrotechnik und des industriellen Fortschritts, zu einem Motor der Berliner „Elektropolis“.

Mit dem Kabelwerk entstand in wenigen Jahren ein riesiger Industriekomplex. Über die reine Industrieproduktion hinaus, entwickelte Emil Rathenau aber auch eine persönliche Beziehung zum Standort. So finanzierte er für die junge Gemeinde die Anlage des kommunalen Waldfriedhofs und ließ dort auch seine eigene Familiengrabstätte anlegen – was für eine jüdische Familie in der damaligen Zeit außergewöhnlich war.

Nach dem frühen Tod seines Sohnes Erich Rathenau im Jahr 1903 übernahm Emil Rathenau persönlich die Leitung des Kabelwerks. – Er starb am 20. Juni 1915 im Alter von 76 Jahren. Aufgebahrt wurde sein Sarg in der Starkstromhalle. Seine Trauerfeier fand unter großer öffentlicher Anteilnahme statt. Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Militär und Industrie nahmen teil, die AEG-Betriebe entsandten Delegationen mit Kränzen und Fahnen.

Inmitten einer stolzen Stätte der Arbeit, die mehr noch als viele andere sein eigens Werk gewesen, im Kabelwerk der AEG war heute der Sarg Emil Rathenaus aufgestellt. Die sechs hohen Schlote der Fabrik und der benachbarten BEW-Zentrale Oberspree rauchten. Denn die Werke durften wegen der ihnen obliegenden Herstellung von Kriegsmaterial auch an diesem Tage nicht ruhen.

(Gedenkblatt zum 20. Juni 1915 – Verein der Beamten der AEG und BEW e.V.)

Mächtig war die Autorität seines Erfolges… In allen Herren Ländern hörten mehr als 90 000 Menschen auf sein Oberkommando. In seinem geschäftlichen Reich ging die Sonne nicht unter. Auf sein Geheiß rauschten Wasserkräfte, wurden die Kohlenschätze der Mutter Erde in elektrische Energie verwandelt, flammten ungezählte Millionen von Lichtquellen auf und liefen geschäftig elektrische Bahnen von Ort zu Ort.

(Aus der Trauerrede von Paul Mamroth, Industrieller und enger Vertrauter Rathenaus)