
Walk of Fame Schöneweide 2026
Giganten auf Schienen

Für den Transport großer Transformatoren aus Schöneweide wurden spezielle Güterwagen og. „Tragschnabelwagen” mit mehreren Achsen entwickelt. Großtransformatoren aus dem Transformatorenwerk Oberschöneweide (TRO) zählten zu den größten technischen Leistungen der Berliner Industriegeschichte. Aufgrund extremer Dimensionen von bis zu 600 MVA – ausreichend für die Stromversorgung von bis zu 700.000 Haushalten – und einem Gesamtgewicht von oft über 200 Tonnen war für die Verschickung eine ausgeklügelte Logistik und großes Improvisationstalent erforderlich.
In den 1920er Jahren ließ die AEG Spezialwagen bauen, sogenannte Tragschnabelwagen mit bis zu 18 oder 32 Achsen. Der Transformator wurde als tragendes Teil direkt in den „Schnabel„ eingehängt und bildete so selbst das tragende Mittelstück zwischen den beiden Wagenteilen.
In der DDR wurde das VEB Transformatorenwerk „Karl Liebknecht„ (TRO) der zentrale „Hoflieferant” für die gesamte Energiewirtschaft der DDR und damit auch zuständig für die Montage und den Umschlag der riesigen Trafos. Um die enormen Massen von bis zu mehreren Hundert Tonnen sicher über das Schienennetz der DDR zu befördern, wuchsen die Waggons konstruktiv mit den Anforderungen.
Ein Zeitzeuge aus der Versandabteilung des TRO erinnert sich: So war das in der DDR – wir mussten immer improvisieren, immer mit dem Mangel kämpfen und uns immer was einfallen lassen. Ich musste Trafotransporte verfolgen, auf Wegen durch die halbe Welt. Da brauchte man Spezialkräne, um sie zu verladen, spezielle Transportfahrzeuge und spezielle Eisenbahnwaggons. Im Rostocker Uberseehafen lag sogar ein Schiff, eigens für schwere Frachten gebaut, die „Brocken„; damit wurden unsere Seetransporte abgewickelt.
Wir haben viel in den Iran und Irak verkauft, auch nach Afrika in den Kongo, also in Länder mit teilweise ganz unwegsamen Straßen, da ging es durch die Wüste oder durch den Urwald, das war jedes Mal ein Abenteuer, bis die Trafos an ihrem Bestimmungsort ankamen. Immer musste einer von uns diese Großtransporte persönlich begleiten, und mehr als einmal gab es dabei Probleme, die nur mit viel Einfallsreich-
tum und vielen Verrenkungen zu lösen waren. (Dieter Scholz 2013 im Industriesalon – Interview)

