Sehrohr 15 – Das Vermächtnis

Rotes Sehrohr mit der Zahl 15

Das Vermächtnis

Die Beerdigungsfeier für Emil Rathenau am 23. Juni 1915 fand im KWO statt. Zehntausende säumten den Zug seines Sarges durch Oberschöneweide bis zum Waldfriedhof.

Walk of Fame Schöneweide 2026

Historischer Trauerzug für Emil Rathenau durch Oberschöneweide

Der „Ruhm“ von Schöneweide ist eng verbunden mit dem Namen Emil Rathenau (1838–1915). Unter seiner Leitung wurde die AEG zu einem weltweit führenden Unternehmen der Elektroindustrie. Seine unternehmerischen Entscheidungen machten Oberschöneweide zu einem Zentrum der Elektrotechnik und des industriellen Fortschritts, zu einem Motor der Berliner „Elektropolis“.

Mit dem Kabelwerk entstand in wenigen Jahren ein riesiger Industriekomplex. Über die reine Industrieproduktion hinaus, entwickelte Emil Rathenau aber auch eine persönliche Beziehung zum Standort. So finanzierte er für die junge Gemeinde die Anlage des kommunalen Waldfriedhofs und ließ dort auch seine eigene Familiengrabstätte anlegen – was für eine jüdische Familie in der damaligen Zeit außergewöhnlich war.

Nach dem frühen Tod seines Sohnes Erich Rathenau im Jahr 1903 übernahm Emil Rathenau persönlich die Leitung des Kabelwerks. – Er starb am 20. Juni 1915 im Alter von 76 Jahren. Aufgebahrt wurde sein Sarg in der Starkstromhalle. Seine Trauerfeier fand unter großer öffentlicher Anteilnahme statt. Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Militär und Industrie nahmen teil, die AEG-Betriebe entsandten Delegationen mit Kränzen und Fahnen.

Inmitten einer stolzen Stätte der Arbeit, die mehr noch als viele andere sein eigens Werk gewesen, im Kabelwerk der AEG war heute der Sarg Emil Rathenaus aufgestellt. Die sechs hohen Schlote der Fabrik und der benachbarten BEW-Zentrale Oberspree rauchten. Denn die Werke durften wegen der ihnen obliegenden Herstellung von Kriegsmaterial auch an diesem Tage nicht ruhen.

(Gedenkblatt zum 20. Juni 1915 – Verein der Beamten der AEG und BEW e.V.)

Mächtig war die Autorität seines Erfolges… In allen Herren Ländern hörten mehr als 90 000 Menschen auf sein Oberkommando. In seinem geschäftlichen Reich ging die Sonne nicht unter. Auf sein Geheiß rauschten Wasserkräfte, wurden die Kohlenschätze der Mutter Erde in elektrische Energie verwandelt, flammten ungezählte Millionen von Lichtquellen auf und liefen geschäftig elektrische Bahnen von Ort zu Ort.

(Aus der Trauerrede von Paul Mamroth, Industrieller und enger Vertrauter Rathenaus)