Sehrohr 13 – Kabelwerk der Moderne

Rotes Sehrohr mit der Zahl 13

Kabelwerk der Moderne

Ab 1897 wurde das damals modernste und größte Kabelwerk Europas in nur wenigen Monaten von der AEG erbaut. Unter der Führung von Erich und Emil Rathenau entwickelte sich eine komplexe Fabrikanlage, die für bedeutende Leistungen auf dem Gebiet der Elektrotechnik steht.

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Luftbild des Kabelwerks Oberspree von 1923

Um 1900 galt das Kabelwerk Oberspree (KWO) als Star unter den Fabriken: Luftige Hallen, die im elektrischen Licht erstrahlten, Maschinen, die von 800 Elektromotoren angetrieben wurden, und Transportfahrzeuge, die sich wie von Geisterhand über das Gelände bewegten. Die voll elektrifizierte Fabrikanlage galt als „Chicago an der Spree“, das die Berliner stolz ihren Gästen zeigten. Mit dem KWO verbindet sich der Aufstieg von Berlin zur „Elektropolis“ – der Stadt der Elektrotechnik, die die Welt veränderte. Die gesamte Anlage setzte sich aus weitgehend selbständigen Fabrikteilen zusammen, die durch übergreifende Fertigungsbereiche miteinander verknüpft waren (»Werkstattprinzip«). Die Produktionsgebäude waren nicht auf bestimmte Prozesse festgelegt, sondern flexibel nutzbar. So konnte die AEG schnell auf wirtschaftliche Entwicklungen reagieren und Produktionsabläufe verändern.

Produziert wurde alles, was Strom fließen lässt, außerdem Maschinen, Funk- und Fernmeldetechnik sowie Automobile. Die Produktpalette wurde ständig erweitert. Insgesamt wurden im KWO rund 30.000 verschiedene Artikel hergestellt. In den Forschungslaboratorien wurde intensiv an neuen Materialien geforscht. Wichtigstes Ziel war die Unabhängigkeit von importierten Rohmaterialien wie Kupfer und Gummi. Um Zulieferer zu ersetzen, wurde eine eigene Metallbearbeitung aufgebaut. Das Kupferwalzwerk wurde zum größten kupferverarbeitenden Betrieb in Deutschland. Das KWO verarbeitete riesige Mengen Rohstoffe, um Drähte wetter- und stromfest zu isolieren. Bereits ab 1898 gab es eine eigene Gummi- und Kunststoffherstellung.

1904 konnte ein erster internationaler Großauftrag realisiert werden. Für die Londoner U-Bahn wurden 12-kV-Massekabel gefertigt und in London verlegt. Zwischen 1911 und 1914 sorgte das KWO für den massiven Ausbau der Strominfrastruktur in Argentinien. Insgesamt wurden 300 km 16-kV-Kabel nach Übersee geliefert – eine logistische und technische Meisterleistung. Dieser gewaltige Exportauftrag führte dazu, dass das KWO-Fabrikgelände um 62.000 m² erweitert werden musste. Die Belegschaft wuchs in dieser Zeit auf rund 8.000 Beschäftigte an.