
Schlüsseltechnologie
Jan Czochralski arbeitete von 1908 bis 1917 im Metall-Labor des KWO. Dort entwickelte er das nach ihm benannte Verfahren zur Züchtung von Einkristallen – eine wichtige Grundlage der heutigen Halbleiterindustrie.
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An einem späten Abend im Jahr 1916 arbeitete der Chemiker Jan Czochralski (1885–1953) noch im Metall-Laboratorium des KWO. (Das Labor befand sich in etwa am Ort der heutigen Pförtnerloge auf dem HTW-Campus.) Zu den Aufgaben des jungen Forschers gehörte die Untersuchung von Kristallisationsvorgängen in Metallen. Damit sollten Legierungen normiert und Kosten im Kabelbau eingespart werden.
Nach einem langen Arbeitstag hielt Czochralski die ermittelten Werte für die Schmelzpunkte von Kristallen in einer Liste fest.
Gedankenverloren tauchte er seine Schreibfeder in einen Tiegel mit flüssigem Zinn, statt mit Tinte – ein Versehen, das die Welt veränderte! Er beobachtete, wie sich beim langsamen Herausziehen zwischen der Spitze seines Schreibgerätes und dem Fässchen mit der Zinnschmelze ein langer dünner Faden bildete.
Dieser „schöpferische Fehlgriff“ inspirierte ihn und führte zur Entwicklung des nach ihm benannten neuen Verfahrens: Während ein kleiner Kristallkeim langsam und bei gleichzeitiger Drehung aus einer Metallschmelze gezogen wird, wächst ein großer Einkristall mit geordneter Kristallstruktur.
Ursprünglich diente das Verfahren der Herstellung von Metall-Einkristallen wie Zinn, Zink oder Blei. Erst in den 1950er Jahren wurde erkannt, dass sich dieselbe Methode hervorragend zur Herstellung von Silizium- und Germanium-Einkristallen eignet. Heute entstehen rund 95 % aller Silizium-Einkristalle für die Mikroelektronik nach Varianten des Czochralski-Verfahrens.
Damit basiert praktisch jeder Mikroprozessor, Speicherchip und viele Solarzellen auf einer Erfindung, die im KWO ihren Ursprung hatte.
Als angesehener Metallforscher wurde Czochralski Präsident der Deutschen Gesellschaft für Metallkunde, bis er 1929 als Professor an die Chemische Fakultät der Technischen Hochschule Warschau berufen wurde.
Wegen des Vorwurfs, mit den deutschen Besatzern kollaboriert zu haben, wurde Czochralski nach 1945 aus der Technischen Hochschule ausgeschlossen. Verbittert kehrte er in seinen Geburtsort Kcynia zurück, wo er ein kleines Unternehmen für chemische Präparate, Haushaltsprodukte und Kosmetika gründete.

