
Walk of Fame Schöneweide 2026
Das Kabelwerk Oberspree

Die historischen KWO-Gebäude prägen Schöneweide bis heute. Wie die KWO-Drahtfabrik stehen viele leer und verfallen zusehens. Die AEG klagt vergeblich auf Rückgabe ihres früheren Eigentums. Sieben Kabelwerke der DDR schließen sich zur Holding „KWO Kabel AG” zusammen. Die Betriebe werden von der Treuhand übernommen.
Das KWO wird aufgeteilt: Der westliche Teil wird zum Verkauf ausgeschrieben. Das verkleinerte Kabelwerk produziert weiter, hat aber mit Auftragsrückgängen zu kämpfen. Der östliche Teil wird stillgelegt und geht an das Land Berlin zur weiteren Entwicklung.
1992
erwirbt der Weltkonzern „BICC Communications Ltd.’ mit Sitz im englischen Helsby das KWO für 63 Mio. DM. Die „KWO Kabel GmbH„ wird gegründet, eine Beschäftigungsgarantie für bis zu 2.200 Arbeitsplätzen abgegeben. Für die Modernisierung der Produktion wird BICC mit einen zweistelligen Millionenbetrag gefördert und kündigt eigene Investitionen in Höhe von 157 Mio DM an. Das KWO wird zum drittgrößten Kabelhersteller bundesweit.
1994
produzieren 1.300 Mitarbeiter Starkstromkabel, Fernmeldekabel. Lichtwellenleiter und Kabelgarnituren. Mit sinkenden Margen im Kabelgeschäft und der Verschärfung des globalen Wettbewerbs gerät die Kabelproduktion der BICC zunehmend unter Druck. Tiefgreifende Umstrukturierungen beginnen, einzelne Geschäftsbereiche werden von Tochtergesellschaften übernommen.
BICC verkauft das gesamte Kabelgeschäft an das US-Unternehmen General Cable. Unter dem Label „Balfour Beatty” wird die profitable Bau- und Ingenieursparte zunächst weitergeführt. Schrittweise kauft die Wilms-Gruppe das verbliebene Werksgelände mit einzelnen Produktionsbereichen. Zum Unternehmenskonzept gehört das Aufkaufen von insolventen Industrieanlagen, die dann an anderen Standorten für neue Produktionszwecke umgerüstet werden. Das Unternehmensnetzwerk von Johann Erich Wilms umfasst heute mehr als 80 Gesellschaften. Dazu gehören Maschinen- und Anlagenbau, Recycling und Oberflächentechnik.
Auf dem KWO-Gelände befinden sich folgende Betriebe der Wilms-Gruppe (Stand 2025)
- KWB Kabelwerk GmbH, Verwaltung und Entwicklung des Standortes
- Bayerische Kabelwerke, Bayka AG – Produktion von Glasfaser- und Lichtwellenkabeln
- BDK GmbH, Drahtzug, Litzenherstellung und PVC Compoundierung
- Spirka Schnellflechter GmbH, Flechttechnik für Kabel und Leitungen
Einzelne Gebäude sind vermietet. Das „Mahalla” bespielt das historische Kraftwerk. Zukünftige Planungen der Wilms-Gruppe sind uns nicht bekannt. Der Eigentümer weigert sich, ungenutzte und leerstehende Gebäude zu verkaufen. Trotz Denkmalschutz beobachten wir deren stetigen Verfall.
Eine Einigung zur Freigabe des Spreeufers ist nicht in Sicht.

