Sehrohr 19 – Zukunftsgestalter

Rotes Sehrohr mit der Zahl 19

Zukunftsgestalter

Rathenau-Villa im Jahr 2002
„Rathenau-Villa“, 2002

Walk of Fame Schöneweide 2026

Zeichnung von Walther Rathenau und seinem jüngeren Bruder Erich
Zeichnung von Walther Rathenau auf einem Briefumschlag, 1890. Links Rathenaus jüngerer Bruder Erich.Quelle: Walther Rathenau Gesellschaft

Emil Rathenau, Gründer und Direktor der AEG, hatte zwei Söhne:

Walther, der spätere Außenminister (geb. 1867, am 24.6.1922 von Rechtsradikalen erschossen), und Erich Rathenau (geb. 1871, gest. 1903). Walther Rathenau war vor allem als Industrieller, Schriftsteller und Politiker bekannt. Erich Rathenau wirkte überwiegend innerhalb der AEG. Nach Aussagen von Zeitgenossen war Erich seinem Vater sehr ähnlich: ein begabter Elektrotechniker, bekennender Workaholic und sehr interessiert an Forschungs- und Entwicklungsarbeiten. 1901 wurde er Mitglied des AEG-Vorstands und von seinem Vater als Nachfolger favorisiert.

Ab 1897 verantwortete Erich Rathenau den Aufbau des KWO und wurde dessen erster Direktor.

Unter seiner Leitung entwickelte sich das KWO zu einem der wichtigsten Produktions- und Entwicklungsstandorte der AEG. Weit über den Bau von Kabeln hinaus förderte Erich Rathenau u. a. neue Verfahren der Metallverarbeitung und Beiträge zur Entwicklung der Nachrichtentechnik. So unternahm er mit Graf von Arco und Slaby mutige Feldversuche mit drahtloser Telegrafie an der Sakrower Heilandskirche.

Wie eng sich Erich Rathenau mit dem KWO verbunden fühlte, ist an der Lage seiner Villa zu sehen, die direkt an die Produktionsgebäude grenzt. Mit dem Bau war 1902 begonnen worden. Bevor er einziehen konnte, kam er zeitweise im Verwaltungshaus neben dem KWO-Eingang unter. In einem Zeitungsartikel ist zu lesen, dass er von dort aus den Brand einer Fabrikhalle entdeckte. Bei Löscharbeiten soll er sich verletzt haben. Da er seit früher Jugend ohnehin gesundheitlich angeschlagen war, unternahm sein Vater mit ihm eine Erholungsreise nach Ägypten. Die Reise endete jedoch tragisch. Während des Aufenthalts in Assuan erkrankte Erich schwer und starb dort am 19. Januar 1903 im Alter von nur 31 Jahren.

Die Fertigstellung der Villa hat er nicht mehr erlebt.

Der Tod seines Lieblingssohnes war für Emil Rathenau ein sehr schwerer Schlag. Möglicherweise aus Trauer übernahm er persönlich die weitere Leitung des KWO – beinahe in Sichtweite des Familiengrabes der Rathenaus auf dem Waldfriedhof.