Text von Anna Pawlicki zu ihrer Ausstellung
Der Berliner Stadtteil Schöneweide wandelt sich rasant.
Industriebauten verwahrlosen oder werden zu teuren Ateliers. Eine vierspurige Straße soll durch die Wuhlheide führen, die Bewohner*innen werden heterogener und Niederschöneweide ist der derzeit teuerste Ort für Wohnen in Treptow-Köpenick.
Was sagen die, die seit Jahrzehnten hier wohnen? Wie erlebten die Menschen den Zusammenbruch der Großindustrie? Wie erleben sie den heutigen Wandel? Die Fotografin Anna Pawlicki hat sie gefragt und porträtiert.
Sie erzählen vom Blei im Boden und vom Rodeln auf Trümmern. Vom Ruß auf den Hemden und von betäubenden Maiglöckchenparfüm. Und sie erzählen von Wohnungskündigung wegen Eigenbedarf.
“Schwatzen” bedeutet für Frau Schubert: einander begegnen, aufeinander zugehen, miteinander ins Gespräch kommen. Schwatzen kann einem das Gefühl geben, Teil einer losen Gemeinschaft zu sein. Ein Schwatz ist ein flüchtiger Berührungspunkt mit jemandem, der/die andere Ansichten zu der Welt haben kann als man selbst.
Die Porträts erkunden das Phänomen, dass unser Gedächtnis keine Datenablage, sondern ein Geschichtenerzähler ist.
Die Ausstellung wird mit neuen Fotografien von Anna Pawlicki und Texten der Porträtierten im Industriesalon gezeigt.
Über die Künstlerin
Anna ist Fotografin, in Polen geboren und lebt seit 1989 in Berlin.
Sie studierte Filmkamera an der Hff Potsdam Konrad Wolff.
Im Zentrum ihrer künstlerischen Porträtfotografie steht die spontane Begegnung mit unbekannten Menschen. Sie spricht sie an ausgewählten Orten an und entwickle aus diesen Begegnungen fotografische Porträts. Die Porträts verdichtet sie zu Serien, die durch atmosphärische, räumliche oder thematische Bezüge miteinander verbunden sind. Ihre Bildsprache bewegt sich zwischen dokumentarischer Beobachtung und inszenierter Verdichtung. In ihren freien, dokumentarischen Projekten beschäftigt sie sich mit menschlicher Selbstbestimmung und botanischen Phänomenen.

