Sehrohr 3 – Gewittermaschine

Rotes Sehrohr mit der Zahl 3

Walk of Fame Schöneweide 2026

Gewittermaschine

Abbildung zur Tafel „Gewittermaschine“

Wo einst künstliche Blitze zuckten, In der Hochspannungsanlage des TRO entwickelten die Physiker Arno Brasch und Fritz Lange Grundlagen für die moderne Teilchen- und Kernphysik. In den 20er Jahren wurde der leistungsfähigste Stoßspannungsgenerator Europas auf dem hinteren Dach der Montagehalle des TRO installiert. Im Sekundentakt produzierte er sehr starke kurze Blitze (2,4 MV) mit denen Transformatoren und Schalter beschossen und so auf ihre Wetterfestigkeit getestet wurden.

Die jungen Physiker Arno Brasch und Fritz Lange kamen auf die Idee, die sehr hohen Spannungen für die Weiterführung ihrer Experimente zu nutzen. Vorher hatten sie „Blitzfänger” im Tessin installiert: eine mehrere hundert Meter lange Antenne, die ein ganzes Tal überspannte. Nach dem tödlichen Unfall ihres Kollegen Kurt Urban verlegten sie die gefährliche Forschung nach Schöneweide.

Im Hochspannungslabor des Transformatorenwerks gelang es den Physikern, radioaktive Elemente und Neutronen zu erzeugen. Sie legten damit wichtige Grundlagen für die moderne Teilchen- und Kernphysik. Ihre Arbeit konzentrierte sich zunächst auf die Konstruktion eines Entladungsrohres, das die extremen Spannungen aushielt, ohne dabei bei jedem Spannungsstoß in die Luft zu fliegen. Anfang der dreißiger Jahre war die Apparatur dann soweit entwickelt, dass intensivste Elektronenstrahlen bei Austritt aus der Röhre die Luft zu gespenstisch blauem Leuchten brachten.

Brasch und Lang konnten Elektronen auf ein metallisches Ziel lenken und damit energiereiche Röntgenstrahlen erzeugen.

Die Produktion von Elektronenstrahlungen ermöglichte es Neutronen freizusetzen. Damit begann die völlig neue Technologie der Atomzertrümmerung. In der Folge gelang Otto Hahn und Fritz Strassmann

1938

erstmals die Spaltung des Atomkerns. Auch der Strahlentherapie eröffneten harte Röntgenstrahlen neue Möglichkeiten: Damit konnten erstmal auch tieferliegende Tumore bestrahlt werden. Mit der Machtübernahme der Nazis fanden die Forschungen im TRO ein jähes Ende. Als gebürtiger Jude floh Arno Brasch 1936 in die USA. Fritz Lange, der der KPD nahestand, emigrierte in die Sowjetunion, wo er über kernphysikalische Themen arbeitete.