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Kraftstrom

Drehstromgenerator von der Maschinenfabrik Oerlikon im Kraftwerk Lauffen, 1891. Die AEG lieferte die Drehstrommotoren. Historische Industriebauten in Schöneweide erinnern bis heute an den Siegeszug der Elektroindustrie, die die Hauptstadt zur Industriemetropole machte, zur Berliner „Elektropolis”.
An der Ecke Wilhelminenhof-/Lauffenerstraße befinden sich das Transformatorenhaus (1912), das Abspannwerk Oberspree (1933) und die Phasenschieberhalle (1937). Die dort installierten Strom- und Spannungswandler bereiteten den Drehstrom des benachbarten Kraftwerks für die Abnahme im Industriegebiet und in den Netzwerken in den umliegenden Gemeinden auf.
Sowohl die Drehstromtechnik als auch der Straßenname „Lauffen” sind eng mit dem Namen Michail von Dolivo-Dobrowolsky (1862-1919) verbunden. Als langjähriger Chefkonstrukteur der AEG erfand er den Asynchronmotor und verhalf dem Dreiphasenwechselstrom, von ihm auch als „Drehstrom” bezeichnet, zur praktischen Anwendung. Bis heute ist der Asynchronmotor der am meisten verwendete Elektromotor.
Als wichtigste historische Leistung von M.v. Dolivo-Dobrowolsky gilt die Leitung der ersten und weltberühmten Drehstrom-Fernübertragung von Lauffen am Neckar nach Frankfurt am Main. Anlässlich der Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung 1891 gelang es erstmals, hochgespannten Drehstrom von 20.000 V fast verlustfrei über eine Länge von 176 km zu transportieren. Dabei wurde ein 300-PS-Drehstromgenerator von der Wasserturbine des Zementwerks in Lauffen am Neckar angetrieben der eine Spannung mit etwa 50 V und 40 Hz erzeugte.
Diese wurde auf 15 kV hochtransformiert und anschließend via einer Freileitung nach Frankfurt übertragen und dort wieder heruntertransformiert.
Die etwa 200 PS, die das Ausstellungsgelände erreichten, wurden auf Drehstrom-Kleinmotoren aufgeteilt, um einen 10 m hohen Wasserfall zu erzeugen, sowie etwa 1000 Glühlampen zu versorgen. M.v. Dolivo-Dobrowolsky rief dem in großer Zahl wartenden Publikum zu: „Der Strom ist in Frankfurt!„, was mit lautem Jubel und Beifall quittiert wurde.
Das Experiment bewies die Praxistauglichkeit von Drehstrom und revolutionierte die weltweite Energieversorgung. Die imageträchtige Wirkung der Demonstration auf der Ausstellung führte zum Durchbruch der Drehstromtechnik und beförderte den Weg der AEG – hin zu einem Weltunternehmen.

