Abbildung zur Tafel „Das Kabelwerk Oberspree“

Sehrohr 100 – Das Kabelwerk Oberspree

Rotes Sehrohr mit der Aufschrift „nach 1990“

Walk of Fame Schöneweide 2026

Das Kabelwerk Oberspree

Abbildung zur Tafel „Das Kabelwerk Oberspree“

Die historischen KWO-Gebäude prägen Schöneweide bis heute. Wie die KWO-Drahtfabrik stehen viele leer und verfallen zusehens. Die AEG klagt vergeblich auf Rückgabe ihres früheren Eigentums. Sieben Kabelwerke der DDR schließen sich zur Holding „KWO Kabel AG” zusammen. Die Betriebe werden von der Treuhand übernommen.

Das KWO wird aufgeteilt: Der westliche Teil wird zum Verkauf ausgeschrieben. Das verkleinerte Kabelwerk produziert weiter, hat aber mit Auftragsrückgängen zu kämpfen. Der östliche Teil wird stillgelegt und geht an das Land Berlin zur weiteren Entwicklung.

1992

erwirbt der Weltkonzern „BICC Communications Ltd.’ mit Sitz im englischen Helsby das KWO für 63 Mio. DM. Die „KWO Kabel GmbH„ wird gegründet, eine Beschäftigungsgarantie für bis zu 2.200 Arbeitsplätzen abgegeben. Für die Modernisierung der Produktion wird BICC mit einen zweistelligen Millionenbetrag gefördert und kündigt eigene Investitionen in Höhe von 157 Mio DM an. Das KWO wird zum drittgrößten Kabelhersteller bundesweit.

1994

produzieren 1.300 Mitarbeiter Starkstromkabel, Fernmeldekabel. Lichtwellenleiter und Kabelgarnituren. Mit sinkenden Margen im Kabelgeschäft und der Verschärfung des globalen Wettbewerbs gerät die Kabelproduktion der BICC zunehmend unter Druck. Tiefgreifende Umstrukturierungen beginnen, einzelne Geschäftsbereiche werden von Tochtergesellschaften übernommen.

BICC verkauft das gesamte Kabelgeschäft an das US-Unternehmen General Cable. Unter dem Label „Balfour Beatty” wird die profitable Bau- und Ingenieursparte zunächst weitergeführt. Schrittweise kauft die Wilms-Gruppe das verbliebene Werksgelände mit einzelnen Produktionsbereichen. Zum Unternehmenskonzept gehört das Aufkaufen von insolventen Industrieanlagen, die dann an anderen Standorten für neue Produktionszwecke umgerüstet werden. Das Unternehmensnetzwerk von Johann Erich Wilms umfasst heute mehr als 80 Gesellschaften. Dazu gehören Maschinen- und Anlagenbau, Recycling und Oberflächentechnik.

Auf dem KWO-Gelände befinden sich folgende Betriebe der Wilms-Gruppe (Stand 2025)

  • KWB Kabelwerk GmbH, Verwaltung und Entwicklung des Standortes
  • Bayerische Kabelwerke, Bayka AG – Produktion von Glasfaser- und Lichtwellenkabeln
  • BDK GmbH, Drahtzug, Litzenherstellung und PVC Compoundierung
  • Spirka Schnellflechter GmbH, Flechttechnik für Kabel und Leitungen

Einzelne Gebäude sind vermietet. Das „Mahalla” bespielt das historische Kraftwerk. Zukünftige Planungen der Wilms-Gruppe sind uns nicht bekannt. Der Eigentümer weigert sich, ungenutzte und leerstehende Gebäude zu verkaufen. Trotz Denkmalschutz beobachten wir deren stetigen Verfall.

Eine Einigung zur Freigabe des Spreeufers ist nicht in Sicht.

 

Abbildung zur Tafel „Das Peter-Behrens-Ufer“

Walk of Fame 2026 – Das Peter-Behrens-Ufer

Rotes Sehrohr mit der Aufschrift „nach 1990“

Walk of Fame Schöneweide 2026

Das Peter-Behrens-Ufer

Abbildung zur Tafel „Das Peter-Behrens-Ufer“
Aktuelle Abbildung zur Tafel „Das Peter-Behrens-Ufer“

Planungen der DIEAG aus dem Jahr 2023. Das nachhaltige Zukunfts-Quartier mit 12.000 Arbeitsplätzen, Kunst, Kultur und Freizeitangeboten.

1990

Das VEB Werk für Fernsehelektronik wird zunächst in eine GmbH umgewandelt mit nur noch 1.400 Mitarbeitenden (von vormals rund 9.000) Dann übernimmt die Treuhandanstalt, legt Betriebsteile still und teilt den Rest in Einzelgesellschaften auf.

1993 – 2005

Der koreanische Samsung Konzern kauft das Areal für rund 20 Mio. Dollar. Der Vertrag mit der Treuhand beinhaltet: Investitionszusagen, Arbeitsplatzgarantien, Produktionsfortführung. Bei Nichterfüllung drohen Vertragsstrafen. Samsung investiert in neue Fertigungsstraßen für die Farbbildröhrenproduktion und beschäftigt 800 Mitarbeiter. – In den Folgejahren erobern Flachbildschirme den globalen Markt. Röhrenfernseher lassen sich nicht mehr verkaufen. Ein Umbau der Produktionsanlagen für völlig verschiedene LCD-Fertigungstechnologien erscheint unwirtschaftlich. Samsung beendet die Produktion.

2009 – 2019

2009 verkauft Samsung das Areal für rund 12 Mio. € an die irische „Comer Group”. Bald darauf kursieren Marktbewertungen von rund 200 Mio. € für das entwicklungsfähige Industriequartier. Doch die Pläne der milliardenschweren Comer Brüder bleiben Makulatur. Mit der Sanierung wird nicht wirklich begonnen.

2019 – 2023

Die Comer Group verkauft das rund 100.000 m² große Areal an die „Deutsche Immobilien Entwicklungs AG” (DIEAG) mit einem Gewinn von mehreren zehn Mio. Euro. Die DIEAG übernimmt die Projektentwicklung und fungiert als Investment Advisor und Asset Manager. Unter dem Label BE-U | Behrens-Ufer sollen 1.1 Mrd. Euro investiert werden. Geplant wird ein neuer Berliner Zukunftsort als energetisch autarkes Stadtquartier, eine attraktive Mischung aus historischen und neuen Gebäuden mit 235.000 m² Mietfläche für Gewerbetreibende. Nach Jahren intensiver Planung wird

2023

der erste Spatenstich gefeiert

2025

Die DIEAG steigt aus dem Projekt aus und überträgt ihre Anteile an den Investor, der von Anfang an den höchsten Anteil an der Kapitalstruktur hatte: Die VGV – Verwaltungsgesellschaft für Versorgungswerke mbH. Nach eigenen Angaben managt die VGV die Kapitalanlagen von zehn Versorgungswerken mit rund 200.000 Mitgliedern. Es ist nicht bekannt, welches Versorgungswerk heute tatsächlich der wirtschaftliche Eigentümer der Immobilie ist.

Heute

Seit dem Ausscheiden der DIEAG fehlt ein Ansprechpartner für das Projekt. —— Ob es einen neuen Projektentwickler für das Behrens-Ufer geben wird? Die direkte Kommunikation mit den Eigentümern war bisher nicht möglich. Der Behrens-Bau bleibt für Besucher verschlossen. Nach den ersten großen Abrissarbeiten auf dem Gelände scheint die gesamte Baustelle wie verwaist.

Offizielle Angaben zur weiteren Projektentwicklung liegen nicht vor. In Fachkreisen wird diskutiert, ob künftig mehr Mischnutzungen inkl. Wohnungsbau – zugelassen werden müssten, um das Projekt wirtschaftlich tragfähig zu machen.

Abbildung zur Tafel „Abspannwerk und Transformatorenhaus“

Sehrohr 9 – Stromnetz Berlin

Rotes Sehrohr mit der Aufschrift „nach 1990“

Walk of Fame Schöneweide 2026

Abspannwerk und Transformatorenhaus

Abbildung zur Tafel „Abspannwerk und Transformatorenhaus“
Aktuelle Abbildung zur Tafel „Abspannwerk und Transformatorenhaus“

Stromnetz Berlin Das denkmalgeschützte Abspannwerk gehört heute zum Stromnetz Berlin. Seit 2013 wird es von der Skulpturengießerei Knaak genutzt, Zu den erhaltenen Anlagen für die örtliche Stromversorgung gehören das Schalthaus, die Phasenschieberhalle und das Transformatorenhaus.

Nach 1990 erfolgte deren Rückführung in die Berliner Energieversorgung. Die Anlagen gingen in den Besitz bzw. die Verwaltung der neu strukturierten BEWAG AG über.

1995

wurde das historische Abspannwerk außer Betrieb genommen. Die BEWAG wurde schrittweise privatisiert und Bestandteil des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall. Stromnetze sind Teil der Daseinsvorsorge und gelten als kritische Infrastuktur. Das Land Berlin beschließt die vollständige Übernahme der Stromnetz GmbH.

Heute

gehört die Anlage zur landeseigenen Stromnetz Berlin GmbH. Nach Auskunft von Mitarbeitern wird mit den aktuell wachsenden Aufgaben eine Nachnutzung der leerstehenden Gebäude wahrscheinlich. Stromnetz Berlin ist Partner des Walk of Fame Schöneweide und stellt sich vor: Stromnetz Berlin – Energie für die Hauptstadt Wir sorgen dafür, dass rund um die Uhr zuverlässig Strom in Berlin ankommt – in Wohnungen, Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und der Infrastruktur. Stromnetz Berlin plant, baut, betreibt, steuert und modernisiert das Berliner Verteilungsnetz und schafft so die Grundlage für die Energieversorgung einer wachsenden Metropole.

Unsere Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 1884, als mit den „Städtischen Elektricitäts-Werken” die öffentliche Stromversorgung Berlins begann. Zu den Wegbereitern der Elektrifizierung gehörte auch der Unternehmer Emil Rathenau, der die Entwicklung der Elektrotechnik maßgeblich vorantrieb.

Heute

stehen wir vor einer neuen Phase der Transformation: Energiewende, Elektromobilität, Wärmepumpen und Digitalisierung erhöhen den Strombedarf deutlich. Deshalb verdoppeln wir die Kapazität des Berliner Stromnetzes in den kommenden Jahren schrittweise und bauen die Infrastruktur umfassend aus. Dafür brauchen wir engagierte Menschen, die die Zukunft Berlins aktiv mitgestalten. Wir werden weiter wachsen und investieren in ein leistungsfähiges, nachhaltiges und zukunftssicheres Stromnetz für die Hauptstadt.

Abbildung zur Tafel „Kraftzentrum“

Sehrohr 10 – Kraftzentrum

Rotes Sehrohr mit der Zahl 10

Kraftzentrum

Mit dem ersten Drehstromkraftwerk entwickelte sich auf der „schönen Weyde“ eine moderne Industriestadt. Die Architektur sollte die neue Kraft der Elektrizität eindrucksvoll repräsentieren.

Walk of Fame Schöneweide 2026

Historische Ansicht des Kraftwerks Oberspree
„Die Riesenmaschinen der neuen Zentrale erregten die Bewunderung der ganzen Fachwelt, deren Vertreter aus aller Herren Länder zur Besichtigung herbeieilten.“
(Emil Rathenau und das elektrische Zeitalter, Felix Pinner, Leipzig 1918, S. 191)

Das Kraftwerk Oberspree war ein Meilenstein in der Geschichte der industriellen Großkraftwerkstechnik. Es legte den Grundstein für den Aufstieg des Berliner Südostens zur legendären „Elektropolis“.

Für das erste Drehstromkraftwerk Deutschlands stellte die Grundrenditengesellschaft Wilhelminenhof der AEG das Bauland kostenlos zur Verfügung. Der Plan der Eigentümer ging auf: 1896 nahm das Kraftwerk als „Centralstation der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft“ den Betrieb auf, die AEG kaufte das benachbarte Gelände für das neue Kabelwerk und ringsum entwickelte sich die „Modellstadt der Industrie“ an der Spree.

Mit dem Bau des Drehstrom-Kraftwerks beendete die AEG den sogenannten „Stromkrieg“, bei dem sich die Pioniere der Elektrotechnik bislang unversöhnlich gegenüberstanden. Werner von Siemens verteidigte den bewährten Gleichstrom, während die AEG unter Emil Rathenau deutlich auf den verlustärmeren Wechsel- und Drehstrom setzte. Die Kraftwerke konnten nun aus den Städten verlagert werden, wo sie bisher unmittelbar beim Verbraucher Gleichstrom produziert hatten. Stattdessen wurden sie nun an verkehrsgünstigen Standorten erbaut, wo die Belieferung mit Kohle und die Versorgung mit Wasser leicht möglich war.

Die neue Kraftwerkstechnik wurde durch den AEG-Ingenieur Michael von Dolivo-Dobrowolsky geprägt, der den Drehstrommotor und den Drehstromtransformator erfand.

Die Kraftwerks-Gebäude entstanden nach Plänen des AEG-Architekten Paul Tropp. Die filigrane Eisenskelettkonstruktion mit den großen Glasfassaden erinnert an damalige Warenhäuser. Die Fassaden wurden mit gelben Klinkern verblendet und mit Ornamenten ausgeschmückt, die den Siegeszug der elektrischen Energie feiern.

Mit dem wachsenden Strombedarf wurde die Anlage mehrfach erweitert und 1933 endgültig stillgelegt. Ein Teil der Gebäude wurde durch das benachbarte AEG-Kabelwerk Oberspree genutzt.

Abbildung zur Tafel „Zukunftsgestalter“

Sehrohr 19 – Zukunftsgestalter

Rotes Sehrohr mit der Zahl 19

Zukunftsgestalter

Rathenau-Villa im Jahr 2002
„Rathenau-Villa“, 2002

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Zeichnung von Walther Rathenau und seinem jüngeren Bruder Erich
Zeichnung von Walther Rathenau auf einem Briefumschlag, 1890. Links Rathenaus jüngerer Bruder Erich.Quelle: Walther Rathenau Gesellschaft

Emil Rathenau, Gründer und Direktor der AEG, hatte zwei Söhne:

Walther, der spätere Außenminister (geb. 1867, am 24.6.1922 von Rechtsradikalen erschossen), und Erich Rathenau (geb. 1871, gest. 1903). Walther Rathenau war vor allem als Industrieller, Schriftsteller und Politiker bekannt. Erich Rathenau wirkte überwiegend innerhalb der AEG. Nach Aussagen von Zeitgenossen war Erich seinem Vater sehr ähnlich: ein begabter Elektrotechniker, bekennender Workaholic und sehr interessiert an Forschungs- und Entwicklungsarbeiten. 1901 wurde er Mitglied des AEG-Vorstands und von seinem Vater als Nachfolger favorisiert.

Ab 1897 verantwortete Erich Rathenau den Aufbau des KWO und wurde dessen erster Direktor.

Unter seiner Leitung entwickelte sich das KWO zu einem der wichtigsten Produktions- und Entwicklungsstandorte der AEG. Weit über den Bau von Kabeln hinaus förderte Erich Rathenau u. a. neue Verfahren der Metallverarbeitung und Beiträge zur Entwicklung der Nachrichtentechnik. So unternahm er mit Graf von Arco und Slaby mutige Feldversuche mit drahtloser Telegrafie an der Sakrower Heilandskirche.

Wie eng sich Erich Rathenau mit dem KWO verbunden fühlte, ist an der Lage seiner Villa zu sehen, die direkt an die Produktionsgebäude grenzt. Mit dem Bau war 1902 begonnen worden. Bevor er einziehen konnte, kam er zeitweise im Verwaltungshaus neben dem KWO-Eingang unter. In einem Zeitungsartikel ist zu lesen, dass er von dort aus den Brand einer Fabrikhalle entdeckte. Bei Löscharbeiten soll er sich verletzt haben. Da er seit früher Jugend ohnehin gesundheitlich angeschlagen war, unternahm sein Vater mit ihm eine Erholungsreise nach Ägypten. Die Reise endete jedoch tragisch. Während des Aufenthalts in Assuan erkrankte Erich schwer und starb dort am 19. Januar 1903 im Alter von nur 31 Jahren.

Die Fertigstellung der Villa hat er nicht mehr erlebt.

Der Tod seines Lieblingssohnes war für Emil Rathenau ein sehr schwerer Schlag. Möglicherweise aus Trauer übernahm er persönlich die weitere Leitung des KWO – beinahe in Sichtweite des Familiengrabes der Rathenaus auf dem Waldfriedhof.

Abbildung zur Tafel „Mobilitätsmotor“

Sehrohr 21 – Mobilitätsmotor

Rotes Sehrohr mit der Zahl 21

Mobilitätsmotor

Zwischen 1900 und 1930 war die Neue Automobil Gesellschaft einer der bedeutendsten Automobilhersteller Deutschlands.

Walk of Fame Schöneweide 2026

Historische NAG-Anzeige für Tourenwagen, Lastwagen und Omnibusse

Der Automobilbau der AEG machte Oberschöneweide zu einem Zentrum des deutschen Fahrzeugbaus.

Emil Rathenau, Gründer und Direktor der AEG, hatte die Zukunft des Automobils früh erkannt.

Ab 1900 ließ er die ersten Fahrzeuge zunächst in einer Werkstatt des neu errichteten Kabelwerks Oberspree fertigen. Zulieferbetriebe waren bereits vor Ort und die Autoreifen „Oberspree Pneumatics“ aus der KWO-Gummifabrik genossen einen sehr guten Ruf.

1901 begann die Neue Automobilgesellschaft (N.A.G.) als AEG-Tochter mit der Produktion von Personenwagen, Elektromobilen, Lastwagen und Motoren. Die Autos wurden noch einzeln unter Berücksichtigung der individuellen Kundenwünsche hergestellt.

Mit dem raschen Wachstum im Ersten Weltkrieg reichten die Hallen im Kabelwerk nicht mehr aus.

Deshalb beauftragte die AEG einen repräsentativen Neubau in unmittelbarer Nähe des Kabelwerks.

Zwischen 1915 und 1917 entstand nach Entwürfen des AEG-Chefarchitekten Peter Behrens die neue Automobilfabrik. Die markante Stockwerksfabrik mit dem weithin sichtbaren Turm gilt als ein Monument der Berliner Industriearchitektur.

Das moderne Werk war auf die serielle Massenherstellung von Fahrzeugen ausgerichtet.

Die Produktionsräume wurden durch wuchtige Treppentürme und 18 Fahrstühle erschlossen, von denen vier über eine Traglast von 6.000 kg verfügten. Karosserien und Bauteile wurden in den oberen Etagen gefertigt und montiert, das fertige Fahrzeug verließ im Erdgeschoss die Fabrik.

Die NAG-Wagen galten als leistungsstark und zuverlässig. Erfolgreich waren auch Stadtomnibusse und NAG-Lastwagen. Doch ab Mitte der Zwanziger Jahre stagnierte der Absatz. Bei der übereilten Konstruktion von Nachfolgemodellen traten große Probleme auf; sie konnten sich nicht mehr gegen die Konkurrenz behaupten, die auf Montagebändern weitaus preiswertere Fahrzeuge herstellte.

1926 fusionierte die NAG mit der Berliner Automarke Protos zur NAG-Protos.

Ende 1932 übernahm die Büssing AG die komplette Abteilung der AEG-Nutzfahrzeug-Tochter NAG; diese bestand im Unternehmensnamen als Büssing-NAG noch bis 1949 weiter.

Abbildung zur Tafel „Elektronikgigant“

Sehrohr 22 – Elektronikgigant

Rotes Sehrohr mit der Zahl 22

Elektronikgigant

Das VEB Werk für Fernsehelektronik gehörte zu den größten Industriebetrieben Ost-Berlins, ein Schlüsselbetrieb der Elektronikindustrie und zentraler Baustein der technologischen Eigenständigkeit der DDR.

Behrens-Bau bei Nacht mit einer farbigen 3D-Projektion

Walk of Fame Schöneweide 2026

Am 1.10.2017 feierte Schöneweide ein großes „Fest der Mobilität“. Höhepunkt war eine 3D-Projektion am Behrens-Bau. Auf den Tag genau vor 100 Jahren hatte hier die Automobilproduktion begonnen.

Das markante »Monument der Industriekultur« kündete damals von einem neuen Zeitalter des Verkehrs.

Nach dem Ende des Automobilbaus 1934, wurde hier auf „Führerbefehl“ an Fernseh-Übertragungssystemen für die Olympiade 1936 gearbeitet.

Nach dem 2. Weltkrieg zog die Röhrenproduktion ein. Unter wechselnden Namen etablierte sich das VEB Werk für Fernsehelektronik (WF) mit rund 9.000 Beschäftigten. Produziert wurden Bildröhren für Fernsehgeräte, Elektronenröhren und Bauelemente für die First Sensor/TE Connectivity-Funk- und Nachrichtentechnik.

Durch das Embargo der westlichen Staaten, war die DDR von moderner Hochtechnologie abgeschnitten.

Um mit der internationalen Spitzentechnologie dennoch Schritt halten zu können, wurden im WF westliche Bauelemente inclusive Herstellungsverfahren und Fertigungsanlagen nachgebaut. Neben der Produktion von Aufnahme- und Wiedergabetechnik entwickelte sich das WF auch zu einem Forschungs- und Entwicklungszentrum der elektronischen Industrie und galt als modernstes Zentrum der Mikroelektronik in Osteuropa. Alle Erzeugnisse einschließlich ihrer Technologien wurden im Betrieb selbst entwickelt und in die Produktion überführt.

Nach der Wende wurde aus dem „Volkseigenen Betrieb“ zunächst eine GmbH.

Die Treuhand suchte nach einem Käufer. 1993 übernahm Samsung SDI als neuer Eigentümer die Farbbildröhrenproduktion. Aus Teilen der Entwicklungsabteilungen entstanden erfolgreiche Technologieunternehmen, darunter First Sensor/TE Connectivity und die Iris GmbH, die die wissenschaftliche Tradition des Standorts fortführten.

Mit dem weltweiten Übergang von Bildröhren zu LCD- und Plasmabildschirmen verlor der Standort jedoch seine wirtschaftliche Grundlage. 2005 erfolgte die endgültige Schließung des Werkes.

Abbildung zur Tafel „Kommunikationsverstärker“

Sehrohr 18 – Kommunikationsverstärker

Rotes Sehrohr mit der Zahl 18

Kommunikationsverstärker

Da die frühen Elektronenröhren in Handarbeit gefertigt wurden, war die Qualität jedes einzelnen Exemplars unterschiedlich. Eine Original-Röhre wird im Industriesalon ausgestellt.

Walk of Fame Schöneweide 2026

Historische Lieben-Reisz-Verstärkerröhre auf ihrem Apparatesockel

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Telefonieren zwar möglich, aber nur über kurze Entfernungen.

Je länger eine Leitung war, desto schwächer wurde das Signal, bis es schließlich im Rauschen verschwand.

Hochwertige Kabel allein brachten keine Verbesserung.

1906 meldete Robert von Lieben eine erste Verstärkerröhre zum Patent an.

Gemeinsam mit Eugen Reisz und Siegmund Strauss wurde die Konstruktion kontinuierlich verbessert.

Die AEG erkannte sehr früh die Bedeutung dieser Pionierentwicklung, mit der erstmals elektrische Signale verstärkt werden konnten. Zusammen mit Siemens & Halske sicherte sie sich die Nutzungs- und Verwertungsrechte.

1912 wurde im KWO das erste Röhrenlaboratorium eingerichtet.

Unter der Leitung des Wiener Elektroakustikers Eugen Reisz und seines Mitarbeiters Georg Neumann wurde es zu einem ersten deutschen Forschungszentrum für Elektronik.

Die Voraussetzungen für die Fertigung der „Ur-Mutter“ aller Verstärkerröhren waren im KWO vorhanden.

Im Röhrenlaboratorium wurde die nach ihren Erfindern benannte Lieben-Reisz-Röhre zur industriellen Serienreife weiterentwickelt und produziert.

Die gasgefüllte Röhre hatte einen 20-fachen Verstärkungsfaktor. Sie wurde in regelmäßigen Abständen von 80 bis zu 150 km in die Telefonleitungen eingefügt. Dadurch ließ sich die Reichweite für Fernsprechverbindungen beliebig verlängern.

Nach Schätzungen entstanden insgesamt etwa 3.000 Exemplare im KWO, dann wurde die Produktion ausgelagert und durch leistungsstärkere Hochvakuum-Röhren ersetzt.

Die bei der Produktion gewonnenen Erfahrungen in der Vakuumtechnik, Metallbearbeitung und Glasverarbeitung bildeten eine wichtige Grundlage für die spätere Entwicklung moderner Elektronenröhren.

Abbildung zur Tafel „Schlüsseltechnologie“

Sehrohr 17 – Schlüsseltechnologie

Rotes Sehrohr mit der Zahl 17

Schlüsseltechnologie

Jan Czochralski arbeitete von 1908 bis 1917 im Metall-Labor des KWO. Dort entwickelte er das nach ihm benannte Verfahren zur Züchtung von Einkristallen – eine wichtige Grundlage der heutigen Halbleiterindustrie.

Walk of Fame Schöneweide 2026

Glühender Einkristall wird aus einer Schmelze gezogen
Historisches Porträt des Chemikers Jan Czochralski

An einem späten Abend im Jahr 1916 arbeitete der Chemiker Jan Czochralski (1885–1953) noch im Metall-Laboratorium des KWO. (Das Labor befand sich in etwa am Ort der heutigen Pförtnerloge auf dem HTW-Campus.) Zu den Aufgaben des jungen Forschers gehörte die Untersuchung von Kristallisationsvorgängen in Metallen. Damit sollten Legierungen normiert und Kosten im Kabelbau eingespart werden.

Nach einem langen Arbeitstag hielt Czochralski die ermittelten Werte für die Schmelzpunkte von Kristallen in einer Liste fest.

Gedankenverloren tauchte er seine Schreibfeder in einen Tiegel mit flüssigem Zinn, statt mit Tinte – ein Versehen, das die Welt veränderte! Er beobachtete, wie sich beim langsamen Herausziehen zwischen der Spitze seines Schreibgerätes und dem Fässchen mit der Zinnschmelze ein langer dünner Faden bildete.

Dieser „schöpferische Fehlgriff“ inspirierte ihn und führte zur Entwicklung des nach ihm benannten neuen Verfahrens: Während ein kleiner Kristallkeim langsam und bei gleichzeitiger Drehung aus einer Metallschmelze gezogen wird, wächst ein großer Einkristall mit geordneter Kristallstruktur.

Ursprünglich diente das Verfahren der Herstellung von Metall-Einkristallen wie Zinn, Zink oder Blei. Erst in den 1950er Jahren wurde erkannt, dass sich dieselbe Methode hervorragend zur Herstellung von Silizium- und Germanium-Einkristallen eignet. Heute entstehen rund 95 % aller Silizium-Einkristalle für die Mikroelektronik nach Varianten des Czochralski-Verfahrens.

Damit basiert praktisch jeder Mikroprozessor, Speicherchip und viele Solarzellen auf einer Erfindung, die im KWO ihren Ursprung hatte.

Als angesehener Metallforscher wurde Czochralski Präsident der Deutschen Gesellschaft für Metallkunde, bis er 1929 als Professor an die Chemische Fakultät der Technischen Hochschule Warschau berufen wurde.

Wegen des Vorwurfs, mit den deutschen Besatzern kollaboriert zu haben, wurde Czochralski nach 1945 aus der Technischen Hochschule ausgeschlossen. Verbittert kehrte er in seinen Geburtsort Kcynia zurück, wo er ein kleines Unternehmen für chemische Präparate, Haushaltsprodukte und Kosmetika gründete.

Abbildung zur Tafel „Campus Wilhelminenhof der HTW Berlin“

Sehrohr 16 – Campus Wilhelminenhof der HTW Berlin

Campus Wilhelminenhof der HTW Berlin

Rotes Sehrohr mit der Aufschrift „nach 1990“

Der Campus Wilhelminenhof ist der größte Standort der HTW. Eine Zusammenlegung mit den Fachbereichen in Karlshorst bleibt erklärtes Ziel.

Campus Wilhelminenhof der HTW Berlin

1990 – 1993

Das KWO geht in das Eigentum der Treuhandanstalt über. Betriebsnotwendige Produktionsflächen werden an das privatisierte KWO verkauft. Die nichtbetriebsnotwendigen Flächen im östlichen Teil sollen separat entwickelt werden.

1994 – 2003

Rund 130.000 m² werden der „Berliner Landesentwicklungsgesellschaft“ (BLEG) zur weiteren Entwicklung übertragen. Sie agiert treuhänderisch für das Land Berlin.

Durch die Sanierung der Altlasten und des Gebäudebestands sollen Wertsteigerungen erzielt werden, um die Kosten von Erwerb, Sanierung und Erschließung zu refinanzieren. Doch die Erwartungen erfüllen sich nicht, die Nachfrage ist zu gering.

Das Vermarktungskonzept scheitert. Die BLEG wird aufgelöst, die Flächen gehen an das Land Berlin.

2004 – 2009

Der Berliner Senat entscheidet, dass die auf fünf Standorte verteilte Fachhochschule für Technik und Wirtschaft langfristig auf einem Zentralcampus zusammengeführt werden soll. Der neue Campus entsteht im historischen Bestand.

Die HTW Berlin ist das Impulsprojekt für die wirtschaftliche und städtebauliche Erneuerung Oberschöneweides.

Die HTW Berlin ist Partner des Walk of Fame Schöneweide und stellt sich vor:

heute

Praxisnah und vielfältig: die HTW Berlin

Studierende und Mitarbeitende der HTW Berlin arbeiten mit einem Roboterarm
www.htw-berlin.de

Die HTW Berlin als größte Hochschule für angewandte Wissenschaften im Land Berlin bietet Studiengänge in den Bereichen Technik, Informatik, Wirtschaft, Recht, Kultur und Design. Ihre Studierenden und Alumni werden regelmäßig bei nationalen und internationalen Wettbewerben ausgezeichnet, die Bewertungen in Rankings sind sehr gut.

Auf dem Campus Wilhelminenhof ist die HTW Berlin seit 20 Jahren zuhause. An diesem traditionsreichen Standort, an dem Industriegeschichte geschrieben wurde, liegen die Forschungsschwerpunkte der Hochschule in den Bereichen erneuerbare Energien und Ressourceneffizienz, digitale Technologien für Wirtschaft und Gesellschaft sowie in Design und Kultur.

Forschung und Entwicklung sind geprägt von Anwendungsorientierung und Praxisnähe. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kooperieren dabei eng mit Partnern aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Kultur und Verwaltung.

Die HTW Berlin zählt außerdem zu den führenden Gründungshochschulen in Deutschland. Sie begleitet Interessierte vom ersten Gründungsinteresse bis zur erfolgreichen Unternehmensgründung mit verschiedenen Programmen und unterschiedlichen Instrumenten.