stefann schridde, murks, herbstlese, industriesalon, schöneweideLesung mit Stefan Schridde
"Murks? Nein danke! Was wir tun können, damit die Dinge besser werden"

Im Rahmen der 1. SCHÖNEWEIDER HERBSTLESE

Mittwoch, 12. November 2014, 19:00 Uhr

Murks sind Drucker, die plötzlich ihren Betrieb einstellen, Küchengeräte, die nach wenigen Minuten heiß laufen, Waschmaschinen mit einer Reihe eingebauter »Kaputtinnovationen«. Wenn Ihnen das bekannt vorkommt und Sie sich auch schon gefragt haben, ob hier alles mit rechten Dingen zugeht, dann ist »Murks? Nein danke!« Ihr Buch.

Für Stefan Schridde steht fest, dass derartige »Fehler« nicht selten Teil des Geschäfts sind. Vieles geht absichtlich immer schneller kaputt – oftmals kurz nach Ablauf der Garantie. Was ist dran am Vorwurf des »eingebauten Defekts«, an der »geplanten Obsoleszenz«, wie das Phänomen im Fachjargon genannt wird? Werden wir wirklich systematisch betrogen, oder werden die Unternehmen durch den »Geiz ist geil«- Preiskampf gezwungen, billig zu produzieren? Lohnt es sich tatsächlich nicht mehr, Dinge so herzustellen, dass sie lange halten? Mit haarsträubenden Geschichten entführt uns Schridde in eine Welt, in der mit allen Tricks versucht wird, Reparaturen zu erschweren und Geräte nach kurzer Zeit unbrauchbar zu machen – und zeigt gleichzeitig auf, wie wir dem Murks ein Ende setzen können. Seine viel beachtete Bewegung MURKS? NEIN DANKE! fordert von Produzenten, Handel und Politik, den geplanten Verschleiß zu beenden, und ermutigt uns alle, neue Wege zu gehen – damit die Dinge besser werden.


Geleitwort

Endlich ein Buch, das mit vielen Beispielen in klaren Worten aufzeigt, wie die Industrie den Bürger systematisch abzockt. Dieser teure Betrug an der kaufenden Gesellschaft hat in Wirklichkeit noch weitreichendere Folgen. Er trägt zur Plünderung der Ressourcen unseres Planeten Erde bei, und damit zum Klimawandel, zur Ausrottung von Arten und zur Schuldenkrise. Denn je mehr, je öfter und schneller neue Autos, Computer und Smartphones die alten ersetzen, desto mehr muss auch die Umwelt in Form von Rohstoffen, Wasser und mehr für ihre Herstellung bezahlen. Noch immer werden über 20 Tonnen Natur für die Herstellung von einer Tonne Auto verbraucht  – und ein Vielfaches mehr für einen Computer. Rezyklieren hilft da etwas, aber eben nur etwas. Wie wichtig die Langlebigkeit von Technik für eine »Zukunft mit Zukunft« ist, habe ich in meinen Büchern oft beschrieben. Die eingebaute Obsoleszenz im Drucker ist auch ein Beitrag zur Zerstörung unserer Lebensgrundlagen, zu deren Erhaltung wir durch das Grundgesetz verpflichtet sind.


Doch Stefan Schridde begnügt sich nicht mit der Beschreibung der Auswüchse. Seine fundierte Analyse nimmt neben der Industrie konsequenterweise auch den Handel mit in die Verantwortung. Mit den »Murksviren« zeigt er eindrücklich, wie sich die geplante Obsoleszenz, einer ansteckenden Krankheit gleich, unter den Branchen ausbreitet. Mit den »Dimensionen der geplanten Obsoleszenz« verdeutlicht er die schädliche Vielfalt der Methoden dieser Wegwerfproduktion und präsentiert eine pragmatische Therapie und den dafür nötigen Handlungsrahmen.
Stefan Schridde sei Dank. Er hat den Betrug am Bürger offengelegt, der letztlich nichts anderes ist als ein Betrug an der Zukunftsfähigkeit der Menschheit. Dass Technik für die Gesellschaft Nutzen schaffen kann, ist längst bewiesen, aber dazu müssen andere Wege als die heute beschrittenen eingeschlagen werden.
Hoffen wir, dass mehr und mehr Menschen verstehen, wie die von Gier getriebene Wirtschaft neben Wohlstand und Wohlbefinden auch ihren absehbaren Niedergang befördert. Das hier vorliegende Buch ist ein wichtiger Schritt, um dieses Verständnis zu fördern und darüber hinaus dafür zu sorgen, »dass die Dinge besser werden«.
Friedrich Schmidt-Bleek


Stefan Schridde
Murks? Nein danke!: Was wir tun können, damit die Dinge besser werden
oekom verlag München
256 Seiten
ISBN-10: 3865816711 / ISBN-13: 978-3865816719


Stefan Schridde gründete 2012 die Plattform „MURKS? NEIN DANKE!“ und trägt mit seinen mehr als 20.000 Followern wesentlich zur Debatte über die schadhaften Folgen von geplanter Obsoleszenz in ganz Europa bei. Er steht dazu in direktem Austausch mit Ministerien, Behörden, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Gewerkschaften, NGOs und weiteren befreundeten Netzwerken.
Im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen erstellte er 2013 die viel beachtete Studie „Geplante Obsoleszenz – Entstehungsursachen, Konkrete Beispiele, Schadensfolgen, Handlungsprogramm” (Co-Autoren: Christian Kreiß und Janis Winzer).
An der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin lehrt er seit 2014 in den Fachbereichen Ingenieurwissenschaften und Gestaltung zu dem Themenfeld der geplanten Obsoleszenz. Er ist Vorstand der gemeinnützigen Verbraucher­schutz­organisation „MURKS? NEIN DANKE! e.V.“ mit Sitz in Berlin.


Veranstaltung im Anschluss an das Repair-Café im Industriesalon Schöneweide
Eintritt: 2,00 €


Mit Mitteln des Berliner Autorenlesefonds und mit freundlicher Unterstützung des Bezirksamtes Treptow-Köpenick, Fachbereich Kultur, gefördert - in Kooperation mit der Fahrbibliothek Treptow-Köpenick