Sehrohr 10 – Kraftzentrum

Rotes Sehrohr mit der Zahl 10

Kraftzentrum

Mit dem ersten Drehstromkraftwerk entwickelte sich auf der „schönen Weyde“ eine moderne Industriestadt. Die Architektur sollte die neue Kraft der Elektrizität eindrucksvoll repräsentieren.

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Historische Ansicht des Kraftwerks Oberspree
„Die Riesenmaschinen der neuen Zentrale erregten die Bewunderung der ganzen Fachwelt, deren Vertreter aus aller Herren Länder zur Besichtigung herbeieilten.“
(Emil Rathenau und das elektrische Zeitalter, Felix Pinner, Leipzig 1918, S. 191)

Das Kraftwerk Oberspree war ein Meilenstein in der Geschichte der industriellen Großkraftwerkstechnik. Es legte den Grundstein für den Aufstieg des Berliner Südostens zur legendären „Elektropolis“.

Für das erste Drehstromkraftwerk Deutschlands stellte die Grundrenditengesellschaft Wilhelminenhof der AEG das Bauland kostenlos zur Verfügung. Der Plan der Eigentümer ging auf: 1896 nahm das Kraftwerk als „Centralstation der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft“ den Betrieb auf, die AEG kaufte das benachbarte Gelände für das neue Kabelwerk und ringsum entwickelte sich die „Modellstadt der Industrie“ an der Spree.

Mit dem Bau des Drehstrom-Kraftwerks beendete die AEG den sogenannten „Stromkrieg“, bei dem sich die Pioniere der Elektrotechnik bislang unversöhnlich gegenüberstanden. Werner von Siemens verteidigte den bewährten Gleichstrom, während die AEG unter Emil Rathenau deutlich auf den verlustärmeren Wechsel- und Drehstrom setzte. Die Kraftwerke konnten nun aus den Städten verlagert werden, wo sie bisher unmittelbar beim Verbraucher Gleichstrom produziert hatten. Stattdessen wurden sie nun an verkehrsgünstigen Standorten erbaut, wo die Belieferung mit Kohle und die Versorgung mit Wasser leicht möglich war.

Die neue Kraftwerkstechnik wurde durch den AEG-Ingenieur Michael von Dolivo-Dobrowolsky geprägt, der den Drehstrommotor und den Drehstromtransformator erfand.

Die Kraftwerks-Gebäude entstanden nach Plänen des AEG-Architekten Paul Tropp. Die filigrane Eisenskelettkonstruktion mit den großen Glasfassaden erinnert an damalige Warenhäuser. Die Fassaden wurden mit gelben Klinkern verblendet und mit Ornamenten ausgeschmückt, die den Siegeszug der elektrischen Energie feiern.

Mit dem wachsenden Strombedarf wurde die Anlage mehrfach erweitert und 1933 endgültig stillgelegt. Ein Teil der Gebäude wurde durch das benachbarte AEG-Kabelwerk Oberspree genutzt.