
Betriebliche Fürsorge
Ab 1900 gab es in der KWO-Kantine die Stelle einer „Fabrikpflegerin“, die für die damals etwa 800 im Werk beschäftigten Frauen und Mädchen zuständig war. Auch die Versorgung der Säuglinge fand im Kantinengebäude statt.
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Die Kantine des Kabelwerks Oberspree wurde von Johann Kraaz entworfen, dem Lieblingsarchitekten der Rathenaus, und zwischen 1899 und 1900 errichtet. In historischen Unterlagen wird sie auch als „Casino“ bezeichnet. Damit wurde die Funktion als gesellschaftlicher Mittelpunkt des Werks benannt. Die ehemals schmuckreiche Gestaltung „im altdeutschen Stil“ und die großzügige Ausstattung des Gebäudes lassen auf den hohen Anspruch der AEG an ihre Sozialbauten schließen. Mit einem vielseitigen Angebot im Casino sollte den Mitarbeitern ein „behaglicher Aufenthalt“ geboten werden. Hier hatte auch die frühe betriebliche Sozialpolitik der AEG ihren Ort.
Bei einem 10-stündigen Arbeitstag dauerte die Mittagspause eine Stunde. Alle Arbeiter und Angestellten hatten dafür das Kabelwerk zu verlassen. Wer zum Essen nicht nach Hause ging, der konnte in der Kantine speisen. Während der Mittagszeit hielten sich etwa 1.000 Personen im Gebäude auf, die innerhalb kurzer Zeit verpflegt werden mussten. Im Erdgeschoss gab es zwei Speisesäle für einfache ArbeiterInnen, die ihr Essen selbst mitgebracht hatten oder denen das Essen von Angehörigen gebracht wurde. 15 Wärmevorrichtungen dienten zum Aufwärmen oder Warmhalten von Speisen sowie eine Vorrichtung zur kostenlosen Entnahme von heißem Trinkwasser. Außerdem war dort eine kalte Küche. Frauen und Männer aßen getrennt voneinander, der Frauenspeisesaal wurde von einem männlichen Aufpasser bewacht.
Im Obergeschoss wurde in zwei großen Speisesälen warmes Essen am gedeckten Tisch aus der Kantinenküche angeboten. Um 1904 kostete ein Mittagessen dort 25 Pfennig im Abonnement oder 30 Pfennig für eine einzelne Mahlzeit. Der Stundenlohn für ungelernte Arbeiter lag bei 34 bis 40 Pfennig, Arbeiterinnen verdienten etwa die Hälfte. Für die „Oberbeamten“ gab es ein exklusives Speise- und Lesezimmer. Neben ausliegenden Zeitschriften stand dort auch eine kleine Fachbibliothek zur Verfügung.
Eine „Kantinenkommission“ organisierte Vorträge und „allgemeinverständliche Kurse aus dem gesamten Gebiete der Elektricität“. Für weibliche Angestellte und Familienangehörige wurde angeboten: Schneiderunterricht, Kochunterricht, Flicken und Stopfen.
„Durch solche Anregungen wird ein beständiger und erfreulicher Zusammenhang zwischen den Angestellten und der Werksverwaltung unterhalten“.(Das Kabelwerk der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft Berlin, 1904)

