Abbildung zur Tafel „Campus Wilhelminenhof der HTW Berlin“

Sehrohr 16 – Campus Wilhelminenhof der HTW Berlin

Campus Wilhelminenhof der HTW Berlin

Rotes Sehrohr mit der Aufschrift „nach 1990“

Der Campus Wilhelminenhof ist der größte Standort der HTW. Eine Zusammenlegung mit den Fachbereichen in Karlshorst bleibt erklärtes Ziel.

Campus Wilhelminenhof der HTW Berlin

1990 – 1993

Das KWO geht in das Eigentum der Treuhandanstalt über. Betriebsnotwendige Produktionsflächen werden an das privatisierte KWO verkauft. Die nichtbetriebsnotwendigen Flächen im östlichen Teil sollen separat entwickelt werden.

1994 – 2003

Rund 130.000 m² werden der „Berliner Landesentwicklungsgesellschaft“ (BLEG) zur weiteren Entwicklung übertragen. Sie agiert treuhänderisch für das Land Berlin.

Durch die Sanierung der Altlasten und des Gebäudebestands sollen Wertsteigerungen erzielt werden, um die Kosten von Erwerb, Sanierung und Erschließung zu refinanzieren. Doch die Erwartungen erfüllen sich nicht, die Nachfrage ist zu gering.

Das Vermarktungskonzept scheitert. Die BLEG wird aufgelöst, die Flächen gehen an das Land Berlin.

2004 – 2009

Der Berliner Senat entscheidet, dass die auf fünf Standorte verteilte Fachhochschule für Technik und Wirtschaft langfristig auf einem Zentralcampus zusammengeführt werden soll. Der neue Campus entsteht im historischen Bestand.

Die HTW Berlin ist das Impulsprojekt für die wirtschaftliche und städtebauliche Erneuerung Oberschöneweides.

Die HTW Berlin ist Partner des Walk of Fame Schöneweide und stellt sich vor:

heute

Praxisnah und vielfältig: die HTW Berlin

Studierende und Mitarbeitende der HTW Berlin arbeiten mit einem Roboterarm
www.htw-berlin.de

Die HTW Berlin als größte Hochschule für angewandte Wissenschaften im Land Berlin bietet Studiengänge in den Bereichen Technik, Informatik, Wirtschaft, Recht, Kultur und Design. Ihre Studierenden und Alumni werden regelmäßig bei nationalen und internationalen Wettbewerben ausgezeichnet, die Bewertungen in Rankings sind sehr gut.

Auf dem Campus Wilhelminenhof ist die HTW Berlin seit 20 Jahren zuhause. An diesem traditionsreichen Standort, an dem Industriegeschichte geschrieben wurde, liegen die Forschungsschwerpunkte der Hochschule in den Bereichen erneuerbare Energien und Ressourceneffizienz, digitale Technologien für Wirtschaft und Gesellschaft sowie in Design und Kultur.

Forschung und Entwicklung sind geprägt von Anwendungsorientierung und Praxisnähe. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kooperieren dabei eng mit Partnern aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Kultur und Verwaltung.

Die HTW Berlin zählt außerdem zu den führenden Gründungshochschulen in Deutschland. Sie begleitet Interessierte vom ersten Gründungsinteresse bis zur erfolgreichen Unternehmensgründung mit verschiedenen Programmen und unterschiedlichen Instrumenten.

Abbildung zur Tafel „Funkenflug“

Sehrohr 11 – Funkenflug

Rotes Sehrohr mit der Zahl 11

Funkenflug

Die AEG entwickelte in Oberschöneweide ein innovatives Gründungszentrum. In den KWO-Laboratorien wurden neue Materialien erprobt und weitere Geschäftsfelder erschlossen. Darunter auch die Entwicklung der Hochfrequenztechnik, die mit Experimenten zur drahtlosen Telegrafie ihren Anfang nahm.

Walk of Fame Schöneweide 2026

Historische Versuchsanlage für drahtlose Telegrafie zwischen den Schornsteinen der Kraftzentrale Oberspree

Um 1899 tat sich Bemerkenswertes über den Dächern von Schöneweide: Am wachsenden AEG-Standort wurde die drahtlose Funkübertragung erprobt. Zwischen den 80 m hohen Schornsteinen der Kraftzentrale Oberspree wurden 100 Luftdrähte so geführt, dass sie einen Trichter für große Energieaufnahme ergaben. Mit dieser Versuchsantenne und einem Sender von einigen kW Leistung (Primärenergie 15 kW) erreichten die Funkpioniere Adolf Slaby und Georg Graf von Arco Reichweiten von 300 km. Daraus entwickelte sich der weltweite Funkverkehr – und der Begriff „Funken“, der bis heute für die drahtlose Nachrichtenübertragung steht.

Auch der junge Direktor des Kabelwerks, Erich Rathenau, war begeistert von der neuen Technologie. Das „System Slaby-Arco“ wurde von der AEG übernommen und in der 1899 gegründeten „Funktelegraphischen Abteilung“ unter Graf Arco weiterentwickelt. Sie gilt als Wegbereiter der Hochfrequenztechnik der AEG. Damit verknüpft war die Entwicklung der Telefon- und Telegrafenkabel im KWO.

Auf Anordnung Wilhelms II. wurden sämtliche Kriegsschiffe und Küstenstationen mit Apparaten nach Slaby-Arco ausgerüstet. Auch die Handelsmarine übernahm die Apparate für die drahtlose Telegrafie. Doch das Slaby-Arco-System sah sich zunehmend einer starken Konkurrenz ausgesetzt. Der Italiener Guglielmo Marconi hatte sich 1896 das erste drahtlose Telegrafiesystem patentieren lassen. 1903 gelang ihm die erste Transatlantik-Übertragung. Beide Parteien hielten unabhängig voneinander Patente und blockierten sich gegenseitig.

Um zu vermeiden, dass sich Heer und Marine unterschiedlicher funktechnischer Systeme bedienten, ordnete Kaiser Wilhelm II. die Vereinheitlichung an. Unter Vermittlung der AEG und Siemens & Halske wurden die deutschen Systeme zusammengelegt. Dies führte im Mai 1903 zur Gründung von Telefunken mit Graf von Arco als technischem Direktor. Er bewirkte federführend den Bau leistungsstarker Sendeanlagen und war maßgeblich an der Erforschung und Entwicklung der Hochfrequenztechnik in Deutschland beteiligt.

Abbildung zur Tafel „Betriebliche Fürsorge“

Sehrohr 12 – Betriebliche Fürsorge

Rotes Sehrohr mit der Zahl 12

Betriebliche Fürsorge

Ab 1900 gab es in der KWO-Kantine die Stelle einer „Fabrikpflegerin“, die für die damals etwa 800 im Werk beschäftigten Frauen und Mädchen zuständig war. Auch die Versorgung der Säuglinge fand im Kantinengebäude statt.

Walk of Fame Schöneweide 2026

Säuglingsfürsorge und historische Kantine des Kabelwerks Oberspree

Die Kantine des Kabelwerks Oberspree wurde von Johann Kraaz entworfen, dem Lieblingsarchitekten der Rathenaus, und zwischen 1899 und 1900 errichtet. In historischen Unterlagen wird sie auch als „Casino“ bezeichnet. Damit wurde die Funktion als gesellschaftlicher Mittelpunkt des Werks benannt. Die ehemals schmuckreiche Gestaltung „im altdeutschen Stil“ und die großzügige Ausstattung des Gebäudes lassen auf den hohen Anspruch der AEG an ihre Sozialbauten schließen. Mit einem vielseitigen Angebot im Casino sollte den Mitarbeitern ein „behaglicher Aufenthalt“ geboten werden. Hier hatte auch die frühe betriebliche Sozialpolitik der AEG ihren Ort.

Bei einem 10-stündigen Arbeitstag dauerte die Mittagspause eine Stunde. Alle Arbeiter und Angestellten hatten dafür das Kabelwerk zu verlassen. Wer zum Essen nicht nach Hause ging, der konnte in der Kantine speisen. Während der Mittagszeit hielten sich etwa 1.000 Personen im Gebäude auf, die innerhalb kurzer Zeit verpflegt werden mussten. Im Erdgeschoss gab es zwei Speisesäle für einfache ArbeiterInnen, die ihr Essen selbst mitgebracht hatten oder denen das Essen von Angehörigen gebracht wurde. 15 Wärmevorrichtungen dienten zum Aufwärmen oder Warmhalten von Speisen sowie eine Vorrichtung zur kostenlosen Entnahme von heißem Trinkwasser. Außerdem war dort eine kalte Küche. Frauen und Männer aßen getrennt voneinander, der Frauenspeisesaal wurde von einem männlichen Aufpasser bewacht.

Im Obergeschoss wurde in zwei großen Speisesälen warmes Essen am gedeckten Tisch aus der Kantinenküche angeboten. Um 1904 kostete ein Mittagessen dort 25 Pfennig im Abonnement oder 30 Pfennig für eine einzelne Mahlzeit. Der Stundenlohn für ungelernte Arbeiter lag bei 34 bis 40 Pfennig, Arbeiterinnen verdienten etwa die Hälfte. Für die „Oberbeamten“ gab es ein exklusives Speise- und Lesezimmer. Neben ausliegenden Zeitschriften stand dort auch eine kleine Fachbibliothek zur Verfügung.

Eine „Kantinenkommission“ organisierte Vorträge und „allgemeinverständliche Kurse aus dem gesamten Gebiete der Elektricität“. Für weibliche Angestellte und Familienangehörige wurde angeboten: Schneiderunterricht, Kochunterricht, Flicken und Stopfen.

„Durch solche Anregungen wird ein beständiger und erfreulicher Zusammenhang zwischen den Angestellten und der Werksverwaltung unterhalten“.(Das Kabelwerk der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft Berlin, 1904)
Abbildung zur Tafel „Die Villa Rathenau“

Sehrohr 20 – Elektroinnung/Villa Rathenau

Rotes Sehrohr mit der Aufschrift „nach 1990“

Die Villa Rathenau ist ein erhaltenes Symbol für die bedeutende Geschichte der Elektroindustrie vor Ort.

Villa Rathenau in Oberschöneweide

Die Villa Rathenau

1990 – 1992

In der DDR diente die Villa als Sitz der Betriebsleitung des VEB Kabelwerks Oberspree. Mit der deutschen Wiedervereinigung und der Auflösung des Kombinats endet diese Funktion.

Sekundärquellen berichten, dass die Villa nach der Wiedervereinigung an die Rathenau-Erben rückübertragen wurde. Das wäre theoretisch möglich, da die Villa als privates Wohnhaus der Familie errichtet worden war und nicht zum eigentlichen Fabrik-Vermögen gehörte. Doch ein Grundbuchnachweis oder andere Belege darüber sind bislang nicht veröffentlicht.

2005

Die Elektro-Innung kauft die sanierte Villa – vermutlich von der Berliner Landes- und Entwicklungsgesellschaft (BLEG), die das gesamte Gelände treuhänderisch entwickeln soll. Es wird berichtet, dass der Kaufpreis sehr günstig war.

Die Innung vermietet auch an junge Technologieunternehmen. Zeitweise nutzt die „Qinous GmbH“ die Villa als Gründerstandort, bevor sie von Rolls-Royce Power Systems übernommen wird.

Die Elektro-Innung ist Partner des Walk of Fame Schöneweide und stellt sich vor:

heute

Wo die Energiewende zu Hause ist

Gelbes Signet der Elektro-Innung Berlin
www.elektroinnung.de

Oberschöneweide steht seit jeher unter Strom. Wo Ende des 19. Jahrhunderts mit der AEG die legendäre „Elektropolis“ entstand, schlägt bis heute das Herz des Berliner Elektrohandwerks: In der historischen Villa Rathenau an der Wilhelminenhofstraße hat die Elektro-Innung Berlin ihren Sitz. Als verlässliches Netzwerk für rund 600 Betriebe sorgt die 1903 gegründete Innung dafür, dass die Hauptstadt Tag für Tag am Laufen bleibt.

Doch hier wird nicht nur Tradition gepflegt – hier wird Zukunft gestaltet. Ob Solaranlagen, E-Mobilität, Wärmepumpen oder smarte Gebäude: Das Elektrohandwerk macht Berlin fit für morgen. Gemeinsam mit anderen Gewerken und starken Partnern wie der Deutschen Gesellschaft für Solarenergie, die mit einem Klimacontainer direkt auf dem Innungsgelände vertreten ist, findet sich hier ein Ort, an dem Innovation greifbar wird – gleich neben dem Campus der HTW. Zukunft? Wird hier mit E geschrieben.

Und das Netzwerk wächst weiter: Vom 13. bis 15. Oktober 2026 bringt die neue Fachmesse gedatec auf dem Messegelände unter dem Funkturm die Gewerke Elektro, SHK und Dach zusammen. Schöneweide bleibt damit, was es immer war: eine Keimzelle für echte Berliner Zukunftsenergie.

Abbildung zur Tafel „Kabelwerk der Moderne“

Sehrohr 13 – Kabelwerk der Moderne

Rotes Sehrohr mit der Zahl 13

Kabelwerk der Moderne

Ab 1897 wurde das damals modernste und größte Kabelwerk Europas in nur wenigen Monaten von der AEG erbaut. Unter der Führung von Erich und Emil Rathenau entwickelte sich eine komplexe Fabrikanlage, die für bedeutende Leistungen auf dem Gebiet der Elektrotechnik steht.

Walk of Fame Schöneweide 2026

Luftbild des Kabelwerks Oberspree von 1923

Um 1900 galt das Kabelwerk Oberspree (KWO) als Star unter den Fabriken: Luftige Hallen, die im elektrischen Licht erstrahlten, Maschinen, die von 800 Elektromotoren angetrieben wurden, und Transportfahrzeuge, die sich wie von Geisterhand über das Gelände bewegten. Die voll elektrifizierte Fabrikanlage galt als „Chicago an der Spree“, das die Berliner stolz ihren Gästen zeigten. Mit dem KWO verbindet sich der Aufstieg von Berlin zur „Elektropolis“ – der Stadt der Elektrotechnik, die die Welt veränderte. Die gesamte Anlage setzte sich aus weitgehend selbständigen Fabrikteilen zusammen, die durch übergreifende Fertigungsbereiche miteinander verknüpft waren (»Werkstattprinzip«). Die Produktionsgebäude waren nicht auf bestimmte Prozesse festgelegt, sondern flexibel nutzbar. So konnte die AEG schnell auf wirtschaftliche Entwicklungen reagieren und Produktionsabläufe verändern.

Produziert wurde alles, was Strom fließen lässt, außerdem Maschinen, Funk- und Fernmeldetechnik sowie Automobile. Die Produktpalette wurde ständig erweitert. Insgesamt wurden im KWO rund 30.000 verschiedene Artikel hergestellt. In den Forschungslaboratorien wurde intensiv an neuen Materialien geforscht. Wichtigstes Ziel war die Unabhängigkeit von importierten Rohmaterialien wie Kupfer und Gummi. Um Zulieferer zu ersetzen, wurde eine eigene Metallbearbeitung aufgebaut. Das Kupferwalzwerk wurde zum größten kupferverarbeitenden Betrieb in Deutschland. Das KWO verarbeitete riesige Mengen Rohstoffe, um Drähte wetter- und stromfest zu isolieren. Bereits ab 1898 gab es eine eigene Gummi- und Kunststoffherstellung.

1904 konnte ein erster internationaler Großauftrag realisiert werden. Für die Londoner U-Bahn wurden 12-kV-Massekabel gefertigt und in London verlegt. Zwischen 1911 und 1914 sorgte das KWO für den massiven Ausbau der Strominfrastruktur in Argentinien. Insgesamt wurden 300 km 16-kV-Kabel nach Übersee geliefert – eine logistische und technische Meisterleistung. Dieser gewaltige Exportauftrag führte dazu, dass das KWO-Fabrikgelände um 62.000 m² erweitert werden musste. Die Belegschaft wuchs in dieser Zeit auf rund 8.000 Beschäftigte an.

Abbildung zur Tafel „Klangrevolution“

Sehrohr 14 – Klangrevolution

Rotes Sehrohr mit der Zahl 14

Klangrevolution

Das Magnetophon K 1 von der AEG gilt als das erste serienreife Tonbandgerät der Welt. Made in Schöneweide! Seine Entwicklung markiert den Beginn der magnetischen Tonaufzeichnung und bildet die Grundlage aller späteren Entwicklungen im Audio-Bereich.

Walk of Fame Schöneweide 2026

Werbeplakat für das AEG Magnetophon K 1 auf der Großen Deutschen Funkausstellung 1935

In den 1930er Jahren nahm ein alter Traum der Menschheit Gestalt an: AEG Ingenieure entwickelten mit dem „Magnetophon“, eine Maschine, die Musik, Sprache, Geräusche aufzeichnen und das Aufgezeichnete auch wieder hörbar machen konnte. Das AEG K 1 gilt als das erste praxistaugliche Tonbandgerät der Welt.

Auch wenn das KWO nicht der alleinige Entwicklungsort war, ist das Magnetophon doch ein Stück Industriegeschichte Oberschöneweides. Denn das KWO war nicht nur Produktionsstandort, sondern wirksam als ein Inkubator neuer Technologien, dessen Innovationskraft weit über die Kabelherstellung hinausreichte. Vorhandenes technologisches Wissen aus den Bereichen Elektrotechnik, Feinmechanik, Werkstoffkunde, Hochfrequenztechnik konnte für völlig neue Anwendungen genutzt werden. So wurden im KWO auch die Magnetköpfe gefertigt, deren Konstruktion auf Kenntnissen aus dem Transformatorenbau basierten. Dazu gehörten das Wickeln feinster Kupferdrähte, das Isolieren von Drähten, das Herstellen kompakter Spulen. Mit dem Magnetophon gelang eine Innovation, die den Rundfunk, die Musikproduktion und später die gesamte Audioindustrie nachhaltig veränderte.

Am 16. August 1935 wurde die 12. Große Deutsche Funkausstellung in Berlin eröffnet. AEG und BASF präsentierten dort erstmals das Magnetophon K 1 als das weltweit erste serienreife Tonbandgerät. Das Interesse von Fachleuten und Publikum war außerordentlich groß. Doch bereits am dritten Messetag brach in einer Ausstellungshalle ein Großbrand aus. Das Feuer zerstörte weite Teile der Halle und vernichtete nahezu alle dort ausgestellten technischen Exponate. Auch die Magnetophone wurden Opfer der Flammen. Dass die Entwicklung dennoch fortgesetzt werden konnte, verdankte sich den im AEG-Verbund – unter anderem im Kabelwerk Oberspree – vorhandenen Konstruktionsunterlagen, Fertigungseinrichtungen und dem technischen Know-how. Aus dieser Beinahe-Katastrophe entstand schließlich eine der folgenreichsten Innovationen der Audiotechnik.

Abbildung zur Tafel „Das Vermächtnis“

Sehrohr 15 – Das Vermächtnis

Rotes Sehrohr mit der Zahl 15

Das Vermächtnis

Die Beerdigungsfeier für Emil Rathenau am 23. Juni 1915 fand im KWO statt. Zehntausende säumten den Zug seines Sarges durch Oberschöneweide bis zum Waldfriedhof.

Walk of Fame Schöneweide 2026

Historischer Trauerzug für Emil Rathenau durch Oberschöneweide

Der „Ruhm“ von Schöneweide ist eng verbunden mit dem Namen Emil Rathenau (1838–1915). Unter seiner Leitung wurde die AEG zu einem weltweit führenden Unternehmen der Elektroindustrie. Seine unternehmerischen Entscheidungen machten Oberschöneweide zu einem Zentrum der Elektrotechnik und des industriellen Fortschritts, zu einem Motor der Berliner „Elektropolis“.

Mit dem Kabelwerk entstand in wenigen Jahren ein riesiger Industriekomplex. Über die reine Industrieproduktion hinaus, entwickelte Emil Rathenau aber auch eine persönliche Beziehung zum Standort. So finanzierte er für die junge Gemeinde die Anlage des kommunalen Waldfriedhofs und ließ dort auch seine eigene Familiengrabstätte anlegen – was für eine jüdische Familie in der damaligen Zeit außergewöhnlich war.

Nach dem frühen Tod seines Sohnes Erich Rathenau im Jahr 1903 übernahm Emil Rathenau persönlich die Leitung des Kabelwerks. – Er starb am 20. Juni 1915 im Alter von 76 Jahren. Aufgebahrt wurde sein Sarg in der Starkstromhalle. Seine Trauerfeier fand unter großer öffentlicher Anteilnahme statt. Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Militär und Industrie nahmen teil, die AEG-Betriebe entsandten Delegationen mit Kränzen und Fahnen.

Inmitten einer stolzen Stätte der Arbeit, die mehr noch als viele andere sein eigens Werk gewesen, im Kabelwerk der AEG war heute der Sarg Emil Rathenaus aufgestellt. Die sechs hohen Schlote der Fabrik und der benachbarten BEW-Zentrale Oberspree rauchten. Denn die Werke durften wegen der ihnen obliegenden Herstellung von Kriegsmaterial auch an diesem Tage nicht ruhen.

(Gedenkblatt zum 20. Juni 1915 – Verein der Beamten der AEG und BEW e.V.)

Mächtig war die Autorität seines Erfolges… In allen Herren Ländern hörten mehr als 90 000 Menschen auf sein Oberkommando. In seinem geschäftlichen Reich ging die Sonne nicht unter. Auf sein Geheiß rauschten Wasserkräfte, wurden die Kohlenschätze der Mutter Erde in elektrische Energie verwandelt, flammten ungezählte Millionen von Lichtquellen auf und liefen geschäftig elektrische Bahnen von Ort zu Ort.

(Aus der Trauerrede von Paul Mamroth, Industrieller und enger Vertrauter Rathenaus)

Rotes Sehrohr mit der Aufschrift nach 1990

Sehrohr 24 – BAE Batterien GmbH

Rotes Sehrohr mit der Aufschrift „nach 1990“

Die sog. „Quandt-Villa“ wurde 1913/14 als Direktorenwohnhaus für die Akkumulatorenfabrik gebaut. Heute ist sie das Verwaltungsgebäude der BAE Batterien GmbH.

Ehemalige Quandt-Villa und heutiges Verwaltungsgebäude der BAE Batterien GmbH

Die BAE Batterien GmbH

1990 – 1992

Die „VEB Berliner Akkumulatoren- und Elementefabrik“ (BAE) wird GmbH.

Zunächst zeigt sich VARTA an einer Übernahme interessiert. Doch mit dem Einbruch der Märkte im Osten scheitert der Plan.

1993 – 2013

Aus eigener Kraft gründet die Belegschaft die BAE Berliner Batteriefabrik GmbH.

Doch dem Unternehmen fehlt Eigenkapital, um die drastischen Preisschwankungen für Rohstoffe wie Blei auszugleichen. Trotz voller Auftragsbücher erfolgt die Insolvenz. Einer holländische Investorengruppe gelingt mit der BAE GmbH der Neustart.

heute

BAE BATTERIEN GMBH ist Partner des Walk of Fame Schöneweide und stellt sich vor:

BAE-Industriebatterien und Informationsbroschüre

Seit 1899 steht BAE als Synonym für höchste Qualität und Zuverlässigkeit auf dem Markt für industrielle Bleibatterien. Heute sind wir ein unabhängiges mittelständisches Unternehmen mit einer etablierten Position auf dem internationalen Batteriemarkt mit einem Exportanteil von bis zu 80 Prozent.

Das Kerngeschäft von BAE ist die Herstellung von stationären Batterien, insbesondere dort, wo Strom unterbrechungsfrei fließen muss, wie in der Notstromversorgung von Kraft- und Umspannwerken, Rechenzentren, Telekommunikationsinfrastruktur und Flughäfen.

Seit vielen Jahren ist BAE auch auf dem Markt der erneuerbaren Energien tätig und bietet Lösungen für eine zuverlässige und umweltfreundliche Stromversorgung.

BAE zeichnet sich durch seine Kundenorientierung aus. Eine hochflexible und prozessorientierte Struktur ermöglicht es uns, unseren Kunden maßgeschneiderte Lösungen anzubieten.

Herausragende Qualität, höchste Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit sind die Kernelemente des langjährig bewährten Erfolges unserer Premiumprodukte und unserer Unternehmensphilosophie.

Qualität – Made in Germany

BAE SECURA Batterien sind die perfekte Lösung für eine breite Palette industrieller Energiesysteme und halten selbst den extremsten Bedingungen stand.

BAE SECURA Batterien für stationäre und erneuerbare Energieanwendungen sind die perfekte und sicherste Wahl, wenn es um zuverlässige Stromversorgung geht. Unsere Premium-Batterien erfüllen alle Anforderungen an eine moderne Stromversorgungsanwendung mit einer sehr großen Bandbreite und unterschiedlichen Blei-Technologien.

BAE fertigt sowohl wartungsarme traditionelle Batterien mit flüssigem Elektrolyt als auch wartungsfreie Batterien in fortschrittlicher GEL-Technologie mit festem Elektrolyt. Zuverlässigkeit, eine überdurchschnittliche Lebensdauer und hervorragende Tiefentladungsfähigkeiten sind die Markenzeichen unserer Batterien.

Einzigartige Eigenschaften unserer Batterien ermöglichen leistungsstarke und zuverlässige maßgeschneiderte Lösungen.

PS & Pioniergeist, Ausstellung vom 4.Juli bis zum 30.Aug. 2026

Die Neue Automobilgesellschaft (N.A.G.) war ein bedeutender deutscher Automobil- und Nutzfahrzeughersteller, der 1901 in Schöneweide gegründet wurde.
Als Tochtergesellschaft der AEG prägte das Unternehmen die deutsche Ingenieurskunst im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts maßgeblich.

Der Automobil-Bau begann im Jahr 1900 in einem Teil des neuen Kabelwerks der AEG. Erste Versuche galten der PKW-Konstruktion von Prof. Dr. Georg Klingenberg.
Doch der,,Klingenbergwagen” erwies sich als Flop.
Daraufhin kaufte die AEG die Firma Kühlstein Wagenbau, sowie alle ihre Patente.
Diese Firma hatte seit 1888 den Bau von Automobilen mit Elektroantrieb aufgenommen.
Unter dem Label,,Neue Automobil-Gesellschaft mbh” (N.A.G.) wurde eine breite Produktpalette angeboten. Die Fabrikation gliederte sich in vier Abteilungen:

Kleinwagen, größere Wagen, Lastwagen und Elektromobile. Ab 1905 kamen auch Droschken und Omnibusse dazu.
Außerdem wurden Motoren gebaut für stationäre Betriebe, für die Schifffahrt und für Flugzeuge aller ArtMehr und mehr wurden kriegswichtige Produkte hergestellt.

Im Jahr 1912 wurde für die Heeresleitung der 3,5- sowie 5-Tonnen-Lkw in Großserie gebaut, was hohe Profite brachte.

1915 wurde die ”Neue Automobil-Gesellschaft” umbenannt in ”Nationale Automobil-Gesellschaft’�
1917 zog die N.A.G. in den gerade fertiggestellten Peter-Behrens-Bau – eine Stockwerksfabrik, die als eine der modernsten Industrieanlagen Deutschlands galt.

Nach einer Glanzzeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg stagnierte ab Mitte der Zwanziger Jahre der Absatz.
Ende 1932 übernahm die Büssing AG die komplette Abteilung der AEG-Nutzfahrzeug-Tochter NAG;
diese bestand im Unternehmensnamen als Büssing-NAG noch bis 1949 weiter.

Zu den PKW, die zunächst weiter in Schöneweide gebaut wurden, zählte auch der NAG V8, der erste deutsche Personenkraftwagen mit einem Achtzylinder-V-Motor.
Er galt als technologische Meisterleistung, doch die Entwicklungskosten waren so hoch, dass das Fahrzeug nie in Serie ging.
1926 fusionierte die NAG mit der Berliner Automarke Protos zur NAG-Protos.
Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten während der Weltwirtschaftskrise endete die traditionsreiche Automobilproduktion in Schöneweide im Jahr 1934.

Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.

Eröffnung Entdeckertour Wilhelminenhofstraße 12.9.,14 Uhr ab Industriesalon

Auf der Terrasse des Industriesalons sorgt die Bigband „KWO-Klangwerk Oberspree“ für gute Stimmung.
Bürgermeister Oliver Igel eröffnet das Programm.
Nach einem Stärkungsgetränk geht es los:
Gemeinsam starten wir zum

Standrohr Nr. 1, Wilhelminenhofstraße Nr. 19, und folgen dem Walk of Fame bis zur Ostendstraße.
Dabei entdecken wir die ruhmvollen Geschichten aus der Industriekultur in Schöneweide.
Begleitet wird der Eröffnungs-Walk von Akteuren, die mit ihren Unternehmen heute an die industrielle
Tradition Schöneweides anknüpfen und die Erfolgsgeschichte des Standorts in die Zukunft fortschreiben.