Abbildung zur Tafel „Gewittermaschine“

Sehrohr 3 – Gewittermaschine

Rotes Sehrohr mit der Zahl 3

Walk of Fame Schöneweide 2026

Gewittermaschine

Abbildung zur Tafel „Gewittermaschine“

Wo einst künstliche Blitze zuckten, In der Hochspannungsanlage des TRO entwickelten die Physiker Arno Brasch und Fritz Lange Grundlagen für die moderne Teilchen- und Kernphysik. In den 20er Jahren wurde der leistungsfähigste Stoßspannungsgenerator Europas auf dem hinteren Dach der Montagehalle des TRO installiert. Im Sekundentakt produzierte er sehr starke kurze Blitze (2,4 MV) mit denen Transformatoren und Schalter beschossen und so auf ihre Wetterfestigkeit getestet wurden.

Die jungen Physiker Arno Brasch und Fritz Lange kamen auf die Idee, die sehr hohen Spannungen für die Weiterführung ihrer Experimente zu nutzen. Vorher hatten sie „Blitzfänger” im Tessin installiert: eine mehrere hundert Meter lange Antenne, die ein ganzes Tal überspannte. Nach dem tödlichen Unfall ihres Kollegen Kurt Urban verlegten sie die gefährliche Forschung nach Schöneweide.

Im Hochspannungslabor des Transformatorenwerks gelang es den Physikern, radioaktive Elemente und Neutronen zu erzeugen. Sie legten damit wichtige Grundlagen für die moderne Teilchen- und Kernphysik. Ihre Arbeit konzentrierte sich zunächst auf die Konstruktion eines Entladungsrohres, das die extremen Spannungen aushielt, ohne dabei bei jedem Spannungsstoß in die Luft zu fliegen. Anfang der dreißiger Jahre war die Apparatur dann soweit entwickelt, dass intensivste Elektronenstrahlen bei Austritt aus der Röhre die Luft zu gespenstisch blauem Leuchten brachten.

Brasch und Lang konnten Elektronen auf ein metallisches Ziel lenken und damit energiereiche Röntgenstrahlen erzeugen.

Die Produktion von Elektronenstrahlungen ermöglichte es Neutronen freizusetzen. Damit begann die völlig neue Technologie der Atomzertrümmerung. In der Folge gelang Otto Hahn und Fritz Strassmann

1938

erstmals die Spaltung des Atomkerns. Auch der Strahlentherapie eröffneten harte Röntgenstrahlen neue Möglichkeiten: Damit konnten erstmal auch tieferliegende Tumore bestrahlt werden. Mit der Machtübernahme der Nazis fanden die Forschungen im TRO ein jähes Ende. Als gebürtiger Jude floh Arno Brasch 1936 in die USA. Fritz Lange, der der KPD nahestand, emigrierte in die Sowjetunion, wo er über kernphysikalische Themen arbeitete.

Abbildung zur Tafel „Elektropolis Schöneweide“

Sehrohr 1 – Elektropolis Schöneweide

Rotes Sehrohr mit der Zahl 1

Walk of Fame Schöneweide 2026

Elektropolis Schöneweide

Abbildung zur Tafel „Elektropolis Schöneweide“

Das historische Gründerzentrum in Schöneweide wuchs mit dem Kabelwerk Oberspree der AEG. ‘Mutige Unternehmer, kreative Forscher und Technologen begründeten den Ruhm der „Elektropolis” an der Spree. Der „Walk of Fame Schöneweide„ ist eine temporäre Open-Air-Ausstellung entlang der Wilhelminenhof straße. Mit den dort installierten Sehrohren wird der Fokus auf die Bedeutung der lokalen Industrieund Unternehmenskultur gerichtet. Jedes Sehrohr zeigt ein Foto, das für den „Fame„ steht, der mit dem gegenüberliegenden Gebäude jeweils eng verbunden ist.

Die meisten der heute noch bestehenden Gebäude stammen aus der Zeit um 1900, als der aufstrebende Weltkonzern „Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft” (AEG) für einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung sorgte. Das erste Drehstromkraftwerk und das danebenliegende Kabelwerk waren Anfänge eines bedeutenden Gründerzentrums, das zum pulsierenden Herzen der weltweit führenden Elektroindustrie wurde. Herausragende Technologien, wichtige Erfindungen, kreative Forschungslaboratorien und gigantische Produktionsmengen begründeten damals den Ruhm von Schöneweide.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die nur teilweise zerstörten Industrieanlagen weiter genutzt. Schöneweide entwickelte sich zum größten innerstädtischen Industriegebiet der DDR, zur „Elektropolis des Ostens„. Nach der Wende brachen große Teile der Produktion weg. Einzelne Industrieareale wurden mehrfach verkauft. In Teilen des historischen Kabelwerks entstand der Campus der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW), die Revitalisierung benachbarter Industrieareale kam über Vorplanungen kaum hinaus.

Vereinzelt – und für den Passanten teilweise verborgen – wird aber auch heute noch – oder wieder an innovativen Produkten gearbeitet: Made in Schöneweide!

Die Wiederbelebung und der Ausbau Schöneweides zu einem „Berliner Zukunftsort” war und bleibt weiterhin gemeinsames Ziel. Die Sehrohre auf dem Walk of Fame Schöneweide können nur vereinzelte Schlaglichter werfen auf das komplexe Wirtschaftsgeschehen, das diesen Standort geprägt hat. Sie sollen neugierig machen und dazu animieren, den Ruhm der Industriekultur zu bewahren und sie angemessen und sensibel in die Zukunft zu überführen.

Abbildung zur Tafel „Energieschmiede“

Sehrohr 23 – Energieschmiede

Rotes Sehrohr mit der Zahl 23

Energieschmiede

Nach dem Vorbild des US-Autoherstellers Ford wurde in den 20er Jahren die Fließbandfertigung für die Montage in der Batteriefabrik eingeführt.

Historische Fabrikhalle für die Fließbandproduktion
Fabrikhalle für Fließbandproduktion von Jean Krämer
Historische Batterieproduktion in Schöneweide um 1926
Batterieproduktion in Schöneweide um 1926, © 50 Jahre AFA, Jubiläumsschrift Berlin 1938, S. 181

Walk of Fame Schöneweide 2026

Seit 1899 werden in Oberschöneweide Batterien produziert.

Heute firmiert die Batteriefabrik unter dem Namen BAE Batterien GmbH. Sie ist einer der letzten verbliebenen Großbetriebe der historischen „Elektropolis“.

Ihre Geschichte geht direkt auf die Akkumulatorenwerke Oberspree (AO) zurück, die 1901 von der Accumulatorenfabrik AG (AFA) übernommen wurden. Die AFA war eines der bedeutendsten Unternehmen der deutschen Elektroindustrie und entwickelte sich zum größten Hersteller von Bleiakkumulatoren in Europa. Sie verband Forschung, industrielle Großserienfertigung und moderne Industriearchitektur und trug wesentlich dazu bei, dass Oberschöneweide zu einem bedeutenden Zentrum der deutschen Elektroindustrie wurde.

1905 übernahm die AFA das Werk in Oberschöneweide. Auf dem Gelände an der Wilhelminenhofstraße entstand ein weitläufiger Fabrikkomplex, der sich zum wichtigsten Produktionsstandort für Akkumulatoren und Batterien innerhalb des Unternehmens entwickelte. Gleichzeitig wurde die Produktion kontinuierlich erweitert. Unter dem Namen VARTA wurden die in Schöneweide gefertigten Batterien weltweit vermarktet. VARTA entwickelte sich später zu einer der bekanntesten Batteriemarken Europas.

Die schwierige Lage nach dem Ersten Weltkrieg nutzte 1922 Günther Quandt gezielt aus. Er begann systematisch die Aktien aufzukaufen, so dass die AFA zum wertvollsten Teil seines Industriekonzerns wurde. Die Batterieproduktion wurde umfassend modernisiert und rationalisiert. Mit dem Bau der großen Einbauhalle wurde der Architekt Jean Krämer (1925–1926) beauftragt, ein langjähriger Mitarbeiter von Peter Behrens. Das heute denkmalgeschützte Gebäude verbindet moderne Industriearchitektur mit der neuen Fließbandfertigung für die industrielle Massenproduktion. Der stützenarme, große Produktionsraum ermöglicht einen kontinuierlichen Materialfluss. So können die einzelnen Komponenten – Platten, Separatoren, Gehäuse und Verbinder – entlang langer Fertigungsstraßen zu fertigen VARTA-Batterien montiert werden.

Abbildung zur Tafel „Das Transformatorenwerk Oberschöneweide“

Walk of Fame 2026 – Das Transformatorenwerk Oberschöneweide

Rotes Sehrohr mit der Aufschrift „nach 1990“

Walk of Fame Schöneweide 2026

Das Transformatorenwerk Oberschöneweide

Abbildung zur Tafel „Das Transformatorenwerk Oberschöneweide“

Der geplante Campus Entwurf von 2020 von Tchoban Voss Architekten für Base Camp Student GmbH Die Treuhandanstalt erhielt die Aufgabe, das Werk zu verkaufen. Das Areal mit 300.000 m² wurde in vier Betriebsteile aufgeteilt und einzeln vermarktet. Die AEG übernahm zwei Drittel des Geländes auf 40 Jahre zur Pacht.

Die Geländesanierung wurde mit ca. 70 Millionen D-Mark subventioniert. Die AEG garantierte 600 Arbeitsplätze. Unter dem Label AEG TRO GmbH wurden Transformatoren, Stufenschalter und Schaltgeräte gebaut. Dann brach der Markt in der Sowjetunion weg, neue Transformatoren-Modelle erwiesen sich als Flop. Trotz aller Proteste wurde das Werk am 31.12.1996 geschlossen. Die AEG wurde in den Daimler-Benz -Konzern eingegliedert.

Für 12 Mio. D-Mark kaufte der ehemalige Eigentümer von „Ruhnke-Optik” Peter Barg das rund 73.000 m² große Areal. Er gründete dort das „Kultur- und Technologiezentrum Rathenau” und vermietete die Hallen temporär. Sein Ziel war es, einen gemischt genutzten Kreativ- und Gewerbestandort zu entwickeln. Aber sein Bankkredit wurde von einem amerikanischen „Heuschreckenfonds” aufgekauft, Barg konnte die verschärften Konditionen nicht mehr bedienen und ging in die Insolvenz, Die irische Toruro GmbH erwarb das Areal für 12 Mio. Euro.

Der Flächennutzungsplan erlaubt eine „Mischnutzung”- Toruro plante 250 Wohnungen, Hotels, Büros, Einzelhandel. Die Marktwertentwicklung wurde auf bis zu 45 Mio. €, geschätzt, falls Wohnungsbaurecht geschaffen worden wäre. Auf Grund erheblicher Kontroversen um die Wohnungsplanungen und eines jahrelangen Bebauungsplanverfahrens gab Toruro auf und verkaufte weiter.

2019

kaufte „European Student Housing Fund” das Areal. das von der „BaseCamp Student GmbH” zu einem Campus entwickelt werden sollte. Als Kaufpreis werden etwa 50 Mio. € vermutet. Für die Entwicklung des Quartiers wurden Investitionen von 500 Mio. Euro angekündigt. Der neue Campus wurde von namhaften Architekten geplant. Schrittweise wurde BaseCamp Student von „Xior Student Housing” übernommen, ein Unternehmen, das weltweit Studentenwohnheime betreibt. Wahrscheinlich wegen steigender Baukosten und langwieriger Genehmigungsverfahren wurde das Projekt weiterverkauft.

Bekannt ist, dass es zwischenzeitlich einen Eigentümerwechsel gegeben hat. Nicht eindeutig belegt ist, dass die Empira Group Anteile von „Urban Banks Berlin übernommen hat, einer Standortmarke, unter der das ehemalige BaseCamp- Projekt vermarktet wird. Empira ist ein internationaler Investmentmanager für Immobilien und Kapitalanlagen mit Hauptsitz in der Schweiz.

Abbildung zur Tafel „Das Kabelwerk Oberspree“

Sehrohr 100 – Das Kabelwerk Oberspree

Rotes Sehrohr mit der Aufschrift „nach 1990“

Walk of Fame Schöneweide 2026

Das Kabelwerk Oberspree

Abbildung zur Tafel „Das Kabelwerk Oberspree“

Die historischen KWO-Gebäude prägen Schöneweide bis heute. Wie die KWO-Drahtfabrik stehen viele leer und verfallen zusehens. Die AEG klagt vergeblich auf Rückgabe ihres früheren Eigentums. Sieben Kabelwerke der DDR schließen sich zur Holding „KWO Kabel AG” zusammen. Die Betriebe werden von der Treuhand übernommen.

Das KWO wird aufgeteilt: Der westliche Teil wird zum Verkauf ausgeschrieben. Das verkleinerte Kabelwerk produziert weiter, hat aber mit Auftragsrückgängen zu kämpfen. Der östliche Teil wird stillgelegt und geht an das Land Berlin zur weiteren Entwicklung.

1992

erwirbt der Weltkonzern „BICC Communications Ltd.’ mit Sitz im englischen Helsby das KWO für 63 Mio. DM. Die „KWO Kabel GmbH„ wird gegründet, eine Beschäftigungsgarantie für bis zu 2.200 Arbeitsplätzen abgegeben. Für die Modernisierung der Produktion wird BICC mit einen zweistelligen Millionenbetrag gefördert und kündigt eigene Investitionen in Höhe von 157 Mio DM an. Das KWO wird zum drittgrößten Kabelhersteller bundesweit.

1994

produzieren 1.300 Mitarbeiter Starkstromkabel, Fernmeldekabel. Lichtwellenleiter und Kabelgarnituren. Mit sinkenden Margen im Kabelgeschäft und der Verschärfung des globalen Wettbewerbs gerät die Kabelproduktion der BICC zunehmend unter Druck. Tiefgreifende Umstrukturierungen beginnen, einzelne Geschäftsbereiche werden von Tochtergesellschaften übernommen.

BICC verkauft das gesamte Kabelgeschäft an das US-Unternehmen General Cable. Unter dem Label „Balfour Beatty” wird die profitable Bau- und Ingenieursparte zunächst weitergeführt. Schrittweise kauft die Wilms-Gruppe das verbliebene Werksgelände mit einzelnen Produktionsbereichen. Zum Unternehmenskonzept gehört das Aufkaufen von insolventen Industrieanlagen, die dann an anderen Standorten für neue Produktionszwecke umgerüstet werden. Das Unternehmensnetzwerk von Johann Erich Wilms umfasst heute mehr als 80 Gesellschaften. Dazu gehören Maschinen- und Anlagenbau, Recycling und Oberflächentechnik.

Auf dem KWO-Gelände befinden sich folgende Betriebe der Wilms-Gruppe (Stand 2025)

  • KWB Kabelwerk GmbH, Verwaltung und Entwicklung des Standortes
  • Bayerische Kabelwerke, Bayka AG – Produktion von Glasfaser- und Lichtwellenkabeln
  • BDK GmbH, Drahtzug, Litzenherstellung und PVC Compoundierung
  • Spirka Schnellflechter GmbH, Flechttechnik für Kabel und Leitungen

Einzelne Gebäude sind vermietet. Das „Mahalla” bespielt das historische Kraftwerk. Zukünftige Planungen der Wilms-Gruppe sind uns nicht bekannt. Der Eigentümer weigert sich, ungenutzte und leerstehende Gebäude zu verkaufen. Trotz Denkmalschutz beobachten wir deren stetigen Verfall.

Eine Einigung zur Freigabe des Spreeufers ist nicht in Sicht.

 

Abbildung zur Tafel „Das Peter-Behrens-Ufer“

Walk of Fame 2026 – Das Peter-Behrens-Ufer

Rotes Sehrohr mit der Aufschrift „nach 1990“

Walk of Fame Schöneweide 2026

Das Peter-Behrens-Ufer

Abbildung zur Tafel „Das Peter-Behrens-Ufer“
Aktuelle Abbildung zur Tafel „Das Peter-Behrens-Ufer“

Planungen der DIEAG aus dem Jahr 2023. Das nachhaltige Zukunfts-Quartier mit 12.000 Arbeitsplätzen, Kunst, Kultur und Freizeitangeboten.

1990

Das VEB Werk für Fernsehelektronik wird zunächst in eine GmbH umgewandelt mit nur noch 1.400 Mitarbeitenden (von vormals rund 9.000) Dann übernimmt die Treuhandanstalt, legt Betriebsteile still und teilt den Rest in Einzelgesellschaften auf.

1993 – 2005

Der koreanische Samsung Konzern kauft das Areal für rund 20 Mio. Dollar. Der Vertrag mit der Treuhand beinhaltet: Investitionszusagen, Arbeitsplatzgarantien, Produktionsfortführung. Bei Nichterfüllung drohen Vertragsstrafen. Samsung investiert in neue Fertigungsstraßen für die Farbbildröhrenproduktion und beschäftigt 800 Mitarbeiter. – In den Folgejahren erobern Flachbildschirme den globalen Markt. Röhrenfernseher lassen sich nicht mehr verkaufen. Ein Umbau der Produktionsanlagen für völlig verschiedene LCD-Fertigungstechnologien erscheint unwirtschaftlich. Samsung beendet die Produktion.

2009 – 2019

2009 verkauft Samsung das Areal für rund 12 Mio. € an die irische „Comer Group”. Bald darauf kursieren Marktbewertungen von rund 200 Mio. € für das entwicklungsfähige Industriequartier. Doch die Pläne der milliardenschweren Comer Brüder bleiben Makulatur. Mit der Sanierung wird nicht wirklich begonnen.

2019 – 2023

Die Comer Group verkauft das rund 100.000 m² große Areal an die „Deutsche Immobilien Entwicklungs AG” (DIEAG) mit einem Gewinn von mehreren zehn Mio. Euro. Die DIEAG übernimmt die Projektentwicklung und fungiert als Investment Advisor und Asset Manager. Unter dem Label BE-U | Behrens-Ufer sollen 1.1 Mrd. Euro investiert werden. Geplant wird ein neuer Berliner Zukunftsort als energetisch autarkes Stadtquartier, eine attraktive Mischung aus historischen und neuen Gebäuden mit 235.000 m² Mietfläche für Gewerbetreibende. Nach Jahren intensiver Planung wird

2023

der erste Spatenstich gefeiert

2025

Die DIEAG steigt aus dem Projekt aus und überträgt ihre Anteile an den Investor, der von Anfang an den höchsten Anteil an der Kapitalstruktur hatte: Die VGV – Verwaltungsgesellschaft für Versorgungswerke mbH. Nach eigenen Angaben managt die VGV die Kapitalanlagen von zehn Versorgungswerken mit rund 200.000 Mitgliedern. Es ist nicht bekannt, welches Versorgungswerk heute tatsächlich der wirtschaftliche Eigentümer der Immobilie ist.

Heute

Seit dem Ausscheiden der DIEAG fehlt ein Ansprechpartner für das Projekt. —— Ob es einen neuen Projektentwickler für das Behrens-Ufer geben wird? Die direkte Kommunikation mit den Eigentümern war bisher nicht möglich. Der Behrens-Bau bleibt für Besucher verschlossen. Nach den ersten großen Abrissarbeiten auf dem Gelände scheint die gesamte Baustelle wie verwaist.

Offizielle Angaben zur weiteren Projektentwicklung liegen nicht vor. In Fachkreisen wird diskutiert, ob künftig mehr Mischnutzungen inkl. Wohnungsbau – zugelassen werden müssten, um das Projekt wirtschaftlich tragfähig zu machen.

Abbildung zur Tafel „Abspannwerk und Transformatorenhaus“

Sehrohr 9 – Stromnetz Berlin

Rotes Sehrohr mit der Aufschrift „nach 1990“

Walk of Fame Schöneweide 2026

Abspannwerk und Transformatorenhaus

Abbildung zur Tafel „Abspannwerk und Transformatorenhaus“
Aktuelle Abbildung zur Tafel „Abspannwerk und Transformatorenhaus“

Stromnetz Berlin Das denkmalgeschützte Abspannwerk gehört heute zum Stromnetz Berlin. Seit 2013 wird es von der Skulpturengießerei Knaak genutzt, Zu den erhaltenen Anlagen für die örtliche Stromversorgung gehören das Schalthaus, die Phasenschieberhalle und das Transformatorenhaus.

Nach 1990 erfolgte deren Rückführung in die Berliner Energieversorgung. Die Anlagen gingen in den Besitz bzw. die Verwaltung der neu strukturierten BEWAG AG über.

1995

wurde das historische Abspannwerk außer Betrieb genommen. Die BEWAG wurde schrittweise privatisiert und Bestandteil des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall. Stromnetze sind Teil der Daseinsvorsorge und gelten als kritische Infrastuktur. Das Land Berlin beschließt die vollständige Übernahme der Stromnetz GmbH.

Heute

gehört die Anlage zur landeseigenen Stromnetz Berlin GmbH. Nach Auskunft von Mitarbeitern wird mit den aktuell wachsenden Aufgaben eine Nachnutzung der leerstehenden Gebäude wahrscheinlich. Stromnetz Berlin ist Partner des Walk of Fame Schöneweide und stellt sich vor: Stromnetz Berlin – Energie für die Hauptstadt Wir sorgen dafür, dass rund um die Uhr zuverlässig Strom in Berlin ankommt – in Wohnungen, Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und der Infrastruktur. Stromnetz Berlin plant, baut, betreibt, steuert und modernisiert das Berliner Verteilungsnetz und schafft so die Grundlage für die Energieversorgung einer wachsenden Metropole.

Unsere Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 1884, als mit den „Städtischen Elektricitäts-Werken” die öffentliche Stromversorgung Berlins begann. Zu den Wegbereitern der Elektrifizierung gehörte auch der Unternehmer Emil Rathenau, der die Entwicklung der Elektrotechnik maßgeblich vorantrieb.

Heute

stehen wir vor einer neuen Phase der Transformation: Energiewende, Elektromobilität, Wärmepumpen und Digitalisierung erhöhen den Strombedarf deutlich. Deshalb verdoppeln wir die Kapazität des Berliner Stromnetzes in den kommenden Jahren schrittweise und bauen die Infrastruktur umfassend aus. Dafür brauchen wir engagierte Menschen, die die Zukunft Berlins aktiv mitgestalten. Wir werden weiter wachsen und investieren in ein leistungsfähiges, nachhaltiges und zukunftssicheres Stromnetz für die Hauptstadt.

Abbildung zur Tafel „Kraftzentrum“

Sehrohr 10 – Kraftzentrum

Rotes Sehrohr mit der Zahl 10

Kraftzentrum

Mit dem ersten Drehstromkraftwerk entwickelte sich auf der „schönen Weyde“ eine moderne Industriestadt. Die Architektur sollte die neue Kraft der Elektrizität eindrucksvoll repräsentieren.

Walk of Fame Schöneweide 2026

Historische Ansicht des Kraftwerks Oberspree
„Die Riesenmaschinen der neuen Zentrale erregten die Bewunderung der ganzen Fachwelt, deren Vertreter aus aller Herren Länder zur Besichtigung herbeieilten.“
(Emil Rathenau und das elektrische Zeitalter, Felix Pinner, Leipzig 1918, S. 191)

Das Kraftwerk Oberspree war ein Meilenstein in der Geschichte der industriellen Großkraftwerkstechnik. Es legte den Grundstein für den Aufstieg des Berliner Südostens zur legendären „Elektropolis“.

Für das erste Drehstromkraftwerk Deutschlands stellte die Grundrenditengesellschaft Wilhelminenhof der AEG das Bauland kostenlos zur Verfügung. Der Plan der Eigentümer ging auf: 1896 nahm das Kraftwerk als „Centralstation der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft“ den Betrieb auf, die AEG kaufte das benachbarte Gelände für das neue Kabelwerk und ringsum entwickelte sich die „Modellstadt der Industrie“ an der Spree.

Mit dem Bau des Drehstrom-Kraftwerks beendete die AEG den sogenannten „Stromkrieg“, bei dem sich die Pioniere der Elektrotechnik bislang unversöhnlich gegenüberstanden. Werner von Siemens verteidigte den bewährten Gleichstrom, während die AEG unter Emil Rathenau deutlich auf den verlustärmeren Wechsel- und Drehstrom setzte. Die Kraftwerke konnten nun aus den Städten verlagert werden, wo sie bisher unmittelbar beim Verbraucher Gleichstrom produziert hatten. Stattdessen wurden sie nun an verkehrsgünstigen Standorten erbaut, wo die Belieferung mit Kohle und die Versorgung mit Wasser leicht möglich war.

Die neue Kraftwerkstechnik wurde durch den AEG-Ingenieur Michael von Dolivo-Dobrowolsky geprägt, der den Drehstrommotor und den Drehstromtransformator erfand.

Die Kraftwerks-Gebäude entstanden nach Plänen des AEG-Architekten Paul Tropp. Die filigrane Eisenskelettkonstruktion mit den großen Glasfassaden erinnert an damalige Warenhäuser. Die Fassaden wurden mit gelben Klinkern verblendet und mit Ornamenten ausgeschmückt, die den Siegeszug der elektrischen Energie feiern.

Mit dem wachsenden Strombedarf wurde die Anlage mehrfach erweitert und 1933 endgültig stillgelegt. Ein Teil der Gebäude wurde durch das benachbarte AEG-Kabelwerk Oberspree genutzt.

Abbildung zur Tafel „Zukunftsgestalter“

Sehrohr 19 – Zukunftsgestalter

Rotes Sehrohr mit der Zahl 19

Zukunftsgestalter

Rathenau-Villa im Jahr 2002
„Rathenau-Villa“, 2002

Walk of Fame Schöneweide 2026

Zeichnung von Walther Rathenau und seinem jüngeren Bruder Erich
Zeichnung von Walther Rathenau auf einem Briefumschlag, 1890. Links Rathenaus jüngerer Bruder Erich.Quelle: Walther Rathenau Gesellschaft

Emil Rathenau, Gründer und Direktor der AEG, hatte zwei Söhne:

Walther, der spätere Außenminister (geb. 1867, am 24.6.1922 von Rechtsradikalen erschossen), und Erich Rathenau (geb. 1871, gest. 1903). Walther Rathenau war vor allem als Industrieller, Schriftsteller und Politiker bekannt. Erich Rathenau wirkte überwiegend innerhalb der AEG. Nach Aussagen von Zeitgenossen war Erich seinem Vater sehr ähnlich: ein begabter Elektrotechniker, bekennender Workaholic und sehr interessiert an Forschungs- und Entwicklungsarbeiten. 1901 wurde er Mitglied des AEG-Vorstands und von seinem Vater als Nachfolger favorisiert.

Ab 1897 verantwortete Erich Rathenau den Aufbau des KWO und wurde dessen erster Direktor.

Unter seiner Leitung entwickelte sich das KWO zu einem der wichtigsten Produktions- und Entwicklungsstandorte der AEG. Weit über den Bau von Kabeln hinaus förderte Erich Rathenau u. a. neue Verfahren der Metallverarbeitung und Beiträge zur Entwicklung der Nachrichtentechnik. So unternahm er mit Graf von Arco und Slaby mutige Feldversuche mit drahtloser Telegrafie an der Sakrower Heilandskirche.

Wie eng sich Erich Rathenau mit dem KWO verbunden fühlte, ist an der Lage seiner Villa zu sehen, die direkt an die Produktionsgebäude grenzt. Mit dem Bau war 1902 begonnen worden. Bevor er einziehen konnte, kam er zeitweise im Verwaltungshaus neben dem KWO-Eingang unter. In einem Zeitungsartikel ist zu lesen, dass er von dort aus den Brand einer Fabrikhalle entdeckte. Bei Löscharbeiten soll er sich verletzt haben. Da er seit früher Jugend ohnehin gesundheitlich angeschlagen war, unternahm sein Vater mit ihm eine Erholungsreise nach Ägypten. Die Reise endete jedoch tragisch. Während des Aufenthalts in Assuan erkrankte Erich schwer und starb dort am 19. Januar 1903 im Alter von nur 31 Jahren.

Die Fertigstellung der Villa hat er nicht mehr erlebt.

Der Tod seines Lieblingssohnes war für Emil Rathenau ein sehr schwerer Schlag. Möglicherweise aus Trauer übernahm er persönlich die weitere Leitung des KWO – beinahe in Sichtweite des Familiengrabes der Rathenaus auf dem Waldfriedhof.

Abbildung zur Tafel „Mobilitätsmotor“

Sehrohr 21 – Mobilitätsmotor

Rotes Sehrohr mit der Zahl 21

Mobilitätsmotor

Zwischen 1900 und 1930 war die Neue Automobil Gesellschaft einer der bedeutendsten Automobilhersteller Deutschlands.

Walk of Fame Schöneweide 2026

Historische NAG-Anzeige für Tourenwagen, Lastwagen und Omnibusse

Der Automobilbau der AEG machte Oberschöneweide zu einem Zentrum des deutschen Fahrzeugbaus.

Emil Rathenau, Gründer und Direktor der AEG, hatte die Zukunft des Automobils früh erkannt.

Ab 1900 ließ er die ersten Fahrzeuge zunächst in einer Werkstatt des neu errichteten Kabelwerks Oberspree fertigen. Zulieferbetriebe waren bereits vor Ort und die Autoreifen „Oberspree Pneumatics“ aus der KWO-Gummifabrik genossen einen sehr guten Ruf.

1901 begann die Neue Automobilgesellschaft (N.A.G.) als AEG-Tochter mit der Produktion von Personenwagen, Elektromobilen, Lastwagen und Motoren. Die Autos wurden noch einzeln unter Berücksichtigung der individuellen Kundenwünsche hergestellt.

Mit dem raschen Wachstum im Ersten Weltkrieg reichten die Hallen im Kabelwerk nicht mehr aus.

Deshalb beauftragte die AEG einen repräsentativen Neubau in unmittelbarer Nähe des Kabelwerks.

Zwischen 1915 und 1917 entstand nach Entwürfen des AEG-Chefarchitekten Peter Behrens die neue Automobilfabrik. Die markante Stockwerksfabrik mit dem weithin sichtbaren Turm gilt als ein Monument der Berliner Industriearchitektur.

Das moderne Werk war auf die serielle Massenherstellung von Fahrzeugen ausgerichtet.

Die Produktionsräume wurden durch wuchtige Treppentürme und 18 Fahrstühle erschlossen, von denen vier über eine Traglast von 6.000 kg verfügten. Karosserien und Bauteile wurden in den oberen Etagen gefertigt und montiert, das fertige Fahrzeug verließ im Erdgeschoss die Fabrik.

Die NAG-Wagen galten als leistungsstark und zuverlässig. Erfolgreich waren auch Stadtomnibusse und NAG-Lastwagen. Doch ab Mitte der Zwanziger Jahre stagnierte der Absatz. Bei der übereilten Konstruktion von Nachfolgemodellen traten große Probleme auf; sie konnten sich nicht mehr gegen die Konkurrenz behaupten, die auf Montagebändern weitaus preiswertere Fahrzeuge herstellte.

1926 fusionierte die NAG mit der Berliner Automarke Protos zur NAG-Protos.

Ende 1932 übernahm die Büssing AG die komplette Abteilung der AEG-Nutzfahrzeug-Tochter NAG; diese bestand im Unternehmensnamen als Büssing-NAG noch bis 1949 weiter.