
Funkenflug
Die AEG entwickelte in Oberschöneweide ein innovatives Gründungszentrum. In den KWO-Laboratorien wurden neue Materialien erprobt und weitere Geschäftsfelder erschlossen. Darunter auch die Entwicklung der Hochfrequenztechnik, die mit Experimenten zur drahtlosen Telegrafie ihren Anfang nahm.
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Um 1899 tat sich Bemerkenswertes über den Dächern von Schöneweide: Am wachsenden AEG-Standort wurde die drahtlose Funkübertragung erprobt. Zwischen den 80 m hohen Schornsteinen der Kraftzentrale Oberspree wurden 100 Luftdrähte so geführt, dass sie einen Trichter für große Energieaufnahme ergaben. Mit dieser Versuchsantenne und einem Sender von einigen kW Leistung (Primärenergie 15 kW) erreichten die Funkpioniere Adolf Slaby und Georg Graf von Arco Reichweiten von 300 km. Daraus entwickelte sich der weltweite Funkverkehr – und der Begriff „Funken“, der bis heute für die drahtlose Nachrichtenübertragung steht.
Auch der junge Direktor des Kabelwerks, Erich Rathenau, war begeistert von der neuen Technologie. Das „System Slaby-Arco“ wurde von der AEG übernommen und in der 1899 gegründeten „Funktelegraphischen Abteilung“ unter Graf Arco weiterentwickelt. Sie gilt als Wegbereiter der Hochfrequenztechnik der AEG. Damit verknüpft war die Entwicklung der Telefon- und Telegrafenkabel im KWO.
Auf Anordnung Wilhelms II. wurden sämtliche Kriegsschiffe und Küstenstationen mit Apparaten nach Slaby-Arco ausgerüstet. Auch die Handelsmarine übernahm die Apparate für die drahtlose Telegrafie. Doch das Slaby-Arco-System sah sich zunehmend einer starken Konkurrenz ausgesetzt. Der Italiener Guglielmo Marconi hatte sich 1896 das erste drahtlose Telegrafiesystem patentieren lassen. 1903 gelang ihm die erste Transatlantik-Übertragung. Beide Parteien hielten unabhängig voneinander Patente und blockierten sich gegenseitig.
Um zu vermeiden, dass sich Heer und Marine unterschiedlicher funktechnischer Systeme bedienten, ordnete Kaiser Wilhelm II. die Vereinheitlichung an. Unter Vermittlung der AEG und Siemens & Halske wurden die deutschen Systeme zusammengelegt. Dies führte im Mai 1903 zur Gründung von Telefunken mit Graf von Arco als technischem Direktor. Er bewirkte federführend den Bau leistungsstarker Sendeanlagen und war maßgeblich an der Erforschung und Entwicklung der Hochfrequenztechnik in Deutschland beteiligt.




















